Gut Ding braucht Weile - eine Binsenweisheit, die doch passgenau für Kurtag György gilt. Denn der 1926 in Lugos im Banat geborene Musiker war als Komponist ein Spätzünder. Fast schon im Pensionsalter, gelang ihm erst mit dem Liederzyklus „Mitteilungen des verstorbenen Fräuleins Troussova“ 1981 in Paris der internationale Durchbruch.
Er war bereits über 90, als er seine lang erwartete erste Oper fertiggestellt hat: „Fin de Partie“ nach Samuel Becket. Zu seinem 100. Geburtstag im Februar wurde er in Budapest, wo er seit Jahren in einem Apartment im „Budapest Music Center“ wohnt, ausführlich und musikalisch gefeiert. Da-bei kam seine zweite Oper, das Monodram „Die Stechardin“ zur Uraufführung.

„Gyuri bácsi“ (Onkel Georg), wird er in ganz Ungarn liebevoll genannt. „Meine Muttersprache ist Bartók, und Bartóks Muttersprache war Beethoven“, so bezeichnete György Kurtág einmal seine musikalischen Wurzeln.
1946 begann er sein Studium in Klavier, Kammermusik und Komposition in Budapest, wo er auch György Ligeti kennenlernte, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1947 heiratete er die Pianistin Marta Kinsker, die ihm als prägende Interpretin, Beraterin und Kritikerin seiner Werke bis zu ihrem Tod 2019 zur Seite stand. Während des Ungarischen Volksaufstandes 1956 konnte er nach Paris reisen, wo er Kurse bei Olivier Messiaen und Darius Milhaud besuchte, sich an den Ideen von Boulez, Ligeti und Stockhausen inspirierte und eine Schaffenskrise überwand. 1959 markiert sein Streichquartett, als „Opus 1“ diesen Neustart.
Kurtág ist ein Meister der Verdichtung. Seine Stücke dauern mitunter nur Sekunden, seine Kompositionen sind lapidare, prägnante Gesten, haben gerne auch feinen Witz. Zum 100er richten ihm die Festspiele einen hochkarätig besetzten Schwerpunkt von neun Konzerten (17.7. bis 25.8.) aus. Teodor Currentzis und sein Utopia-Orchester, das Klangforum Wien oder Pierre-Laurent Aimard sind aufgeboten.
Als eine zweite, wichtige und weibliche Stimme der Neuen Musik porträtiert man am 11. und 12. August die Italienerin Francesca Verunelli (*1979). Dabei erklingt „La nuda voce“ von 2025. Außerdem ihr Zyklus „VicentinoOo“ von 2024, kombiniert mit Vokalklängen der Renaissance. Das Werk ist eine Auseinandersetzung mit der Alten Musik, die die menschliche Stimme, Mikrotonalität und Raumklang erforscht. Stefan Musil