Entscheidend sind zwei Stimmbänder: Genauer gesagt erzeugen Kehlkopf und Stimmlippen den Grundton, während Rachen-, Mund- und Nasenraum als Resonanzräume fungieren. So viel zum technischen Teil der Gesangskunst.
Trällern wir unter der Dusche, spielt es kaum eine Rolle, ob wir hoch oder tief singen. Wer jedoch professionell auf einer Opern- oder Konzertbühne auftreten möchte, benötigt nicht nur eine umfassende Ausbildung, sondern auch eine Klassifizierung der Stimmlage. Dann ist man Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bariton oder Bass.
Während einer mehrjährigen Ausbildung an einem Musikkonservatorium und mit Unterstützung eines Gesangslehrers erlernen angehende Profisänger Atemtechnik und Atemstütze, Resonanz- und Klangbildung, Körperhaltung sowie Interpretation und Bühnenpräsenz. Für die meisten endet dieser Lernprozess nie: Die Pflege der Stimme begleitet sie durch das gesamte Berufsleben. Nicht wenige vergleichen ihren Beruf mit jenem eines Hochleistungssportlers - der sich im Idealfall niemals eine Verkühlung zuzieht.
Mit höchsten und tiefsten Tönen

Der Sopran ist die höchste weibliche Stimmlage und verkörpert in der Opernliteratur meist die leidende Heldin oder die umworbene Geliebte. Sein Klangspektrum reicht von zart und lyrisch bis dramatisch und durchdringend. Bei entsprechender Veranlagung und Ausbildung sind Sopranistinnen zu virtuosen Koloraturen in höchsten Lagen fähig.
Der Mezzosopran liegt meist etwa eine Terz tiefer und verfügt über ein dunkleres Timbre als der Sopran. Mezzosopranistinnen übernehmen häufig die Rolle der Vertrauten, der Widersacherin oder in der sogenannten Hosenrolle - auch die jugendlicher männlicher Helden.
Der Tenor gilt als der König der Männerstimmen. Als strahlender Held und leidenschaftlicher Liebhaber trägt er in zahllosen Opern die Hauptlast des dramatischen Geschehens. Nicht umsonst werden Tenöre als „Ritter des hohen C“ bezeichnet, weil viele Komponisten für dieses Stimmfach besonders publikumswirksame Arien geschrieben haben.
Der Bariton ist das männliche Pendant zum Mezzo. Er kann väterliche Wärme ausstrahlen, aristokratische Würde verkörpern oder bedrohliche Autorität zeigen. Viele der faszinierendsten Opernfiguren sind Baritone, weil ihre Stimme komplexe Charaktere glaubwürdig erscheinen lässt.
Der Bass verfügt über die tiefste männliche Stimmlage. Mit seinem erdigen, resonanten Klang verkörpert er auf der Bühne häufig Autorität, Würde oder Unheil. Entsprechend schlüpft er oft in die Rollen von Königen, Priestern, Herrschern, aber auch von Teufelsfiguren.
Der Countertenor nimmt unter den Männerstimmen eine Sonderstellung ein. Mithilfe der Falsetttechnik singt er in Altoder sogar Sopranlage und knüpft damit an eine Tradition an, die ihre Blütezeit im Barock erlebte jener Epoche, in der Kastraten die Opernbühnen dominierten.
Übrigens die Serie „Canto Lirico “ bietet eine hervorragende Möglichkeit, die derzeit besten Gesangskünstler im Rahmen von Liederabenden bei den Salzburger Festspielen zu erleben. Ein hautnahes Fest der Stimmen.
Von Susanne Dressler
