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05.07.2026

Festspiele in Salzburg

Costume Couture

Große Kunst aus klassischem Handwerk. Kostüme versinnbildlichen die Bühnencharaktere und lassen den Geist der Stücke lebendig werden.

Kostümtechnisch herausra gend (v.) Orphee aux enfers“ (2019) Idomeneo“ (2019) und „Don Giovanni“ (2024)Foto: Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

Die Außenseite eines Menschen ist das Titelblatt seines Innern. So lautet ein altes persisches Sprichwort, das sich mühelos auch auf die textilen Notwendigkeiten am Theater anwenden lässt. Das Kostüm ist ein sichtbares Statement, dessen Funktionen vielfältig sind und von der historischen Einordnung bis zur psychologischen Entwicklung einer Figur reichen. Jedenfalls ist es essenzieller Teil jenes Gesamtkunstwerks, das als bühnenwirksames Live-Erlebnis noch immer ein Alleinstellungsmerkmal genießt.

Jan Meier, Direktor der Abteilung Kostüm, Maske und Garderobe bei den Salzburger Festspielen, hat ganzjährig viel zu tun. Denn die Kreation eines Kostümbilds für Oper oder Sprechtheater erfolgt nicht erst in der jeweiligen Saison. „Im Idealfall gibt es ein Jahr Vorbereitungszeit“, erklärt er im Interview, „erste Planungen, die auch Budget und Personal betreffen, beginnen aber bereits zwei Jahre vorher. Für eine große Oper mit Soli, Chor und Statisten brauchen wir je nach Konzept ungefähr drei Monate, um alle benötigten Materialien zu besorgen, ehe die eigentliche Arbeit in den Werkstätten anfängt.“

Heuer gilt es, 14 große Produktionen mit ungefähr 1.400 Kostümen bis zur letzten Naht umzusetzen. Zur Bewerkstelligung dieses Pensums stehen ihm 35 permanente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, wobei das Personal in den Monaten Juli und August auf zirka 200 Personen anwächst.

Minutiös geplante Abläufe

Wie darf man sich den Prozess der Zusammenarbeit zwischen dem kreativen und dem handwerklichen Part – also den Kostümbildnerinnen & Kostümbildnern und Jan Meiers Abteilung – konkret vorstellen? „Man beginnt mit Vorgesprächen, erste Ideen werden vorgestellt, bei der Bauprobe für das Bühnenbild wird es konkreter, und etwa vier bis sechs Wochen später ist die Kostümabgabe. Hier wird das Konzept der gesamten Abteilung vorgestellt. Im Anschluss gibt es Detailbesprechungen mit den Gewandmeisterinnen und Gewandmeistern sowie anderen Abteilungen und Stoffe werden gemustert. Dann arbeiten wir regelmäßig mit den Kostümbildnerinnen und Kostümbildnern bzw. den Assistentinnen und Assistenten zusammen. Im Frühjahr finden die Anproben für die großen Gruppen statt, ab Probenbeginn werden die Solistinnen und Solisten anprobiert, bis zur Klavierhauptprobe wird am Kostümbild gefeilt, denn bei dieser kommen zum ersten Mal alle komplett mit Maske auf die Bühne, danach gibt es Anpassungen oder Adaptionen und zur Generalprobe sollten alle Kostüme fertig sein.“

Jan Meier begleitet alle Produktionen bis zur Premiere und sieht sie somit auch mehrfach. Wenn Zeit bleibt, besucht er zudem gerne die Konzerte der Salzburger Festspiele.

Gelungene Aufgaben

Es gibt viele Inszenierungen, die ihn, was die Kostüme betrifft, besonders beeindruckt haben. „Die Liebe der Danae“ und „Faust“ (beide 2016), „Ariodante“ (Pfingsten 2017), „Orphée aux enfers“ (2019), „Don Giovanni“ (2021/2024) oder „Richard the Kid & the King“ 2021 auf der Perner Insel – um nur einige zu nennen. Welches war eigentlich das bisher anspruchsvollste Kostüm in seiner Karriere? „Da gibt es mehrere“, meint er schmunzelnd. „Wir hatten ein LED-Kostüm für den Teufel im ‚Jedermann‘ 2017. Das war in Planung und Betreuung sehr aufwendig. Für die Produktion von „Orphée aux enfers“ 2019 wurden für 20 Statisten Skelett-Kostüme hergestellt. Die Knochen und der Brustkorb waren lasergeschnitten, die einzelnen Teile wurden mit Swarovski-Kristallen belegt, am Körper positioniert und dann locker festgenäht, sodass eine dreidimensionale Wirkung entstand. Beim „Idomeneo“ 2019 wurde für die Rolle der Elettra ein Oberteil aus handgefärbten Pressperlen gefertigt. Dazu wurde ein Schnitt erstellt, ein Muster-Oberteil angefertigt und danach wurden die Perlen, von Hand aufgezogen, in einem Muster versponnen.“ Wann ist ein Kostüm generell gelungen? Dazu hat Jan Meier eine ebenso kurze wie eindeutige Antwort: „Wenn man sich keine Gedanken darüber macht, es aber nachwirkt.“


Die Bedeutung des Kostüms

Die Abteilung für Kostüm, Maske und Garderobe der Salzburger Festspiele betreut in der Saison 2026 insgesamt 14 Produktionen und sorgt mit 1.400 Kostümen, die sich aus 7.000 Teilen zusammensetzen, dafür, dass der künstlerische Anspruch auch textil zum Ausdruck gebracht wird. Denn das Kostüm ist ein zentrales visuelles Mittel jeder Inszenierung, deren vollständiges Erscheinungsbild in enger Abstimmung mit der Regie konzipiert wird. Es veranschaulicht die Charaktere, unterstreicht ihren jeweiligen Status, erklärt den historischen Kontext und hat, nicht zuletzt durch die Wahl der Farben, auch eine psychologische Wirkung. Für Schauspieler ist das Kostüm oft der letzte Schritt in der Rollengestaltung.