Das freie Wort

Luxus-Pensionen und Verantwortung im ORF

Mit großem Unverständnis habe ich den Bericht über die 2,4-Millionen-Euro-Luxuspension im ORF gelesen. Der eigentliche Skandal ist aus meiner Sicht jedoch nicht nur die Summe selbst, sondern vor allem, wer davon profitiert und wie es dazu kommen konnte. Der wahre Skandal ist für mich Pius Strobl. Man kennt ihn in erster Linie als Gesicht der jährlichen Weihnachtskampagne „Licht ins Dunkel“, bei der er um Spenden bittet – ein zweifellos wichtiges Projekt. Doch abgesehen davon ist vielen Gebührenzahlern kaum bekannt, welche Leistungen er für den ORF erbringt, die ein Jahresbruttogehalt von rund 450.000 Euro rechtfertigen. Dass nun zusätzlich eine maßgeschneiderte Luxus-Pension von 2,4 Millionen Euro hinzukommt, wirkt auf viele Bürger schlicht wie eine Sonderbehandlung innerhalb eines öffentlich finanzierten Unternehmens. Ebenso kritisch zu hinterfragen ist die Rolle des ehemaligen Generaldirektors Alexander Wrabetz. Dass eine derart weitreichende Regelung offenbar an seinem letzten Arbeitstag unterzeichnet wurde, wirft Fragen nach Transparenz, Verantwortlichkeit und Kontrolle auf. Solche Entscheidungen müssen dringend genauer durchleuchtet werden. Der ORF finanziert sich zu einem großen Teil aus verpflichtenden Gebühren der Bevölkerung. Gerade deshalb sollte dort ein besonders strenger Maßstab gelten, wenn es um Gehälter, Pensionen und Nebenbeschäftigungen geht. Hier braucht es dringend Reformen: eine klare Gehaltspyramide, Transparenz bei Verträgen und ein Ende von Mehrfachjobs für prominente Moderatoren oder Stars – wie etwa bei Robert Kratky –, sofern diese nicht zu einer entsprechenden Reduktion ihres Einkommens führen. Darüber hinaus wäre es an der Zeit, den ORF strukturell neu aufzustellen: mit deutlich weniger politischer Einflussnahme, klaren Verantwortlichkeiten und einer Führungsebene, die sich an nachvollziehbaren und für die Öffentlichkeit akzeptablen Maßstäben orientiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann nur dann dauerhaft Vertrauen genießen, wenn er mit dem Geld der Bürger besonders sorgfältig und transparent umgeht. Genau daran scheint es in diesem Fall massiv zu fehlen.

Mike Payer, Neusiedl am See

Erschienen am Mo, 16.3.2026

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