Das freie Wort

Die Nichtwähler-Partei

Es wäre eigentlich ganz einfach! Wer die meisten Stimmen bei den Wahlen bekommen hat, den will das Volk in einer Regierungsverantwortung sehen. So weit, so logisch. Den mit den wenigsten Stimmen erwartungsgemäß nicht! Genau das ist nämlich der tiefere Sinn von Wahlen. Unser System hingegen macht es möglich, dass Parteien mitregieren, die beim Wähler völlig unten durch sind – und Gewinner werden übergangen. Um sich diese demokratiepolitische Katastrophe schönzufärben, dreht man den Spieß gekonnt um. Dann werden Wahlsieger auf einmal vom überwiegenden Anteil der Bürger abgelehnt! Dass diese völlig absurde Milchmädchenrechnung, auf Verlierer-Parteien umgemünzt, wesentlich drastischer ausfällt, wird dabei einfach negiert. In einer gerechten Demokratie sollte dieser Wählerwille zwingend umgesetzt werden! Die Reihung vom Sieger bis hin zum Wahl-Verlierer hat schließlich der oberste Souverän, das Volk festgelegt. Diese Reihung sollte in der Folge also nicht bloß zum Bestandteil irgendeiner billigen Packelei werden. Denn auf eine derart üble Weise stellt man Wahlen generell infrage! Wozu wählen gehen, wenn meine Stimme im Grunde genommen ohnehin nichts mehr zählt? Aber sich dann groß wundern, wenn die Nichtwähler oft die größte Partei im Land stellen? Seit einigen Jahren wird uns leider drastisch vor Augen geführt, wie schlecht unsere repräsentative Demokratie in Wirklichkeit sein kann. Was den meisten Österreichern bis dato in dieser Intensität nie aufgefallen ist.

Odo Döschl, Leopoldsdorf

Erschienen am Mo, 21.10.2024

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