Das freie Wort

Über die Zinspolitik

Sparer würden es sicherlich sehr gut finden, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen anhebt. Als Sparer würde man sich über Zinsen freuen, damit das Gesparte nicht mehr schleichend entwertet wird. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Gesamtgesellschaftlich wäre das Anheben der Zinsen nicht ganz so fein. Warum ist das so? Erstens würden damit Kredite verteuert werden. Das heißt, dass Private wie auch Firmen weniger investieren würden, da es zu steigenden Kreditkosten kommen würde. Zweitens würde sich sparen wieder auszahlen, was bedeutet, dass Private Investitionen zurückhalten. Das führt dazu, dass es weniger Investitionen in die Wirtschaft gibt und dadurch auch z. B. weniger Arbeitsplätze. Und dann kommt noch der Staat. Der Staat könnte nicht mehr billig Anleihen und Kredite aufnehmen, was bedeutet, dass die Staatsschulden in die Höhe schießen würden, was wiederum zu weniger Investitionen durch den Staat führen würde. Eine Zinserhöhung würde nur Sinn machen, wenn die Wirtschaft wirklich überhitzt, aber davon sind wir zurzeit in Europa Lichtjahre entfernt. Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine Zinserhöhung das Wachstum abwürgen und dazu führen, dass Unternehmen, Staaten und Private sparen würden, und das wäre gar keine gute Idee für Arbeitsplätze oder staatliche Leistungen. Leider gibt es durch die geringen Zinsen Kollateralschäden, wie dass z. B. der Wohnungsmarkt überhitzt wird oder dass die Inflation höher als normal ist. Aber diese Kollateralschäden sind meines Erachtens bei Weitem nicht so ausgeprägt wie die Schäden, die durch eine Zinserhöhung entstehen würden.

Andreas Laszakovits, per E-Mail

Erschienen am Di, 18.1.2022

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