Das freie Wort

Arnautovic fehlt Teamreife

Anscheinend versetzt der Fußballsport die Akteure in einen emotionalen Ausnahmezustand, der archaisches Verhalten und im Alltag beherrschte Gefühle unkontrolliert ausbrechen lässt. Da werden rassistisch geprägte Beleidigungen dem sportlichen Gegner entgegengeschrien, und nicht selten haben Mannschaftskollegen größte Mühe, den außer sich Geratenen von weiteren aggressiven Aktionen abzuhalten. Gerade besonders begabte Spieler neigen zu diesem Extremverhalten und heizen die oftmals gespannte Situation auf dem Spielfeld weiter an. Nach einem erzielten Tor wird die Persönlichkeit des erfolgreichen Torschützen erkennbar. Egoistische Einzelläufe über das Spielfeld, gepaart mit allen nur erdenklichen Möglichkeiten zur Selbstbelobigung einschließlich erlösenden Urschrei. Wenn dann genügend persönliche Befriedigung genossen wurde, dürfen die Mannschaftskollegen ihrem Helden huldigen. Marko Arnautovic ist ein besonders auffälliges Beispiel, wie manche Ausnahmespieler den Bezug zum Leben außerhalb der Fußballwelt verloren haben. Seine Welt besteht ausschließlich aus dem Fußballspielen, seine Persönlichkeit polarisiert, und sein soziales Verhalten ist mehr als fragwürdig. Die Leistungen auf dem Spielfeld rechtfertigen oder entschuldigen nicht seine rassistischen Entgleisungen oder exzentrischen Auftritte. Er hat nicht begriffen, dass er für viele Menschen Vorbild ist und die Fans seine Auftritte als nachahmenswert verstehen. Sein Verhalten ist trotz seiner Leistungen und trotz seiner später nachgereichten Entschuldigungen nicht hinnehmbar. So gut darf und kann ein Fußballer gar nicht sein, dass so ein Sozialverhalten einfach hingenommen wird.

Franz Peer, Linz

Erschienen am Do, 17.6.2021

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