Hai auf Speisekarte

Blutiges Schlachten bedroht Könige der Meere

Klima
15.01.2026 15:00

Vor einer Morgendämmerung ohne Jäger warnen jetzt Tierschützer. Denn gerade die edelsten Flossentiere des Mittelmeeres sind vom Aussterben bedroht! Die größte Sorge gilt den Weißen Haien!

Es ist früh am Morgen im Mittelmeer. Die Sonne glitzert auf den Wellen, Fischerboote gleiten lautlos durch das Wasser. Alles wirkt wie immer – und doch fehlt etwas. Unter der Oberfläche, dort, wo einst majestätische Schatten glitten, ist Leere. Haie, die dieses Meer seit Millionen Jahren prägen, werden seltener.

Helmut Belanyecz, Wiener Meeres-Urgestein und Beobachter der Mittelmeerfauna seit Jahrzehnten, schüttelt den Kopf: „Früher sah man vom Boot aus mit etwas Glück noch die edlen Meeresbewohner. Heute? Kaum ein Schatten, kaum ein Leben.“

Millionen Jahre Evolution gegen wenige Jahrzehnte Gier
Haie überlebten Eiszeiten, Meteoriteneinschläge, ganzes Artensterben – und nun verlieren sie gegen Netze, Haken und Märkte. Mehr als 80 Hai- und Rochenarten leben im Mittelmeer, mehr als die Hälfte gilt inzwischen als bedroht. Überfischung, Beifang, illegaler Fang: Die uralten Jäger geraten ins Wanken.

Besonders dramatisch: Weiße Haie. US-Wissenschaftler in Kooperation mit der britischen NGO Blue Marine Foundation warnen nach genauen Bestandsaufnahmen in den Tiefen und auch auf den Meereswellen: Diese Könige der Meere stehen kurz vor dem Verschwinden. Trotz internationalen Schutz tauchen sie weiter auf Fischmärkten in Nordafrika auf.

Szenen vom Markt: Geruch, Lärm, Blut
Auf dem Fischmarkt in Tunis brennt die Morgensonne bereits heiß. Styroporplatten voller Fisch liegen zwischen aufgetürmten Kisten mit Sardinen, Thunfisch und Haischädeln. Ein Mann hält die Flossen eines Kurzflossen-Mako in die Kamera, ein anderer wiegt eine Styroporbox mit Haifleisch. Der Geruch von Meerwasser mischt sich mit Blut, Fisch und altem Öl. Stimmen schreien durcheinander, Käufer feilschen, Händler lachen – für die Haie ist hier kein Platz.

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Jede Flosse, die hier verkauft wird, ist ein Stück Geschichte, das wir verlieren.

Helmut Belanyecz, Ökologe

In Algerien zieht ein Fischerboot einen massiven Weißen Hai an Land. Männer stemmen den Schatten mit bloßen Händen, die Flossen schlagen in der Sonne, Wasser tropft von der Haut des Jägers. Die Kamera einer NGO filmt jede Bewegung. Die Männer lachen, schneiden, wiegen, während der Hai ein letztes Mal die Luft über dem Mittelmeer spürt. „Das ist kein Schauspiel, das ist traurige, erschütternde Realität“, sagt Belanyecz, „und es passiert jeden Tag.“

Gesetze auf dem Papier, Leere auf See
Die neue „Blue Marine“ Studie dokumentiert mehr als 200 Schutzmaßnahmen in allen 22 Anrainerstaaten. Vor allem EU-Länder sind aktiv, Spanien führt die Liste an. Doch niemand überprüft systematisch, ob die Maßnahmen wirken. Schutz existiert oft nur auf dem Papier.

Dr. Francesco Ferretti von der Universität Virginia Tech warnt: „Kein anderes Gewässer wird so stark befischt wie das Mittelmeer. Wenn wir nicht sofort handeln, könnten Weiße Haie hier aussterben.“

Fischer zwischen Existenz und Verantwortung
Haie lassen sich nicht gegen die Fischerei schützen, sondern nur gemeinsam mit ihr. Küstengemeinden sind wirtschaftlich auf den Fang angewiesen. Wer sie ignoriert, verliert die Unterstützung. Erfolgreicher Schutz braucht Dialog, Anreize und moderne Fangmethoden, die Beifang reduzieren. Doch ohne finanzielle Unterstützung bleiben diese Techniken unerreichbar. Belanyecz ergänzt: „Die Fischer wollen nicht töten – sie müssen überleben. Wir müssen ihnen Werkzeuge geben, damit beide gewinnen: Mensch und Hai.“

Schutzgebiete ohne Schutz
Viele Meeresschutzgebiete existieren nur auf Karten. Haie tauchen in den Plänen kaum auf. Forscher fordern, Schutzräume gezielt auf Haie auszurichten. Belanyecz mahnt: „Ein Schutzgebiet, das Haie nicht schützt, ist wie ein Zaun ohne Pferde. Es ist nutzlos.“ Ohne koordinierte Forschung lassen sich Bestände kaum einschätzen. Trends, Druck auf Populationen, Risiken – all das bleibt im Dunkeln. Daten müssen dort ankommen, wo politische Entscheidungen fallen.

Geld entscheidet über Zukunft
Grenzüberschreitender Haischutz kostet Geld – doch Förderungen sind fragmentiert, kurzfristig, national begrenzt. Das Meer kennt keine Grenzen. Ohne langfristige Finanzierung bleibt der Schutz Stückwerk.

Das Mittelmeer ist klein, alt und übernutzt. Jeder verschwundene Hai, jede Flosse ist ein stiller Alarmruf aus der Tiefe. Noch besteht die Chance gegenzusteuern - mit Transparenz, Kontrolle, Zusammenarbeit und politischem Mut. Belanyecz warnt: „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir unseren Kindern nur noch leere Meere hinterlassen.“

Wenn die Haie verschwinden, verliert das Meer seine Wächter. Dann kippt das Gleichgewicht – still, unsichtbar, unumkehrbar. Und das Mittelmeer schweigt. Ein Schweigen, das lauter ist als jeder Alarm.

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