Zwei Fälle in Wien

Erfrieren: Ab wann Kälte tödlich werden kann

Österreich
15.01.2026 14:02
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die klirrende Kälte hat Österreich weiterhin fest im Griff – und kann mitunter sogar zur tödlichen Gefahr werden. Der Chefarzt des Roten Kreuzes erklärt, wann es kritisch wird. 

Nach der klirrenden Kälte und zwei am Wochenende erfrorenen Personen betonte Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), dass derartige Todesfälle hierzulande zwar selten vorkommen. Unter 30 bis 28 Grad Körperkerntemperatur sei ein Mensch aber jedenfalls „kritisch krank“ und in einer bedrohlichen Situation. Bei im Freien schlafenden Obdachlosen sollte zumindest das Kältetelefon angerufen werden, sagte er aus Anlass der zwei in Wien gestorbenen Männer.

Kältetelefon kann Leben retten
Es gebe Wohnungslose, die nicht in den angebotenen Schlafplätzen übernachten wollen, sei es aus schlechten Erfahrungen in Wohnheimen oder aus welchen Gründen auch immer, erläuterte Schreiber am Donnerstag. Aber auch wenn eine Passantin oder ein Passant eine obdachlose Person in der Kälte anspricht und diese vermittelt, dass sie keine Hilfe will: Das Kältetelefon könne immer alarmiert werden, sagte der ÖRK-Chefarzt.

Kältetelefon in Österreich

  • Caritas Wien: Kältetelefon: 01/4804-553
    29. Oktober bis 29. April
  • Caritas Burgenland: Kältetelefon: 0676/8373-0322
    1. Nov. – 31. März
  • Caritas Steiermark: Kältetelefon: 0676/880-58111
    11. Nov. – 31. März
  • Caritas Kärnten: Kältetelefon: 0463/3960-60
    1. Nov. – 31. März
  • Caritas Salzburg: Kältetelefon: 0676/8482-10651
    1. Nov. – 31. März
  • Tiroler Soziale Dienste: Kältetelefon: 0512/2144-7
    1. Nov. – 30. Apr.
  • Caritas Vorarlberg: Caritas Center: 05522/200-1700
  • Sozialverein OÖ: Kältetelefon: 0732/7767-67560
    1. Nov. – 31. März

Die Caritas kenne das Klientel und habe teils mehr Aussicht auf Erfolg, die Betroffenen in eine Schlafstelle zu bringen als Polizei oder Rettungsdienst. Aber auch die Blaulichtorganisationen stehen zur Verfügung, vor allem in Gemeinden, wo es kein Kältetelefon oder ähnliche Notfallnummern gibt.

Tod durch Unterkühlung, nicht durch Erfrierungen
Bei derartigen Fällen wie am Wochenende in der Bundeshauptstadt handle es sich meist um Tod durch Unterkühlung (medizinisch: Hypothermie), erläuterte Schreiber. Ein Tod durch Erfrierungen oder Erfrieren komme eher nur im hochalpinen Bereich vor. „Auch Lawinenverunfallte sterben in der Regel nicht an Unterkühlung, sondern ersticken“, erläuterte der Mediziner. Normal ist eine Körperkerntemperatur von über 35 Grad. Darunter handle es sich um eine Unterkühlung mit verschiedenen Schweregraden.

Die Infografik erklärt die Gefahren durch Kälte im Winter für obdachlose Menschen. Sie zeigt, wie sich Unterkühlung je nach Körpertemperatur auswirkt: Bei 35 bis 32 Grad Celsius ist man wach und zittert, bei 32 bis 28 Grad reagiert man auf Ansprache, aber zittert nicht mehr, bei 28 bis 24 Grad reagiert man nicht mehr, atmet aber noch, und unter 24 Grad gibt es kein Bewusstsein und keine Atmung. Die Grafik warnt, dass die Bergung unterkühlter Personen sehr vorsichtig erfolgen musst. Es werden Notrufnummern und Kältetelefone für verschiedene Bundesländer genannt, um Hilfe für gefährdete obdachlose Menschen zu holen. Quelle: APA, Caritas.
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  Für eine Unterkühlung brauche es „gar nicht so sehr diese kalten Temperaturen“. Die meisten Patientinnen und Patienten, die deshalb behandelt werden müssten, sind laut dem Mediziner alte Menschen, die nicht oder zu sparsam heizen, in Haus oder Wohnung stürzen, nicht mehr aufkommen und länger liegen bleiben, bis es jemand bemerkt. Darüber hinaus seien auch vor allem wohnungslose Personen betroffen, die bei kalten Temperaturen im Freien zu liegen kommen und nicht mehr aufstehen können oder die Kälte aufgrund einer Alkoholisierung nicht spüren. Bei Wind oder einem Sturz in kaltes Wasser erfolgt die Abkühlung rascher.

Nach Spitalsbehandlung meist keine bleibenden Schäden
Fitte, nüchterne Personen suchen bei ersten Anzeichen einer Unterkühlung – wie „Muskelaktivität im Sinne von Kältezittern“ oder dem Gefühl von kalten Extremitäten oder Händen – das Warme auf, erläuterte Schreiber. Bleibt die betroffene Person aber liegen, kann sie apathisch bis bewusstlos werden, Atemfrequenz und Blutdruck werden geringer und es kann bis zum Herzstillstand und Tod kommen. Es gibt jedoch „selten tief hypotherme Patienten, die sich mit Kreislaufstillstand präsentieren“, sagte der ÖRK-Chefarzt.

  Wenn eine unterkühlte Person nicht mehr „geordnet ansprechbar ist, dann wird man das selbst nicht lösen können“, erläuterte Schreiber in Bezug auf nötige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Es müsse der Rettungsnotruf verständigt und ein weiteres Abkühlen verhindert werden, aber nur durch Zudecken allein werde sich die Person nicht erwärmen. Bei einer Behandlung im Krankenhaus ist die Prognose gut, eine Unterkühlung ohne neurologische Defizite zu überleben, versicherte der Universitätsprofessor.

Bewegung des Patienten kann zu Verschlechterung führen
Im Spital erfolgt die Therapie mit einer Art dünner Luftmatratze, aus der warme Luft auf die Haut geblasen wird, berichtete der Mediziner. Es gebe auch die Möglichkeit, auf 38 Grad erwärmte Infusionen zu verabreichen. Außerdem werde bei einer starken Unterkühlung versucht, den Patienten möglichst wenig zu bewegen. Das kann nämlich zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen.

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