Das freie Wort

Wasser predigen...

Bundeskanzler Kurz wurden die Corona-Abstandsregeln zum Verhängnis – ohne Folgen. Bundespräsident Van der Bellen „übersah“ zu Corona-Zeiten die gesetzliche Sperrstunde – auch ohne Folgen. Andere Politiker wurden beim Feiern erwischt oder bei Rauchpausen am Balkon oder bei Partei- oder Gemeindesitzungen – ohne Maske, ohne Abstand, aber mit Fotos und Videos belegt. Teils harte Strafen gab es aber nur für den „gewöhnlichen Bürger“, und diese Strafen waren teilweise nicht einmal rechtlich gedeckt. Von Deutschland ist in der Richtung nicht allzu viel zu hören, aber es scheint nicht viel anders zu sein als bei uns. Von Bundespräsident Steinmeier gab es z. B. einmal ein Video. Da war zu sehen, wie er eine Rede hielt – mit Maske. Da ging es, wenn ich mich recht erinnere, auch um Schutzmaßnahmen gegen Corona. Und als er fertig war und meinte, alle Kameras seien abgeschaltet, nahm er die Maske ab, hielt sie von sich weg und fragte, wer ihm das Ding abnehmen möchte. Peinlich, weil eben eine Kamera noch lief. Und jetzt erwischte es Herrn Steinmeier schon wieder. Bei seinem Urlaub Ende Juli in Südtirol wurde ein Foto veröffentlicht, welches ihn mit dem Südtiroler Landeshauptmann und vier Musikerinnen zeigt. Alle ohne Maske, dafür gibt es Körperkontakt. Aber ein paar Tage später maßregelte er in einem Video-Appell die Deutschen wegen der Einhaltung der Corona-Regeln – auch am Urlaubsort. Auch die deutsche Vize-Bundesvorsitzende der Grünen tappte in die Corona-Falle – im Corona-Hotspot Lombardei. Ohne Maske. Und dass sie eine Riesentüte von einem Fast-Food-Konzern vor sich hatte, ist insofern interessant, weil sie sich für ein Verbot von Fast-Food- Werbung starkmachte. Bei den Damen und Herren aus der Politik gilt anscheinend wirklich: Wasser predigen und Wein saufen. Man könnte auch sagen, sie sind Maulhelden und Schauspieler.

Josef Höller, per E-Mail

Erschienen am Do, 13.8.2020

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