Das freie Wort

Der Kampf ums Geld

Der in der EU zum Vizepräsidenten des EU-Parlaments beförderte Othmar Karas, selbst ein ÖVP-Mann, mischt sich wieder einmal in die österreichische Politik ein. Es geht dieses Mal um die Höhe des EU-Beitrages, und er widerspricht da Kanzler Kurz, der nicht gewillt ist, mehr zu bezahlen als bisher. Was so allerdings auch nicht stimmt, denn die Zahlung ist abhängig vom BIP, und wenn das BIP wächst, so wie 2019, steigt die Beitragszahlung an. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt, also die erbrachte Wirtschaftsleistung in Österreich) für das Jahr 2018 betrug fast 386 Milliarden. Ein EU-Beitrag von einem Prozent ist demnach fast 3,86 Milliarden. Für 2019 ist mit einer Steigerung auf knapp 400 Milliarden zu rechnen und somit steigt der Beitrag auf fast 4 Milliarden, also etwa 140 Millionen mehr als 2018. So viel zum „Wir bezahlen nicht mehr“. Eine Erhöhung auf 1,3 Prozent des BIP, wie vom EU-Parlament gefordert – da sitzen auch die Vertreter Österreichs drinnen –, würde bei einem BIP von 400 Milliarden satte 1,2 Milliarden ausmachen. Nur die Erhöhung wohlgemerkt. Und da mischt sich Karas in die Diskussion ein, untermauert die Forderung der EU nach einer Beitragserhöhung, sagt: „Das Europäische Parlament will sicherstellen, dass Investitionen in den ,Green Deal‘, Forschung, Bildung und der Kampf gegen Kinderarmut ausreichend finanziert sind.“ Der „glühende Europäer“ vergisst natürlich auch nicht zu erwähnen, dass die Forderung nach einer Beitragserhöhung „auch von der Fraktion der Europäischen Volkspartei unterstützt wird“. Also auch von unseren nach Brüssel entsandten ÖVP-Leuten, die somit Kanzler Kurz in den Rücken fallen. Und da der werte Herr Karas erwähnte, mit einer Beitragserhöhung soll sichergestellt sein, dass auch Investitionen in den Kampf gegen Kinderarmut ausreichend finanziert werden können, hätte ich dazu eine Frage: Aus allen möglichen Richtungen hört man immer wieder vom Kampf gegen die Kinderarmut, und dazu möchte ich gerne wissen, ob denn Kinder geschäftsfähig sind; ob sie selbst für sämtliche Zahlungen aufkommen müssen für ihren Lebensunterhalt und ob sämtliche Zahlungen, wie z. B. Kindergeld, auf ihr eigenes Konto eingehen usw. Ich weiß, die Frage ist nur theoretischer Natur, da in Österreich Personen unter 7 Jahren vollkommen geschäftsunfähig und von 7 bis 14 Jahren noch unmündig, aber bereits beschränkt geschäftsfähig sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie – und nur sie – per Gesetz über Kindergeld etc. verfügen können. Meiner Meinung nach dient die Diskussion rund um die sogenannte Kinderarmut nur dazu, auf versteckte Art das Familieneinkommen zu erhöhen. Und wenn Herr Karas meint, mit einer Beitragserhöhung auch die sogenannte Kinderarmut bekämpfen zu wollen, so heißt das nichts anderes, als dass sich die EU wieder einmal in nationale Angelegenheiten einmischen will.

Josef Höller, per E-Mail

Erschienen am Mo, 10.2.2020

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Weitere Leserbriefe
19.4.2026Datum auswählen
Schmid und die Falschaussagen
Wieder einmal steht der ehemalige Generalsekretär des Finanzministeriums, Herr Schmid, im Rampenlicht. Diesmal wegen einer Falschaussage im ...
Leopold Rapp
Mister Ahnungslos
Als man lesen musste, dass Thomas Schmid als ÖBAG-Chef, ich zitiere: ,,Oh Gott, reisen wie der Pöbel“, oder: ,,kriegst eh alles, was du willst“, von ...
Christine Schüller
Wenn Eigeninitiative zum Nachteil wird
Es ist schwer nachvollziehbar, welche Prioritäten derzeit in der österreichischen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gesetzt werden. Während mit der ...
Mike Payer
Eine sensationelle Kooperationsachse
Bundeskanzler Stocker war mit einer Wirtschaftsdelegation auf Staatsbesuch in Indien, um die „Kooperation“ zwischen den Ländern zu stärken. ...
Mag. Martin Behrens
Neue Märkte erschließen
Kanzler Stocker reist mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation nach Indien, um einen Wirtschaftsboom zwischen beiden Ländern anzukurbeln. Sehr ...
Dagmar Junker
Fischer, der Ratgeber
Deutschlands ehemaliger Außenminister Joschka Fischer durfte in Wien seine weisen Worte kundtun. Wer hat diesen Rabauken eigentlich eingeladen? Für ...
Werner Schupfer
Neutralität überdenken?
Der ehemalige Außenminister von Deutschland rät uns, die österreichische Neutralität zu überdenken. Ein Ratschlag ist immer auch ein Schlag. Und der ...
Ingrid Ederer
Vorbild Regierung
Treibstoffmangel, Kerosin-Mangel, Teuerungswelle durch explodierende Energiekosten usw. – und was macht unsere Regierung? Sie reist in der ganzen ...
Stephan Pestitschek
Ungarn ist frei
Ungarn hat gewählt, die Demokratie lebt, der ungarische Staat ist gerettet. So ungefähr lautet die offizielle Variante des Ergebnisses des ...
Wolfgang Mitteregger
Budgetsanierung
In der ORF-Sendung „Report“ vom 14. 4. 2026 hat Herr Badelt, seines Zeichens Chef des Fiskalrates, Vorschläge von ebendiesem zur Budgetsanierung ...
Norbert Neubrand
Kröten
Danke für den Artikel über die Probleme, mit denen die Retter der Kröten konfrontiert sind. Auch wenn die Tiere für viele Menschen keine ...
Mag. Irmgard Safferthal
Kritik vom Papst
Seit Beginn des Iran-Krieges kritisiert das Kirchenoberhaupt ganz offen die Politik der USA. Dass es dadurch zwischen dem amerikanischen Präsidenten ...
Mag. Hans Rankl
Schüler auf Marsmission
Europäische Jugendliche, darunter drei Österreicherinnen und Österreicher, trainieren derzeit in Portugal für eine fiktive Reise zum Mars. Klingt ...
Martin Krämer
Die „Raubritter“ von Hormus
Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man das Hin und Her um der Meerenge von Hormus nur noch als großes Welttheater bezeichnen. Die religiösen Eiferer ...
Franz Weinpolter
Gesundschrumpfung der Ärztekammer
Präsidentin Martha Schultz will in „ihrer“ Wirtschaftskammer schlankere Strukturen schaffen. Dadurch solle es zu großen Einsparungen kommen. Genau ...
Dr. Wolfgang Geppert
Atomare Bedrohung
Nicht nur von Atomwaffen geht eine Bedrohung aus, auch Kernkraftwerke stellen ein gewisses Gefahrenpotenzial dar. Gerade in Kriegszeiten können sie ...
Wolfgang Ertl
Arbeitgeber ohne Mitspracherecht
Mit seinem Beitrag im ,,freien Wort“ trifft Herr Rudolf Weinmayr den Nagel auf dem Kopf und spricht wohl einem Großteil der Bürger aus der Seele. ...
Josef Pratsch
Rezept gegen Energiekrise
Wenn man sich die Benzin- und Dieselpreise nicht mehr leisten kann, dann muss man halt zu Fuß gehen. Wenn man sich die Heizkosten nicht mehr leisten ...
Ralf Kernmayer
Nein, Herr Felbermayr!
Nicht die derzeitigen Pensionisten sind das Problem, die ja ihr ganzes Leben für ihre Pension eingezahlt haben! Vielmehr sind es die Arbeitnehmer, ...
Harald Eitzinger sen.

Voriger Tag
19.4.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt