11.11.2007 19:14 |

Multitalente live

The Arcade Fire heizten Wien ein

„Arcade Fire? Wer soll das sein?“ Diese Frage werde ich mir in Zukunft wohl nicht mehr so häufig anhören müssen, denn angesichts des Zustroms auf das Wien-Konzert der Kanadier kann die Indie-Band längst kein Geheimtipp mehr sein, wie ich anfänglich - und augenscheinlich fälschlicherweise - angenommen hatte. Anstatt eines naiverweise von mir erwarteten intimeren Abends mit überschaubarer Zuschaueranzahl erlebten die Fans ein bis auf den letzten Platz gefülltes Gasometer, dem von Arcade Fire ordentlich eingeheizt wurde. Sogar aus Slowenien kamen Leute angereist, um eines der wenigen Mitteleuropa-Konzerte von Win Butler und Co. zu genießen. Und ein Genuss – sowohl in optischer als auch musikalischer Hinsicht – war es allemal.

Mit zehn Mann (und Frau) hoch kommen Arcade Fire auf die Bühne. Und legen gleich mit „Black Mirror“ von ihrem zweiten Album „Neon Bible“ los. Das gute Stück haben sie übrigens in einer Kirche aufgenommen, die sie, wie sie in einem Interview erzählten, eigens zu diesem Zweck kauften und in ein Studio umbauten. Links auf der Bühne steht imposant eine Orgel. Die Fans freuen sich schon. Bald wird sie zum Einsatz kommen. Nur noch ein bisschen Geduld.

Schon beim zweiten Song, „Keep The Car Running“, können sich auch die Leute auf den Sitzplätzen kaum mehr halten – und nach „Neon Bible“ steht die gesamte Halle. Die Orgel ist jetzt angeschmissen. Natürlich bei „Intervention“, das imposant mit den wuchtigen Klängen des Kircheninstruments eingeleitet wird. Neben den bekannten Hits ihrer Alben „Funeral“ und eben „Neon Bible“ bringen Arcade Fire aber auch weniger Bekanntes von ihrem gleichnamigen Debüt, das 2003 veröffentlicht wurde. „Windowsill“ haben sie sich für die Zugabe aufgehoben. Mir tun die Handflächen vom Mitklatschen weh und mir ist schrecklich heiß. Kaum zu glauben, dass die eineinhalb Stunden schon um sind.

Musiker-wechsle-dich nach jedem Song
Bemerkenswert bei den Kanadiern ist übrigens nicht nur der ungewöhnliche Sound der Indie-Band oder die Tatsache, dass Sänger Win Butler und seine Lebensfrau Régine Chassagne die Band als Ehepaar gestartet haben, sondern die teils ungewöhnliche Bühnenshow. So übertragen zahlreiche Showcams die einzelnen Bandmitglieder in interessanten Perspektiven in purpur auf eine Megaleinwand im Hintergrund. Und während andere Bands ein Lied nach dem anderen ins Publikum werfen, ist bei Arcade Fire vor jedem neuen Stück sekundenlanges Zusammenstimmen vonnöten, das anfangs zugegebenermaßen etwas irritiert. Aber das sie nicht deshalb bräuchten, weil sie etwa keine Ahnung hätten, wie das Programm denn jetzt weiterginge. Sondern weil sie nach jedem Song Musiker-wechsle-dich spielen. Wie das geht? Ist ein Lied fertig, schnappen sich für den nächsten Song (fast) alle ein neues Instrument.

Denn abgesehen von den Geigern (Sarah Neufeld und Owen Pallett sind bei Konzerttouren meist mit von der Partie) und den zwei Bläsern spielen die Bandmitglieder mindestens zwei Instrumente. So steht Régine mal am Keyboard, schnallt sich dann ein Akkordeon um, klimpert am Xylophon dahin, bedient die Drehleier oder haut für zwei Lieder an Jeremy Garas Statt in die Drums. Singen tut sie natürlich auch noch. Und wie. Ehemann Win hat außer Gesang und Gitarre noch Piano und E-Bass zu bieten, Keyboarder Richard Parry Gitarre, Akkordeon, Xylophon – und die so eindrucksvolle Orgel. Wins Bruder Will Butler trägt Bass und Xylophon bei, Tim Kingsbury ebenfalls Bass und Gitarre.

Für nach dem Konzert haben sich Arcade Fire übrigens während der Show mit ihren Fans im Wiener Flex verabredet, wo sie 2005 ihr erstes Konzert in Wien gegeben haben. Und wer weiß, wann sie das nächste Mal nach Österreich finden. Ich jedenfalls werde mir dann rechtzeitig Tickets sichern, um diesmal ganz vorne mit dabei zu sein, zu singen und zu tanzen.

Von Heike Rindler

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