10.11.2007 19:55 |

Nierenversagen

US-Schriftsteller Norman Mailer gestorben

Der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 84 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus an Nierenversagen. Seit seinem Durchbruch mit dem 1948 erschienenen Roman "Die Nackten und die Toten" wurde Mailer in einem Atemzug mit den großen US-Literaten Ernest Hemingway, Dos Passos und Herman Melville genannt.

Mailer erhielt zwei Mal den Pulitzer-Preis: für den literarischen Journalismus in der 1968 veröffentlichten Vietnam-Reportage "Heere der Nacht" und 1979 für "Gnadenlos - Das Lied vom Henker". Seine Werke wurden gefeiert und verrissen, er galt aber Jahrzehnte lang unangefochten als literarisches Gewissen der USA und Provokateur des Establishments.

Mailers realistischer Stil galt als originell und leidenschaftlich, in den von ihm geschaffenen Figuren floss nach Ansicht des "Newsweek"-Kritikers Ray Sokolov "echtes Blut". Der "große amerikanische Roman", den viele von ihm erwarteten, gelang Mailer aber nach eigenem Bekunden nicht. Auch der Literatur-Nobelpreis blieb ihm versagt.

Ingenieur-Diplom
Mailer wurde am 31. Jänner 1923 in New Jersey geboren. 1943 ging er mit einem Ingenieur-Diplom von der Harvard-Universität ab, beschloss aber noch als Student, Schriftsteller zu werden. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen und als Infanterist auf die Philippinen geschickt. Den Kampf gegen die Japaner im Zweiten Weltkrieg verarbeitete er in dem Werk "Die Nackten und die Toten", das während eines Studienaufenthalts in Paris veröffentlicht wurde.

Über die Jahre pflegte Mailer das Image eines kampflustigen, gewieften Literaten, der das Leben in vollen Zügen genoss. Er machte Schlagzeilen mit Alkohol-, Drogen- und Gewaltexzessen. Auf einer wilden Party erstach er 1960 beinahe seine zweite Frau, Adele Morales. Sie lehnte es ab, Mailer zu belasten und enthüllte erst 1997 in ihrer Biografie, dass sie beinahe gestorben wäre.

Sechs Mal verheiratet
Mailer war sechs Mal verheiratet und hatte neun Kinder. In einem Anflug von Quichotterie kandidierte er 1969 auf einer "linkskonservativen" Plattform für das New Yorker Bürgermeisteramt. Er produzierte fünf belanglose Filme, wurde von einem Treffen des jüdischen Frauenverbandes YWHA wegen Rezitierens obszöner Verse ausgeschlossen, trug öffentlich eine Fehde mit dem Schriftsteller Gore Vidal aus und wetterte gegen die Frauenbewegung. Das Magazin "Time" schrieb 1971, Mailer habe sich mit seiner Breitseite gegen angeblich lustfeindliche Feministinnen eine "permanente Nische im Pantheon chauvinistischer männlicher Schweine" verdient. Mailer sagte später, dass er als Sexist bezeichnet worden sei, sei "die größte Ungerechtigkeit im amerikanischen Leben".

Star der Hippie-Generation
Andererseits wurde Mailer von der Hippie-Generation als die einzige Persönlichkeit über 40 gefeiert, der man trauen könne. In seinem Essay "The White Negro" hatte er sich der Gegenkultur der 50er Jahre, der "Beat Generation" um Jack Kerouac und Allen Ginsberg angeschlossen und die Bedeutung des Wortes "hip" definiert. In seiner typischen Hybris erklärte er einmal, seine Reportage vom demokratischen Parteitag 1960 - "Superman Comes to the Supermarket" - habe den Ausschlag für den hauchdünnen Sieg John F. Kennedys bei der Präsidentenwahl gegen Richard Nixon gegeben.

Bei allen Kontroversen um Mailers Person schrieb Sokolov schon 1968 über das "Enfant Terrible" der amerikanischen Literatur: "Am Ende kommt es auf das Schreiben an." Auch mit seinem letzten Roman, "Das Schloss im Wald" eckte Mailer an: Er versuchte darin, Hitlers Taten literarisch mit dem Wirken des Teufels zu erklären.

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