Sa, 21. Juli 2018

Mehrheit angestrebt

23.10.2007 19:50

EU kippt "VW-Gesetz"

Der Europäische Gerichtshof hat wie erwartet das deutsche "VW-Gesetz" als dem Gemeinschaftsrecht widersprechend aufgehoben. Kein Aktionär durfte bisher mehr als 20% an Stimmrechten ausüben, auch wenn er einen höheren Anteil besaß. Porsche strebt nun die Mehrheit am Autoriesen an.

Die Familien Porsche und Piech besaßen über ihren Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche AG schon bisher über 30 Prozent der VW-Aktien. Eine weitere Aufstockung machte bis jetzt wenig Sinn, solange das VW-Gesetz in Kraft war. Jetzt hingegen ist der Weg zur Mehrheit frei.

Das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär behält zwar seine 20% und seine Aufsichtsratsmandate, kann aber in Hinkunft vom Porsche-Piech-Clan überstimmt werden. Da auch der Passus, das für manche Entscheidungen 80% der Stimmen notwendig sind, gefallen ist, dürfte es bald zu großen Veränderungen bei Europas größtem Autohersteller (5,7 Millionen Pkw jährlich, 325.000 Beschäftigte) kommen.

Vor allem die Macht der Betriebsräte dürfte gebrochen werden. Diese hatten gemeinsam mit den Vertretern von Land und Bund im Aufsichtsrat eine starke Position. Der eigene "VW-Tarifvertrag" mit Löhnen über dem Branchenschnitt ist Aufsichtsratschef Ferdinand Piech schon lange ein Dorn im Auge. Beobachter erwarten, dass der Konzern bald neu strukturiert wird: Oben eine Holding, darunter könnten künftig auch Audi oder Skoda eigenständige Töchter werden.

Die Enkel des "Käfer-Erfinders" Ferry Porsche, angeführt von den Cousins Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche, kontrollieren nun drei Konzerne: In Österreich die Salzburger Porsche Holding als europaweit tätigen Groß- und Einzelhändler (12 Mrd. Euro Umsatz), in Stuttgart den Sportwagenbauer Porsche AG (7 Mrd. Euro Umsatz), der auch größter Aktionär des 15 mal (!) so großen VW-Konzerns ist.

Von Manfred Schumi, KronenZeitung

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