Do, 21. Juni 2018

Schlepper verurteilt

02.10.2007 14:18

Sechseinhalb Jahre für "schöne Tatjana"

Mit drastischen Strafen für die Hauptangeklagten ist am Dienstagnachmittag im Wiener Straflandesgericht das Verfahren gegen eine Schlepperbande zu Ende gegangen, die innerhalb von nur zwei Monaten 2.000 Personen illegal nach Österreich geschafft hatte. Die Hauptangeklagte, eine als "die schöne Tatjana" bezeichnete Staatenlose moldauischer Herkunft, wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Freund der 35-Jährigen, ein 30-jähriger Moldauer, fasste sechs Jahre aus.

Über sechs Mitangeklagte - fünf Männer und eine Frau im Alter von 27 bis 46 Jahren - verhängte der Schöffensenat (Vorsitz: Peter Liebetreu) teilbedingte Haftstrafen zwischen 18 und 36 Monaten. Die Urteile sind großteils nicht rechtskräftig.

Laut Anklage war "die schöne Tatjana" die "Österreich-Chefin" einer Schleppergruppe, deren Bosse in der Ukraine vermutet werden. Die vor allem aus der Ukraine und Moldau stammenden Personen, die sich der Bande anvertrauten, wurden via Ungarn, der Slowakei oder Tschechien nach Österreich gebracht und von hier weiter nach Italien transportiert. Dafür sollen sie bis zu 4.000 Euro gezahlt haben.

Die 35-Jährige Frau soll die Transportrouten ausgetüftelt und für die Unterbringung der Geschleppten gesorgt haben - sie nächtigten teilweise im Kinderzimmer ihrer zehn und 13 Jahre alten Söhne. Laut Anklage wurden die Kinder sogar für "Betreuertätigkeiten" herangezogen.

Schlepper hatten ausgeklügeltes System
Die Bande konnte auf eine hohe Erfolgsquote verweisen. Sie lag bei 90 Prozent, während sie normalerweise etwa 50 Prozent ausmacht, wie der vorsitzende Richter wusste. Möglich war dies durch ein ausgeklügeltes System mit arbeitsteiliger Vorgangsweise: Die Geschleppten wurden mit Autos an die grüne Grenze gebracht. Von dort mussten sie zu Fuß auf die österreichische Seite gelangen, wo sie wieder von Autos abgeholt wurden. Jeder der sechs Angeklagten hatte außerdem mehrere Mobiltelefone und SIM-Karten. Weiters kommunizierte man nur mit Spitznamen, um es der Polizei schwerer zu machen.

Symbolbild

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