25.09.2007 11:56 |

Tot oder lebendig?

Reprobates: Insel der Verdammten

Eine Fahrt im Auto, das Handy klingelt - eine Sekunde nicht aufgepasst und schon ist es passiert: Adam Raichl kracht ungebremst in einen Tanklaster. Das letzte Bild, das er zu sehen bekommt, ist die Stichflamme der gewaltigen Explosion, die auf den Crash folgt... bis Adam auf einer idyllischen Insel erwacht. Der Tod ist nur der Anfang.

"Reprobates" beginnt dort, wo Games üblicherweise enden - mit dem Tod der Spielfigur. Doch Adam erwacht zu seiner Überraschung unverletzt auf einer Insel mitten im Ozean - und er ist nicht allein. Er trifft Menschen aus verschiedenen Ländern und Jahrzehnten, die alle unter Alpträumen leiden und sich nicht erklären können, wie sie auf die Insel geraten sind.

Der Spieler startet von einem schmucklosen Wohncontainer aus seine Erkundungstour, als erstes steht die Begegnung mit den weiteren Bewohnern auf dem Plan: Während der eine von seinem Leben im Ostblock berichtet, erzählt die andere von einem Feuer im World Trade Center - mysteriös. Aufzuklären, warum gerade sie hier gestrandet sind, scheint den meisten Inselbewohnern allerdings kein Herzensanliegen zu sein, also nimmt Adam die Sache selbst in die Hand.

Hier beginnt genretypisch die Point-and-Click-Action: Adam sammelt Steine, Stöcke und was sonst noch am Wegesrand lagert. Damit macht er sich auf, den Turm hoch oben auf den Klippen zu erkunden, der möglicherweise Antworten auf manche Fragen liefern könnte. Als erstes muss Adam einen Weg hinauf finden, der natürlich von einem großen Stein verstellt ist - erst die Kombination aus Feuer, Kraft und einem Helfer bringt nach dem zweiten Anlauf den gewünschten Erfolg. Ähnlich wie dieses erste Rätsel gestalten sich auch viele weitere - Adam muss sich mit vielen Personen unterhalten, die Insel immer wieder von vorne bis hinten ablaufen und Gegenstände sammeln, um sie in der richtigen Situation anzuwenden. Dazwischen warten einige Minispiele, die jedoch nicht wirklich überzeugen.

Leider entwickelt sich die anfangs sehr fesselnde, geheimnisvolle Geschichte rund um Adams Unfall und die Frage, ob er sich möglicherweise in der Welt zwischen Tod und Leben oder Himmel und Hölle befindet, nur sehr schleppend weiter. Die meisten Gespräche bleiben inhaltsleer, außerdem machen die strikt lineare Storyline und das schier ewige Herumgerenne das Game zu einer streckenweise sehr trockenen Angelegenheit. Dass Adam regelmäßig essen und trinken muss, um bei Kräften zu bleiben, ist zwar ein netter Einfall, jedoch nicht konsequent genug umgesetzt um wirklich Spannung in das Game zu bringen.

Abwechslung ins Spielgeschehen bringen jene Abschnitte, in denen sich der Spieler durch Alpträume kämpfen muss - oder sind es Erinnerungen an ein früheres Leben? Bis dahin schafft es allerdings nur, wer die zum Teil gähnend langweiligen Inseltage durchsteht. Auch die triste Gestaltung des Eilands - außer besagten Containern, Gras und Steinen ist nicht viel zu sehen - lässt den Gamer nicht eben aufwachen, erst die Traumsequenzen bringen Abwechslung. Insgesamt können selbst die guten Sprecher die schwächelnde Story nicht retten.

Fazit: Die Erwartungen nach Bekanntwerden der Hintergrundgeschichte waren hoch. Und "Reprobates" hätte ein wirklich fesselndes Spiel werden können - wären da nicht der zähe Spielfluss und die Tatsache, dass zur Lösung der Rätsel ermüdendes Hin- und Hergerenne Pflicht ist. Die an sich innovative Story versinkt am Anfang im Sumpf der Fadesse - erst in den Alptraumsequenzen kommt endlich wieder Spannung auf. Dass gleich nach der Veröffentlichung der erste Patch online ging, ist bezeichnend für die unausgegorene Präsentation des Games.

Plattform: PC
Publisher: dtp/anaconda
Krone.at-Wertung: 68%

Von Bernadette Geißler

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