Sotschi gewinnt

Keine Olympischen Spiele in Salzburg

Sport
06.07.2007 10:44
Die Schwarzmeer-Stadt Sotschi ist Gastgeber der XXII. Olympischen Winterspiele von 7. bis 23. Februar 2014. Die Delegierten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschieden sich in der Nacht auf Donnerstag bei der IOC-Vollversammlung in Guatemala-Stadt für den russischen Bewerber, der sich in der Stichwahl mit 51:47 gegen den südkoreanischen Kandidaten Pyeongchang durchsetzte. Wie vor vier Jahren erhielt Salzburg im ersten Wahlgang die wenigsten Stimmen.

Als IOC-Präsident Jacques Rogge die Entscheidung um 01:23 (MESZ) bekannt gab, fiel der der Jubel bei den Delegierten des Siegers naturgemäß riesig aus. Bei den Vertretern der unterlegenen Bewerbung von Pyeongchang machte sich dagegen maßlose Enttäuschung breit. Das Gefühl des Verlierers kannte Salzburg in diesem Moment bereits seit exakt 106 Minuten. Denn schon nach dem ersten Wahlgang hatte Rogge um 23:37 MESZ bekannt gegeben, dass die Mozartstadt als erster der drei Finalisten ausgeschieden war.

Salzburg hatte 25 Stimmen erhalten, während Pyeongchang mit 36 ebenso wie Sotschi mit 34 in die Stichwahl aufstieg. In dieser hatten die Koreaner wie schon vor drei Jahren in Prag, wo sie Vancouver mit 53:56 unterlegen waren, das Nachsehen. Dmitrij Tschernischenko, der Präsident der Bewerbung von Sotschi, war dagegen der große Sieger des Abends. "Wir sind glücklich und zufrieden. Wir schulden dem IOC ein großes Maß an Dankbarkeit", lautete sein erster Kommentar.

Österreich hat sich nun zum vierten Mal hintereinander vergeblich um die Gastgeberrolle beim bedeutendsten Wintersportfest der Welt bemüht. Vor Salzburg (2010 und 2014) waren Graz (2002) und Klagenfurt (2006) beim IOC durchgefallen. Damit bleibt Innsbruck, wo 1964 und 1976 Winterspiele stattfanden, unsere bisher einzige Olympia-Stadt.

Von der Entscheidung für Sotchi dürfte vor allem auch der österreichische Baukonzern Strabag groß von den dortigen Bauvorhaben profitieren - Oleg Deripaska, zweitreichster Mann Russlands und Neoeigentümer/-partner des Baukonzerns besitzt den dortigen Flughafen und will zusätzlich zu den versprochenen russischen Staatsgeldern selbst zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Die Präsentation: Klammer-Triumph und Toni-Sailer-Romantik
"Wir haben aus der vergangenen Bewerbung gelernt", meinte ÖOC-Präsident Leo Wallner vor der Entscheidung bei seiner Rede vor dem IOC. Salzburgs Konzept bringe genau das, was die Olympische Bewegung nun brauche. Er habe noch nie um Unterstützung gebeten, aber heute mache er es. Bei der Präsentation wurden Franz Klammers dramatischer Siegeslauf bei den Olympischen Winterspielen 1976 und die jubelnden Menschen gezeigt. "Ich liebe es, dieses Video (siehe Infobox!) zu sehen", begann Klammer seine Rede vor dem IOC. Toni Sailer habe ihn und die ganze damalige Generation zum Sport gebracht, und genau das gleiche solle mit den Spielen 2014 in Österreich nochmals erfolgen.

"My name is Gusenbauer, Alfred Gusenbauer"
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer - er begrüßte das IOC etwas zu James-Bond-like mit den Worten "My name is Gusenbauer, Alfred Gusenbauer" - betonte, dass Österreich laut Internationalem Institut für Management das sicherste Land der Welt sei. Österreich sei außerdem einer der drei Sitze der UNO. Danach ging er auf die Doping-Problematik, die derzeit als größter Malus Österreichs gilt, ein. "Wir wollen diesen Krebs ausrotten."

Olympia in Russland
Die Olympische Stadt Sotschi 2014 ist auf dem Reißbrett eines der größten russischen Regierungsprojekte überhaupt. Insgesamt sollen mehr als 9 Milliarden Euro ausgegeben werden, um die Stadt zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus olympiareif zu machen. 

Die meisten Projekte, zumindest beim Bau der Austragungsstätten, fangen bei Null an, so dass andererseits die neuesten Technologien für die Sport- und Touristenzentren genutzt werden können. Die Zahl der Hotelbetten etwa soll um 44.000 auf rund 139.000 steigen. Ein neuer Olympia-Park mit seinen Eissportarenen ist so geplant, dass er nach den Winterspielen als Freizeitpark und als Trainingszentrum für russische Sportler nutzbar ist. Auch die Wintersport-Anlagen in den Bergen sind als spätere Erholungs- und Sportzentren angelegt.

In einem Pressezentrum sind 12.000 Plätze für Journalisten vorgesehen, die über die Winterspiele berichten. Die Start- und Landebahn des Flughafens soll bis Mitte 2008 um einen auf 3,5 Kilometer verlängert werden, damit alle Flugzeugtypen verkehren können. Pro Stunde sollen nach den Plänen bis zu 14 Starts und Landungen sowie die Abfertigung von 1.300 Athleten, Betreuern und Gästen möglich sein. Bis 2009 soll außerdem eine 20 Kilometer lange Stadtautobahn mit zahlreichen Tunneln den Verkehr entlasten.

Das Bauprogramm sieht neue Brücken und Bahnlinien sowie den Neubau von Kraftwerken zur Energieversorgung vor. Bis 2008 soll ein modernes, 60 Kilometer langes Kabelnetzwerk verlegt sein, um die Energieversorgung einschließlich aller Reserven abzusichern. Neben dem Staat investieren auch Konzerne in die Region wie der weltgrößte Gaskonzern Gazprom und die milliardenschweren Industriekonglomerate Basic Element und Interros. Insgesamt sollen etwa 40 Prozent der Mittel nach Regierungsangaben aus nicht staatlichen Quellen kommen.

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