Di, 14. August 2018

Sektenführer ist tot

20.11.2017 12:29

Was wurde aus der mörderischen "Manson-Familie"?

Es ist der berühmteste Massenmord in der Geschichte der USA: Für viele Menschen - nicht nur in den Vereinigten Staaten - sind die Bluttaten der "Manson Family" noch immer das sprichwörtliche Böse. 48 Jahre nach den brutalen Morden, denen neben der Schauspielerin und Ehefrau des weltbekannten Filmregisseurs Roman Polanski, Sharon Tate, sechs weitere Menschen zum Opfer gefallen sind, ist das Oberhaupt der mörderischen "Familie", Charles Manson, jetzt verstorben. Doch was wurde aus den berüchtigtsten Mitgliedern von Mansons "Mordfamilie"? Und was waren die Hintergründe der unvorstellbar blutigen Morde?

In jener verhängnisvollen Nacht des 9. August 1969 waren schwarzbekleidete Gestalten in den prestigeträchtigen Benedict Canyon in Beverly Hills eingedrungen und ermordeten zunächst in einer Orgie der Gewalt die hübsche, hochschwangere Sharon Tate sowie vier ihrer Freunde.

Der Tatort bot ein Bild des Schreckens: Die 26-jährige Frau des polnischen Starregisseurs Roman Polanski und die übrigen Toten fand man hingeschlachtet in einem Zimmer des Hauses. Die weiteren Opfer: Jay Sebring, bis zu seinem Tod Hollywoods prominentester Friseur, Abigail Folger, Steven Parent und Wojtyck Frykowski, ein polnischer Filmregisseur.

Video: US-Mörder Charles Manson mit 83 Jahren verstorben

Bei den Toten handelte es sich durchwegs um Angehörige von Kaliforniens Jet-Set. Vielleicht - das stellte sich erst bei dem späteren Prozess heraus - hatten die Mörder gerade deshalb an die Eingangstür des Hauses von Polanski und Tate mit Blut das Wort "Pig" geschmiert. Sharon Tate war gehängt worden, bevor man sie mit einem Messer erstochen hatte.

Amerikas Öffentlichkeit hatte sich von dem Schock noch nicht erholt, da schlugen die Mörder am nächsten Tag schon wieder zu. Die wohlhabenden Geschäftsleute Leno and Rosemary LaBianca wurden grausam ermordet in ihrem Haus in Los Feliz bei Los Angeles aufgefunden. Auch dort markierte verschmiertes Blut den Schauplatz der Verbrechen.

Manson: "Ich habe sie das nicht gelehrt, das wart ihr"
Drei Monate später konnten die Verdächtigen gefasst werden. Der Name ihres Anführers wurde schlechthin zum Synonym für das "Böse": Charles Manson. Es stellte sich heraus, dass Sharon Tate, ihre Freunde und das Ehepaar LaBianca die Opfer von durchwegs jungen Menschen geworden waren, die ihre Familien aus dem amerikanischen Mittelstand verlassen, Drogen genommen hatten und in Mansons Abhängigkeit geraten waren. Charles Manson erklärte schließlich mit Blickpunkt auf die US-Gesellschaft: "Diese Kinder, die mit Messern über euch gekommen sind, sind eure Kinder. Ich habe sie das nicht gelehrt, das wart ihr."

Leslie Van Houten, Charles Watson, Susan Atkins und Patricia Krenwinkel waren offenbar zu Mansons Mordgehilfen geworden, nachdem ihnen dieser zu Selbstwertgefühl und Geborgenheit in seiner Gruppe verholfen hatte. Patricia Krenwinkel, eine Sekretärin, sagte später: "Das war ein Gefühl, nach dem ich mich ein Leben lang gesehnt hatte."

Manson wollte vorhergesagten Rassenkrieg selbst starten
Charles Manson predigte freie Liebe, wobei "frei" das war, was er seinen hörigen Jüngern befahl. Und er entwickelte die abstruse Idee, dass die "schwarze Rasse" die "weiße" auslöschen wolle. Er sagte einen Rassenkrieg voraus, der im Sommer 1969 beginnen sollte. Nur Manson, der sich selbst als eine Art Messias sah, und seine Gruppe würden in einem "bodenlosen Loch in der Wüste" überleben und später als neue Weltherrscher zurückkehren. Nach einem Song der Beatles nannte er seine Philosophie "Helter Skelter". Als der Rassenkrieg ausblieb, entschied sich Manson, ihn selbst zu starten - und die Mordserie nahm ihren Anfang.

Einer der längsten und teuersten Prozesse der US-Geschichte
Die Gerichtsverhandlung der mörderischen Familie dauerte dann mehr als zehn Monate. Es war ein chaotischer Prozess - und eines der längsten und teuersten Strafverfahren in der amerikanischen Justizgeschichte. Als sich Charles Manson zum Prozessauftakt ein X in die Stirn ritzte, taten die angeklagten Frauen es ihm nach. Am Tag der Urteilsverlesung rasierten sich alle die Köpfe kahl. Keine der Frauen beschuldigte den Anführer. Sie hielten loyal zu Manson, den sie als "Jesus Christus" verehrten.

Nach monatelangem Leugnen gestanden die Frauen plötzlich, dass sie und Watson die Opfer getötet hatten, beteuerten aber Mansons Unschuld. Die Geschworenen befanden ihn jedoch für im gleichen Grade schuldig und sprachen für alle Täter das Todesurteil aus. Der Oberste Gerichtshof der USA verwandelte den Spruch in lebenslange Haft. Er hatte zuvor die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten aufgehoben, ihre Verhängung und Vollstreckung wurde später aber wieder zugelassen.

Tate-Mörderin Atkins starb im Gefängnis an Krebs
Seit 1978 schrieben die Mitglieder der "Manson Family" zahllose Gesuche um Straferlass. Bis heute wurde keines erhört. Die Mörderin von Sharon Tate, Susan Atkins, war im September 2009 nach 38 Jahren hinter Gittern an Krebs gestorben. Die kalifornische Kommission für Haftentlassung hatte zuvor eine Begnadigung der todkranken Frau abgelehnt.

Debra Tate, die Schwester des Mordopfers Sharon Tate, hatte sich gegen die vorzeitige Freilassung Atkins ausgesprochen. "Das sind Serienkiller, die zum Tode verurteilt wurden und hinter Gittern bleiben müssen." Atkins hatte vor Gericht gestanden, Sharon Tate mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben - als die Schauspielerin um ihr und das Leben ihres ungeborenen Sohnes flehte.

Mörderin mit 19: Manson-Anhängerinnen bleiben in Haft
Leslie Van Houten, die während der Mordserie erst 19 Jahre alt war, hofft indes weiter auf ihre Entlassung aus der Haft. Sie hatte bis zum vergangenen Sommer insgesamt 21-mal einen Begnadigungsantrag gestellt. Im vergangenen Jahr hatte der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, die Freilassung trotz eines positiven Bescheids der Bewährungskommission noch blockiert.

Van Houten sei weiter eine "unzumutbare Gefahr für die Gesellschaft", hieß es damals in seiner Begründung. Nun kündigte Brown eine neuerliche, mehrmonatige Prüfung an. Van Houten wird von ihren Anwälten als vorbildliche Insassin beschrieben, die Mitgefangenen helfe. Sie hat wiederholt ihre Schuld an den Verbrechen eingeräumt und die Taten bedauert.

Die heute 69 Jahre alte Patricia Krenwinkel hatte im Juni zum 14. Mal erfolglos um Gnade gebeten, erst in fünf Jahren kann sie es erneut versuchen. Sie war damals ebenfalls erst 19 Jahre alt - eine blutjunge Sekretärin, die bei ihrer älteren Schwester lebte, als sie den 33-jährigen Charles Manson auf einer Party kennenlernte. Sie bezeugte später, dass sie drei Tage nach dem Kennenlernen alles zurückließ, um Manson zu folgen - weil sie glaubte, dass sie eine aufkeimende romantische Beziehung hatten. Krenwinkel war es, die bei der Mordserie auf Geheiß von Mansons rechter Hand, Charles Watson, der Frau von Geschäftsmann LaBianca mit einer Gabel in den Bauch stach und dann mit dem Blut "Helter Skelter", "Rise" und "Death to Pigs" an die Wände und Tür des Hauses der Opfer schrieb.

Mansons rechte Hand fand hinter Gittern zu Gott
Und auch Charles Watson, der als rechte Hand von Sektenführer Manson galt, sitzt im kalifornischen Sacramento weiter hinter Gittern, nachdem ihm wiederholt die Bewährung verweigert wurde.

Er schrieb im Gefängnis ein Buch über seine Zeit mit Manson. Watson zufolge habe der charismatische Manson eine Utopie versprochen und seine Anhänger dann davon überzeugt, seine "destruktive Weltsicht" auszuleben. Watson hat mehrmals um Entschuldigung für die Morde gebeten - er wurde 1981 in der Haft zum christlichen Prediger und machte zudem seinen Hochschulabschluss. Dennoch wird wohl auch er den Rest seine Tage hinter Gittern bleiben.

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