Mo, 24. September 2018

Schon 230 Tote

21.09.2017 04:52

Mexiko: Verzweifelte Suche nach Erdbebenopfern

Nach dem schweren Erdbeben in Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 230 gestiegen. Verzweifelt suchen die Retter in den Trümmerbergen weiter nach Überlebenden. Wie der Leiter des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, in der Nacht auf Donnerstag mitteilte, starben allein in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt rund 100 Menschen.

In der Hauptstadt stürzten knapp 50 teils sehr hohe Gebäude ein und begruben Menschen unter sich. Tausende Freiwillige beteiligen sich am Abtragen der Schuttberge und versorgen obdachlos Gewordene mit Wasser und Essen.

Überall in den betroffenen Städten und Gemeinden, auch außerhalb der Metropolregion, bildeten sich Menschenketten, um die Schuttteile weiterzureichen und so die Trümmer wegzuschaffen. Mit erhobenen Händen wurde um Stille gebeten, um mögliche Klopfgeräusche zu hören.

Vor den Ruinen eines eingestürzten Gebäudes in Mexiko-Stadt stand eine Frau mit einem Megafon und rief immer wieder aufmunternde Botschaften für ihren dort verschütteten Bruder. "Die Kraft, die Entschlossenheit und die Solidarität der Mexikaner gegenüber diesem Desaster werden uns gestärkt daraus hervorgehen lassen", lobte Staatspräsident Enrique Pena Nieto das gemeinsame Anpacken.

Dramatische Suche in Trümmern von eingestürzter Schule
Dramatisch waren die Rettungsbemühungen in den Trümmern einer eingestürzten Schule in Mexiko-Stadt. Hier wurden 21 Kinder und vier Erwachsene getötet, die Volksschule "Enrique Rebsamen" wurde zum Symbol für den Kampf um die verschütteten Menschen. Auch mehr als 30 Stunden nach dem Beben wurde fieberhaft gearbeitet, um unter anderem ein dort vermutetes zwölfjähriges Mädchen noch lebend zu bergen. Für 14 Millionen Schüler fällt in den von dem Beben betroffenen Regionen vorerst der Unterricht aus, um die Schulgebäude auf mögliche Schäden zu untersuchen.

Nach Angaben von Rettungskräften können Menschen bis zu drei Tage nach so einer Katastrophe lebend geborgen werden. "Das ist abhängig von der Witterung und von der Trümmerstruktur, von den Hohlräumen, in denen sich die noch Lebende befinden", sagte Daniela Lesmann, Leiterin der deutschen Rettungsorganisation I.S.A.R. "Ohne zu essen kann man einige Tage überleben. Ohne Wasser wird es nach 72 Stunden, je nach Witterung, sehr schwierig."

Die Katastrophe hatte sich genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985 ereignet. Damals starben laut Schätzungen fast 10.000 Menschen. Das aktuelle Beben hatte eine Stärke von 7,1 auf der Richterskala, das Zentrum lag bei Axochiapan rund 130 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt.

Mädchen bei eigener Taufe von Trümmern erschlagen
Neben der Hauptstadt waren vor allem die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen. Im Bundesstaat Puebla stürzte in Atzala eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert ein. Wie lokale Medien berichteten, hatte um 13 Uhr eine Taufe begonnen, als kurz darauf die Erde zu beben begann und das Kirchendach einstürzte. Auch das Mädchen, das getauft werden sollte, wurde von den Dachtrümmern erschlagen. Elf Menschen wurden hier getötet.

Aus zahlreichen Ländern wurden Helfer geschickt. Mexiko ist eines der erdbebengefährdetsten Länder der Welt. Viele der nun in der Hauptstadt beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Mexiko liegt am Pazifischen Feuerring, einer Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt immer wieder zu starken tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

 krone.at
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