Di, 23. Oktober 2018

Bergretter:

05.09.2017 16:02

Warnung vor "Touren ohne Hirn"

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand beim Bergsteigen ist der Verstand - und den sollte man gefälligst auch benutzen. Die Bergrettung OÖ mahnt, dass eine sorgfältige Tourenplanung viele Notfälle verhindern würde. So geriet zum Beispiel eine Familie in ein Gewitter, zwei deutsche Alpinistinnen wurden eingeschneit.

"Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber wer den Wettbericht ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn die Natur das Bergerlebnis zum Drama macht", warnt Christoph Preimesberger, Landesleiter der Bergrettung Oberösterreich, vor ungenügender Tourenplanung trotz Wetterwarnungen.

Kopfschütteln bei Bergrettern
Tatsächlich gab es in der vergangenen Woche zwei Mal Einsätze, bei denen die Bergretter aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskamen. Ein Ehepaar aus Goisern unternahm mit seinem  einjährigen Sohn eine Wanderung am Dachstein von der Gjaidalm zum Guttenberghaus. Am Rückweg gerieten die Wanderer mitten in eine Gewitterzelle und mussten gerettet werden.
Und am Wochenende stiegen zwei deutsche Alpinistinnen bis in die Gipfelregionen des Dachsteins auf, bis sie auf 2700 Metern Höhe im bereits angekündigten (!) Schneefall stecken blieben. Chef-Bergretter Preimesberger: "Bei der Bergung gerieten unsere eigene Leute in Gefahr".

Stirnlampe und Akku-Pack sind jetzt Pflicht
Für Herbstwanderungen - die "richtige" Saison beginnt ja erst - empfehlen die Bergretter die Mitnahme eines aufgeladenen Handys, ein Akkupack und eine Stirnlampe sollten ebenfalls im Rucksack sein.

372 Einsätze im Vorjahr
Im Vorjahr gab es in Oberösterreich 372 Einsätze am Berg, 408 Personen wurden unverletzt geborgen, weitere 77 verletzt. Außerdem mussten die Bergretter 18 Leichen zu Tal bringen. Insgesamt leisteten die freiwilligen Helfer kostenlos 5759 Einsatzstunden.

Der Hallstätter Christoph Preimesberger ist Landesleiter der Bergrettung OÖ. Er wundert sich über manchen Leichtsinn.

"Krone": So manche Rettungseinsätze wären vermeidbar.
Christoph Peimesberger: Ich kann nur sagen: Leute, schaut’s bitte auf den Wetterbericht. Die Familie, die wir vom Dachstein geholt haben, ist mit einem Baby mitten in eine Gewitterzelle geraten. Dabei war die genau angekündigt gewesen.

"Krone": Schimpfen die Bergretter eigentlich mit leichtsinnigen Geretteten?
Preimesberger: Nein, beim Weggehen flucht man vielleicht schon einmal. Aber wenn du dann dort stehst, und die sind völlig fertig und können einfach nicht mehr, dann sagst du natürlich nichts.

"Krone": Das sportliche Niveau der meisten Bergsteiger ist besser geworden.
Preimesberger: Das schon, auch die Ausrüstung. Dafür haben die Leute oft kein Gespür mehr für den Berg und die Gefahren der Natur.

"Krone": Sie versuchen, das mit Humor zu nehmen.
Preimesberger: Jetzt im Herbst haben wir sicher wieder mehrere Bergungseinsätze wegen der früher hereinbrechender Dunkelheit. Manche übersehen das einfach, denken nicht daran.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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