Di, 16. Oktober 2018

Sohn (2) in Wohnung

12.05.2017 10:07

Türkei: Brutale Festnahme deutscher Journalistin

In der Türkei ist - wie erst jetzt bekannt wurde - bereits Ende April eine für eine linksgerichtete Nachrichtenagentur arbeitende deutsche Übersetzerin festgenommen worden. Die in Baden-Württemberg geborene Journalistin Mesale Tolu sei von einer maskierten und mit Sturmgewehren bewaffneten Anti-Terror-Einheit mitten in der Nacht aus ihrer Wohnung geholt worden, in der sich zu der Zeit auch ihr zweieinhalbjähriger Sohn befunden habe.

Wie die Schwester der 33-Jährigen der Zeitung "Neues Deutschland" schilderte, sei die gesamte Wohnung bei der Aktion verwüstet worden. "Es war einfach unglaublich für uns, die Wohnung in dem Zustand zu sehen", sagte Gülay Tolu. "Auch die Spielzeuge des Sohnes meiner Schwester hat man durchsucht." Tolu sei "wie eine Schwerverbrecherin " behandelt worden.

Wie sie ihren Anwälten geschildert habe, sei die 33-Jährige schon dabei gewesen, die Wohnungstüre zu öffnen, trotzdem hätten die Sondereinheiten der Polizei die Tür mit Gewalt aufgebrochen und seien maskiert und mit Sturmgewehren bewaffnet in die Wohnung eingedrungen. "Sie wurde auf den Boden geschmissen und jemand setzte sich dann auf ihren Rücken. Sie wurde körperlich und psychisch misshandelt."

"Sie trat in einen sechstägigen Hungerstreik"
Ein Richter hatte Haftbefehl wegen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation gegen Tolu erlassen, die seit 6. Mai im Istanbuler Frauengefängnis sitze. Ihre Familie habe keinen Kontakt zu ihr. "Wir wissen nicht, wie es ihr geht, da uns bisher jede Kontaktaufnahme mit der Begründung, sie sei deutsche Staatsbürgerin, verweigert wurde", so Tolus Schwester. "Uns ist nur durch die Anwälte bekannt, dass sie, als sie in Gewahrsam genommen wurde, in einen sechstägigen Hungerstreik getreten ist, bis der Richter die Untersuchungshaft anordnete."

"Nicht einmal die Anwälte haben Akteneinsicht"
Laut ARD wurde Tolu in der deutschen Stadt Ulm geboren. 2007 hatte sie den Angaben zufolge die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und die türkische abgegeben. Das türkische Nachrichtenportal Diken berichtete, Tolu sei im Zuge einer Razzia gegen 16 Personen festgenommen worden, die für die Agentur sowie linke politische Organisationen arbeiten - offenbar vor den Protesten zum 1. Mai.

Laut ihrer Schwester wird Tolu konkret vorgeworfen, an einer Gedenkfeier für die im syrischen Rojava im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat getötete Deutsche Ivana Hoffmann sowie an einer Beerdigungen von zwei durch die Polizei in Istanbul erschossenen Kommunistinnen teilgenommen zu haben. Aus diesem Grund hieß es, sie sei ein Mitglied einer terroristischen Organisation. "Genaueres wissen wir bisher nicht, auch die Anwälte haben keine Akteneinsicht, da die Akten vom Gericht als geheim eingestuft wurden", so Gülay Tolu.

"Welt"-Korrespondent Yücel seit Februar in Haft
Zahlreiche Journalisten sitzen in der Türkei in Haft, darunter der deutsch-türkische "Welt" Korrespondent Deniz Yücel. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Er war im Februar festgenommen worden. Der türkische EU-Minister Omer Celik hatte am Donnerstag gesagt, die Türkei sei ein sicheres Land für ausländische Journalisten, die nicht an terroristischen Aktivitäten beteiligt seien.

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