Mo, 10. Dezember 2018

"Krone"-Interview

27.01.2017 22:55

Christian Scheider: "Mir geht's wie Norbert Hofer"

In der Klagenfurter Politik geht es rund! Während VP-Stadtrat Otto Umlauft seinen Hut nimmt, wird auch in der FPÖ munter diskutiert. Vier Wochen ist es her, dass Stadtrat Wolfgang Germ in der "Krone" sein Interesse an der Position des FP-Spitzenkandidaten bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Klagenfurt verkündete. Vizebürgermeister Christian Scheider spricht im Interview mit "Krone"-Redakteur Christian Rosenzopf über seine Sicht der Dinge.

Herr Vizebürgermeister, wie bewerten Sie die aktuellen Vorgänge in der ÖVP?
Leider ist es Otto Umlauft so wie vielen Quereinsteigern ergangen. Er hat es sich wohl etwas leichter vorgestellt. Aber in der Politik geht es eben anders zu als in einer Firma, wo man alles in der Hand hat und alles bestimmen kann, in einer Demokratie wird man manchmal auch behindert. Persönlich tut es mir sehr leid, dass sich Otto Umlauft so entschieden hat, ich konnte mit ihm sehr gut zusammenarbeiten.

Ein Stolperstein war für ihn wohl seine ablehnende Haltung zur geplanten Ansiedelung von Kastner & Öhler neben den City Arkaden. Auf der anderen haben Sie die FPÖ immer wieder betont, dass Sie mit der SPÖ für den Standort stimmen würden. Gilt das weiterhin?
In der aktuellen wirtschaftlichen Lage kann es sich die Stadt ja gar nicht leisten, so ein Unternehmen wie Kastner & Öhler abzulehnen. Wenn sie sich woanders ansiedeln, haben wir gar nichts davon. Das Problem ist nur, dass wir, die FPÖ, bei vielen Besprechungen gar nicht dabei sein dürfen, und jetzt erst im Nachhinein die Informationen bekommen. Es wäre gescheit gewesen, wenn wir von Anfang an eingebunden gewesen wären. Wir stehen für eine sachliche Lösung und wollen keine parteipolitischen Ränkelspiele. Unser Vorteil ist auch, dass wir im Unterschied zur VP nicht auf die Wirtschaftskammer Rücksicht nehmen müssen, die gegen den Standort ist...

Diskutiert wird auch in Ihrer eigenen Partei. Ihr Stadtrat Wolfgang Germ hat angekündigt, dass er sich vor der nächsten Wahl als Spitzenkandidat bewerben will (siehe Interview). Bisher haben Sie darüber geschwiegen - warum?
Ganz einfach - weil das für mich im Moment überhaupt kein Thema ist. Die nächste Wahl ist erst im Jahr 2021. Bis dahin gilt es für uns alle, tagtäglich das Beste für die Stadt zu leisten. Darauf haben wir ja unseren Eid geschworen. Am Ende wird dann jeder nach seiner Arbeit zu beurteilen sein. Die Bürger wollen schließlich, dass sich für sie etwas verbessert. Und nur darauf kommt es an. Politik ist nicht zum Selbstzweck da, wo man nur auf sein Image schaut...

Mit Wolfgang Germ will sich jener Mann bewerben, den Sie in die Regierung geholt haben. Wie sehen Sie das?
In einer Demokratie kann sich jeder bewerben und dann wird eine demokratische Entscheidung gefällt. Ich stehe nach wie vor zu meinen personellen Besetzungen. Wolfgang Germ arbeitet sehr fleißig und konsequent. Gemeinsam mit Andreas Skorianz sind wir an der Spitze breit aufgestellt und das ist mir wichtig.

Es fällt auf, dass sie selten ein negatives Wort über ihre Parteikollegen verlieren, egal, welche Krisen schon da waren. Bewusst?
Das ist für mich einfach eine Sache der Disziplin. Ich äußere mich über Parteiangelegenheiten immer nur intern. Ich werde ja nicht die Arbeit der politischen Gegner übernehmen.

Die Partei  überlegt, eine Meinungsumfrage über Sie beide (Germ und Scheider) zu machen, um den Kandidaten zu bestimmen. Sind Sie dafür?
Es ist viel zu früh, um über all das zu reden, was 2020 vielleicht sein wird. Die anderen Parteien machen sich darüber auch noch keine Gedanken.

Trotzdem hat man das Gefühl, die FPÖ nagt noch an der Niederlage von 2015.
Ich merke aber auch immer stärker, dass sich die Stimmung zu drehen beginnt und meine Arbeit auch von den Leuten wieder geschätzt wird, die mich früher kritisiert haben. Jetzt haben die Menschen den Vergleich. Außerdem darf ich schon daran erinnern, dass unser Ergebnis angesichts des Niedergangs der Landespartei alles andere als selbstverständlich war. Das hat auch Bundesobmann Heinz-Christian Strache erkannt - und er hat ja den Blick von außen. Im ersten Wahlgang hab ich bekanntlich noch den ersten Platz geschafft, erst in der Stichwahl haben dann alle anderen gegen mich Stimmung gemacht. So gesehen, geht es mir wie Norbert Hofer.

Die innerparteilichen Debatten haben der FPÖ in Klagenfurt auch schon damals geschadet.
Das stimmt. Damals hatte ich sogar drei gegnerische Listen aus den eigenen Reihen. In der Hinsicht sind wir gebrannte Kinder. Daher muss alles getan werden, damit sich das, was 2015 war, nicht wiederholt. Das ist ja ganz logo. Geschlossenheit und Teamstärke muss wieder im Vordergrund stehen, so habe ich es gelernt. Ich hab null Interesse an Konflikten.

20 Jahre sind es nun her, seit sie im Gemeinderat begonnen haben. Wie blicken Sie darauf zurück?
Also, wenn ich irgendwann einmal eine Bilanz über meine politische Tätigkeit ziehen werde, und mir in den Spiegel schaue, dann will ich sagen können: Du hast nicht alles richtig gemacht - das schafft niemand - aber du hast immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und das Beste gegeben.

Christian Rosenzopf
Christian Rosenzopf

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