21.12.2016 06:18

12 Tote in Berlin

IS bekennt sich zu Anschlag auf Weihnachtsmarkt

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat den blutigen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Das IS-Sprachrohr Amak meldete am Dienstagabend im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen. Nach dem Todesfahrer, der am Montag zwölf Menschen getötet und rund 50 weitere teils schwer verletzt hat, wird auch Mittwochfrüh weiter fieberhaft gefahndet. Ein tatverdächtiger Flüchtling aus Pakistan wurde mittlerweile wieder freigelassen.

Der Todesfahrer sei ein "Soldat des Islamischen Staates" gewesen, verkündete das IS-Sprachrohr Amak. Die Echtheit der Nachricht ließ sich allerdings zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen.

Die Sicherheitsbehörden hatte zuvor die Vermutung geäußert, dass der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt einen islamistischen Hintergrund habe. Die Vorgehensweise des Täters und die Tatsache, dass dieser einen Weihnachtsmarkt als Ziel ausgewählt habe, ließen auf ein islamistisches Motiv schließen, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Dabei handle sich aber um keine unumstößliche Annahme. Man müsse weiter in alle Richtungen ermitteln.

Terror-Experte hält IS-Bekenntnis für glaubwürdig
Terror-Experte Peter Neumann vom King's College hält das IS-Bekennerschreiben für glaubwürdig. Es sei über die "offizielle" Agentur der Organisation verbreitet worden. "In der Vergangenheit hat sich der IS nur bekannt, wenn etwas dran war", sagte er in der ARD-Sendung "Brennpunkt". Ob es ein Einzelkämpfer war, lasse sich derzeit nicht sagen, so Neumann.

"Berlin ist Deutschlands 9/11"
Der israelische Terrorismus-Experte Shlomo Shpiro verglich den Anschlag von Berlin mit 9/11. "Es geht nicht um die Zahl der Toten, sondern um die gesellschaftlichen Veränderungen", sagte Shpiro am Dienstagabend bei "Maischberger". In den USA sei man von einem auf den anderen Tag aufgewacht. Ähnliches erwarte er nun in Deutschland.

Verdächtiger Flüchtling wieder frei
Nach der Freilassung eines Verdächtigen, einem 23 Jahre alten Mann aus Pakistan, war am Dienstagabend jedenfalls klar: Der wahre Todesfahrer ist weiter frei - und höchst wahrscheinlich bewaffnet. Am Montagabend war der Täter mit einem Lkw auf einem Weihnachtsmarkt in die Menge gerast. Zwölf Menschen wurden getötet, 48 weitere teils schwer verletzt.

Innenminister: "Es gibt Fahndungsansätze"
Auch wenn der Verdächtige wieder freigelassen wurde, würden die Ermittler nach dem Anschlag laut dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere nicht im Dunklen tappen. Es gebe Fahndungsansätze, und deswegen sei er zuversichtlich, dass es Fortschritte in den Ermittlungen geben werde, sagte der Minister am Dienstagabend im ZDF.

"Es ist nicht auszuschließen, dass der Täter flüchtig ist", ergänzte de Maiziere. Er bekräftigte, es habe im Vorhinein keine konkreten Hinweise auf einen geplanten Anschlag auf den Markt gegeben. Der Berliner Polizei sei kein Vorwurf zu machen. Sie habe auch in der Krise gut reagiert. Später betonte de Maiziere in der ARD, dass niemand ruhen werde, "bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind".

Noch 14 Menschen in Lebensgefahr
Dem Innenminister zufolge schweben nach dem Anschlag noch 14 Schwerverletzte in Lebensgefahr. "Es ist nicht auszuschließen, dass es weitere Opfer gibt", sagte de Maiziere. Unter den bisher zwölf Toten sind demnach keine Kinder, aber womöglich Jugendliche. Die Identifizierung der Toten sei zum Teil sehr kompliziert, bis Dienstagnachmittag seien lediglich 6 von ihnen identifiziert worden, so der Minister. Bei ihnen handelt es sich um deutsche Staatsbürger.

Laut Berlins regierendem Bürgermeister Michael Müller muss damit gerechnet werden, dass es auch ausländische Opfer gibt. Dafür sprächen Pässe, die man am Anschlagsort gefunden habe, so Müller. Unter anderem wird eine 31 Jahre Italienerin seit dem Anschlag vermisst, berichteten deutsche Medien übereinstimmend.

Italienierin und Israelin vermisst
Ebenso gilt eine Israelin als vermisst. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte in Jerusalem, man fürchte um ihr Leben. Nach Angaben eines israelischen Repräsentanten handelt es sich um die Ehefrau eines israelischen Staatsbürgers, der bei der Lkw-Todesfahrt verletzt wurde. Der 60-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau den Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche besucht hatte, wurde mehrmals operiert, schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr, berichtete das israelische Fernsehen.

Merkel telefonierte mit Staats- und Regierungschefs
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in die Kritik geraten, telefonierte indessen mit einer Reihe von Staats- und Regierungschefs. Wie Merkels Sprecher Steffen Seibert am Dienstagabend mitteilte, sprach sie unter anderen mit den Präsidenten Frankreichs und der Türkei, Francois Hollande und Recep Tayyip Erdogan.

Sie hätten ihr Unterstützung zur Aufklärung der Tat zugesichert und zugleich die Notwendigkeit europäischer Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus betont. Merkel habe auch mit den Ministerpräsidenten Italiens, Griechenlands, Spaniens und Schwedens sowie mit der Regierungschefin von Polen gesprochen.

Nach Angaben des Washingtoner Präsidialamts hatte US-Präsident Barack Obama bereits am Montagabend mit Merkel telefoniert. Auch er bot ihr demnach Unterstützung an.

Deutschland seit Längerem im Visier des IS
Der IS hatte sich im vergangenen Juli auch zu dem Anschlag in Nizza bekannt, wo ein Tunesier mit einem Lastwagen 86 Menschen tötete. Die Extremisten reklamierten kurz danach auch die Anschläge in einem Zug in Würzburg und bei einem Musikfestival in Ansbach für sich. Auch für die Terrorakte in Paris und Brüssel hatte der IS die Verantwortung übernommen.

Deutschland steht schon seit Längerem im Visier der Extremisten, da sich die Bundeswehr in Syrien und im Irak am Kampf gegen den IS beteiligt. Im Irak unterstützt die Bundeswehr kurdische Peshmerga-Kämpfer mit Waffen und Training. Deutsche Tornados fliegen zudem in Syrien Aufklärungsflüge, mit denen sie die von den USA geführte internationale Koalition unterstützen.

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