Clinch in Tirol

Aussage im Landtag erhitzt ganz viele Gemüter

Tirol
05.02.2026 18:00

Die Diskussion rund um die Reform der Österreichischen Gebietskrankenkasse am Mittwoch im Tiroler Landtag zieht weitere Kreise. Einerseits setzt sich die Ärztekammer Tirol zur Wehr, andererseits kontern die Verantwortlichen der ÖGK. Das letzte Wort ist hier wohl noch lange nicht gesprochen.

Hitzig ging es – wie berichtet – am Mittwoch im Landtag zu, als über die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) debattiert wurde. Auch die Primärversorgungszentren kamen dabei zur Sprache.

„Ich habe die Verantwortlichen der ÖGK mit der Frage konfrontiert, warum es in vielen anderen Bundesländern deutlich mehr Primärversorgungszentren gibt als in Tirol. Und ich habe eine Antwort erhalten, die überraschend sein mag“, sagte LH Anton Mattle (ÖVP) und konkretisierte: „Artur Wechselberger, ehemaliger Tiroler und Österreichischer Ärztekammer-Präsident, sei kein großer Fan von Primärversorgungszentren gewesen. Er habe eher die klassischen Strukturen im Zusammenhang mit niedergelassenen Ärzten begrüßt und zugleich unterstützt.“

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Die Ursachen für die Verzögerungen liegen vielmehr im Verantwortungsbereich der ÖGK.

Kammeramtsdirektor Günter Atzl

„LH Mattle wurde offensichtlich falsch informiert“
Eine Aussage, die der Ärztekammer für Tirol sauer aufstößt. „Dazu ist festzuhalten, dass LH Anton Mattle hier von der ÖGK offensichtlich falsch informiert wurde. Denn weder Artur Wechselberger noch die Ärztekammer für Tirol haben zu irgendeinem Zeitpunkt die Etablierung von Primärversorgungszentren in Tirol verhindert oder verzögert. Im Gegenteil: Ein Spitzenfunktionär der Ärztekammer für Tirol hat selbst eines der ersten dieser Zentren in Tirol gegründet und unzählige Stunden in dieses Projekt investiert“, erklärt Kammeramtsdirektor Günter Atzl im Gespräch mit der „Tiroler Krone“. Die Ursachen für die Verzögerungen „liegen vielmehr ausschließlich im Verantwortungsbereich der ÖGK“ und hier „insbesondere am Angebot der ÖGK an die Ärztinnen und Ärzte“, erläutert Atzl.

LH Mattle betonte im Zuge der Diskussion auch, dass ein „Primärversorgungszentrum für Kinder in der Pipeline“ sei. „Hier ist zu betonen, dass es der ÖGK bislang nicht gelungen ist, einen entsprechenden Vertragsentwurf vorzulegen. Darüber hinaus ist ein Kinder-Primärversorgungszentrum im kürzlich unter anderem von Land Tirol und ÖGK beschlossenen ,Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) 2030’ nicht einmal enthalten, obwohl die Ärztekammer für Tirol ein derartiges Kinder-Primärversorgungszentrum seit geraumer Zeit nachdrücklich fordert“, sagt der Kammeramtsdirektor.

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Für uns als ÖGK ist der Vorwurf einer Verzögerung bei der Umsetzung von Primärversorgungszentren in Tirol nicht nachvollziehbar.

ÖGK-Presseteam

Österreichische Gesundheitskasse kontert Kritik
Für uns als ÖGK ist der Vorwurf einer Verzögerung bei der Umsetzung von Primärversorgungszentren in Tirol nicht nachvollziehbar“, betont das Presseteam gegenüber der „Tiroler Krone“. Die ÖGK habe sich den raschen Ausbau einer multiprofessionellen Primärversorgung mit einem erweiterten Versorgungsangebot, ausgeweiteten Öffnungszeiten und mehr Services für die Patienten sowie einem attraktiven Arbeitsumfeld für Ärzte zum Ziel gesetzt. „Daran arbeiten wir österreichweit ohne Bundesländergrenzen intensiv.“

An Tiroler Versicherte seien 2025 rund 500 Mio. Euro mehr an Leistungen geflossen, als es noch zu Zeiten der Tiroler Gebietskrankenkasse waren. Wichtig sei eine österreichweite Strategie, „die aber gleichzeitig in den Regionen ankommen muss“. Dafür habe das Land mit der ÖGK einen starken Partner.

„Über Pilotprojekte ist Umsetzung stets möglich“
Bezüglich der Umsetzung von Kinder-Primärversorgungszentren: „Wir gehen aktiv auf die Tiroler Kinderärzte zu, um das Interesse für Pilotmodelle auszuloten. Eine gesamtvertragliche, österreichweite Lösung ist zwar noch in Verhandlung, über diese Pilotprojekte ist eine Umsetzung aber stets möglich. Das haben wir mit 14 umgesetzten Kinder-Primärversorgungszentren in fünf Bundesländern gezeigt“, heißt es.

Der Ärztekammer Tirol habe man im Vorjahr die Modelle aus den anderen Bundesländern übermittelt. „Ein Gesprächstermin ist nun endlich beschlossen. Offene Punkte wie das Honorierungsmodell können im Rahmen einer Pilotvereinbarung jederzeit geklärt werden. Eine rasche Umsetzung von Kinder-PVE auch in Tirol ist unser erklärtes Ziel“, so das ÖGK-Presseteam.

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