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26.06.2017 - 05:21
Foto: drudgereport.com, sueddeutsche.de, AP

"Deutschland wird nicht mehr dasselbe sein"

20.12.2016, 16:21

Es war eine "Warnung an die westlichen Länder - geschrieben in blutigen Buchstaben", die nicht nur Berlin und Deutschland, "sondern das Herz Europas" getroffen hat, sind sich internationale Pressekommentare am Tag nach dem Anschlag in der deutschen Hauptstadt einig. Der "Drudge Report" machte für diesen Angela Merkel verantwortlich: "Blut an ihren Händen!", titelte die konservative US- Website - und zeigte dazu eine Fotomontage der deutschen Bundeskanzlerin mit blutverschmierten Händen. Weitere Pressestimmen:

"Telegraph" (London):

"Wenn irgendeine Erinnerung nötig ist, warum es richtig für Großbritannien war, die Kontrolle über seine Grenzen wiederzugewinnen, muss man nur nach Deutschland blicken. Ob nun der Horror in dieser Woche in Berlin von jemandem verursacht wurde, der durch Angela Merkels Politik der offenen Tür ins Land gekommen ist - Deutschland hat bereits tödlichen Terror erlitten, der erleichtert wurde durch das Scheitern der EU, seine externen und internen Grenzen zu kontrollieren. Die erste Pflicht eines Staates ist die Sicherheit seiner Bürger; das bedeutet ordentliche Einwanderungskontrollen. Zum Glück wird Großbritannien das bald wieder haben."

"De Volkskrant" (Amsterdam):

"Kurz nach dem Anschlag sprach ein Politiker der populistischen AfD bereits von 'Merkels Toten'. (...) Glücklicherweise äußerte sich Bundeskanzlerin Merkel intelligenter. Sollte der Täter ein Flüchtling sein, dann wäre dies 'besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die sich um Integration in unser Land bemühen'.

Nette Worte. Aber die können nicht vertuschen, dass dieser Anschlag Merkel in die Bredouille bringt. Denn neben den Deutschen, die Flüchtlingen helfen, gibt es noch eine viel größere Gruppe, die sich Sorgen um ihre Sicherheit macht. Und die sich fragt, ob die nicht durch Merkels 'Wir schaffen das' vermindert wurde. Merkel steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die Deutschen davon zu überzeugen, dass die Sicherheit aller bei ihr in guten Händen ist. Und dies im Wissen, dass es keine Garantien beim Schutz vor neuen Terroranschlägen gibt."

Trauer in Berlin-Charlottenburg - zwölf Menschen fanden durch den Terroranschlag den Tod.
Foto: Reinhard Holl

"New York Times":

"Die populistische Rechte hat keine Zeit darauf verschwendet, Fakten über die Identität des Attentäters von Berlin oder ein Motiv abzuwarten, um Kanzlerin Angela Merkel für ihre menschliche Asylpolitik scharf zu kritisieren und die eigene fremdenfeindliche Agenda zu pushen. Diese gefährliche - wenn auch vorhersehbare - Reaktion spielt direkt in die Hände des Islamischen Staats, der nichts mehr will, als einen Krieg zwischen Christen und Muslimen in Europa zu beginnen. (...) Mit jedem neuen Anschlag, ob auf einen Weihnachtsmarkt oder eine Moschee, wird die Herausforderung für Europa schwieriger, Toleranz, Inklusion, Gleichheit und Vernunft zu verteidigen."

"Evenimentul Zilei" (Bukarest):

"Die terroristischen Angriffe in Ankara und Berlin fassen das Jahr 2016 perfekt zusammen: ein blutiger Stempel auf einem weiteren, für die westliche Zivilisation, so wie wir sie kennen, katastrophalen Jahr. (...) Ist der Westen unübertroffen in der Produktion von ideologischem Unsinn, so ist er geradezu kaputt, wenn es um Verteidigung geht. Die Terroristen, die Spitzbuben aus dem Orient, haben die arrogante Dummheit der (westlichen) Behörden schnell begriffen und machen sich diese ungestört zunutze."

"Rzeczpospolita" (Warschau):

"Der Anschlag in Berlin wird die Bundestagswahlen im September 2017 beeinflussen. Angela Merkel bemüht sich um ihre vierte Wiederwahl. Ihre Flüchtlingspolitik wird von vielen Deutschen nicht unterstützt. In vielen Kreisen gilt sie gar als größte und sogar tödliche Sicherheitsbedrohung. Unter diesen Umständen kann die fremdenfeindliche Alternative für Deutschland (AfD) an Beliebtheit gewinnen. Chancen, die Wahlen zu gewinnen und eine Regierung zu bilden, hat sie nicht. Aber Deutschland wird nach Berlin nicht mehr dasselbe sein."

Kanzlerin Angela Merkel legte am Anschlagsort in Berlin im Gedenken an die Opfer Blumen nieder.
Foto: APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

"Le Parisien" (Paris):

"Die Tragödie, die sich gestern in Berlin ereignet hat, ähnelt leider dem Albtraum, den alle Polizeibehörden in westlichen Ländern schon seit Jahren fürchteten. Schon seit langem haben islamistische Terroristen das Symbol des Weihnachtsmarktes im Visier, der die christliche Tradition und volkstümliches Feiern vereint. In Frankreich wurden tödliche Pläne vereitelt, die die Stadt Straßburg zum Ziel hatten. Nun hat es die deutsche Hauptstadt getroffen. Aber nicht ein einzelnes Land ist getroffen, sondern das Herz Europas."

Merkel (vorne im Bild) ließ sich nach dem Anschlag den Tatort zeigen.
Foto: AP

"Neue Zürcher Zeitung":

"Das politische Klima für einen Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen ist günstiger geworden, ohne dass Deutschland in Gefahr geriete, die Maßstäbe des demokratischen Rechtsstaats zu verletzen. Das ist richtig so. Ob die Gewalttat von Berlin durch geschickte Polizeiarbeit hätte verhindert werden können, kann noch nicht beurteilt werden. Skepsis ist angezeigt, vor voreiligen Spekulationen und der Suche von Sündenböcken ist zu warnen."

"La Repubblica" (Rom):

"Erst vor zwei Wochen hat der Sprecher des IS es als Priorität bezeichnet, sich auf die Attentate zu konzentrieren, und den Westen gemahnt: 'Erinnert euch an diese Worte.' Und jetzt scheint die Bedrohung tödlich konkret zu werden. Innerhalb weniger Stunden gab es den Angriff auch auf Touristen in Jordanien, das Blutbad in Berlin, die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara und eine Schießerei in Zürich, deren Hintergründe noch im Dunkeln liegen. Es ist schwierig auszumachen, ob die Angriffe unter gleicher Regie geführt wurden, aber wenigstens beim Massaker auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin scheint die Schablone klar, die die aggressive Vorgehensweise belegt: Es war dieselbe wie bei dem Blutbad in Nizza.

Merkel wurde von Außenminister Steinmeier und Innenminister De Maiziere begleitet.
Foto: APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

(...) Der größte Fehler, den wir heute begehen können, ist, auf die Brutalität weniger mit der Diskriminierung zahlreicher hoffnungsloser Asylsuchender zu antworten. Schon seit 15 Jahren wiederholen wir, dass dieser Krieg auch ein Krieg der Kulturen ist, in der lediglich die Verteidigung unserer Werte der Demokratie, des Respekts und der Solidarität eine Barriere gegen den Terror bauen kann."

"Republicain lorrain" (Metz):

"Keiner ist außerhalb unserer Reichweite. Die doppelte Botschaft, die gestern von den islamistischen Terroristen geschickt wurde, ist eine neue Warnung an die westlichen Länder - geschrieben in blutigen Buchstaben. Niemand ist geschützt. Weder ein russischer Botschafter in Ankara, der wohl bestens geschützt war, noch die Unschuldigen, die im Kreis der Familie einen fröhlichen Augenblick auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verbrachten. Wie kann man nicht an Charlie, an (die Pariser Konzerthalle) Bataclan und an Nizza denken, wenn man die Bilder aus der deutschen Hauptstadt sieht?"

In der Gedächtniskirche trug sich Merkel in das Kondolenzbuch für die Opfer des Anschlags ein.
Foto: APA/AFP/POOL/HANNIBAL HANSCHKE

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