Do, 20. September 2018

Etwas überraschend

24.07.2016 15:45

Kein Ausschluss von Russland für Olympia in Rio!

Das Internationale Olympische Komitee IOC schließt das russische Team nicht von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio aus, das Russische Olympische Komitee wird nicht komplett suspendiert! Die Entscheidung, ob Athleten an den Rio-Spielen teilnehmen können, obliegt nun den internationalen Fachverbänden. "Wir haben eine Reihe strikter Kriterien aufgestellt, die jeder russische Athlet erfüllen muss", sagte der deutsche IOC-Chef Thomas Bach am Sonntag. Keine Startberechtigung als Athletin erhielt "Whistleblowerin" Julia Stepanowa, sie und ihr Ehemann werden vom IOC aber nach Rio eingeladen.

Sportler, denen schon einmal Doping nachgewiesen werden konnte, sind von vornherein raus. "In diesem Sinne schützen wir saubere Athleten, weil wir strenge Kriterien für russische Sportler festgelegt haben", sagte Bach. Russlands Sportminister Witali Mutko zeigte sich sicher, dass die meisten Athleten beim Ringe-Spektakel in Brasilien dabei sein werden. "Die Kriterien sind sehr hart, aber ich bin überzeugt, dass die meisten Athleten sie erfüllen", befand er.

Bach: "Das Recht aller sauberen Athleten weltweit"
Ein noch nie da gewesener kompletter Ausschluss eines Landes allein aufgrund von Doping-Vorwürfen blieb somit aus. Das Ergebnis respektiere "die Regeln des Rechts und das Recht aller sauberen Athleten weltweit", kommentierte der IOC-Chef, der zuvor bei einer Telefonkonferenz mit seinen Kollegen aus der IOC-Exekutive mehrere Stunden verhandelt hatte. Bach verwahrte sich davor, das IOC sei gegenüber Russland eingeknickt: "Hier ging es darum, Gerechtigkeit gegenüber sauberen Athleten überall auf der Welt zu üben." Bach sprach von einer schwierigen Entscheidung. Der Report von Richard McLaren habe ein System aufgedeckt, aber man habe über einzelne Athleten und wie das jeden Einzelnen betreffe, entscheiden müssen.

Keine Gnade für "Whistleblowerin" Stepanowa
Im Fall von Stepanowa, die darauf gehofft hatte, nach den Europameisterschaften in Amsterdam auch bei Olympia in Rio unter neutraler Flagge anzutreten, anerkannte das IOC deren Verdienste um die Aufklärung. Weil sie eine Doping-Vergangenheit habe, erfülle sie die ethischen Anforderungen aber nicht. In einem Ermittlungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA war ein staatlich angeordnetes systematisches Doping in Russland nicht nur in der Leichtathletik festgestellt worden. Die Leichtathleten werden in Rio aber fehlen, der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Suspendierung des russischen Leichtathletik-Verbandes durch den Weltverband IAAF als regelkonform bestätigt.

Russland begrüßt "rechtmäßige Lösung"
Russland begrüßte die Entscheidung des IOC umgehend. "Das ist eine rechtmäßige Lösung", sagte der Chef des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow. "Aber solche Entscheidungen sollten nicht nur in Bezug auf russische Athleten, sondern auf Sportler in der ganzen Welt getroffen werden. Dann wäre das Problem Doping endgültig ausgerottet", sagte er der Agentur Tass zufolge. Auch der Sportfunktionär Schamil Tarpischtschew, Chef des russischen Tennisverbands, nannte den Schritt des Internationalen Olympischen Komitees "zufriedenstellend".

Auch die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) bewertete die Entscheidung als gut. Bei einem Bann Russlands wären "zu viele saubere Athleten betroffen gewesen", kommentierte ANOC-Chef Sheikh Ahmad Al-Fahad Al-Sabah. Demonstrativ hatte Kreml-Chef Wladimir Putin zuletzt die Gründung einer neuen Anti-Doping-Kommission in Russland angekündigt - womöglich auch, um einem Komplett-Bann seines Landes für Rio zu entgehen. Russland werde in enger Zusammenarbeit mit dem IOC und der WADA sein komplettes Antidopingsystem umbauen, versicherte Mutko nun. "Wir werden für einen sauberen Sport kämpfen. Nur uns zu kritisieren, scheint mir nicht korrekt", sagte der Sportminister.

NADA-Chef Cepic: "Maßlos enttäuscht"
"Wir sind maßlos enttäuscht vom IOC. Weil natürlich hätte es unschuldige Sportler getroffen, aber in erster Linie geht es um die restlichen 9500 oder 10.000, die sich alles in allem einem normalen Anti-Doping-Regime unterwerfen und in Rio teilnehmen. Die schützt man mit dieser Nachricht ganz sicherlich nicht. Mehr als enttäuschend, fast skandalös ist, dass Frau Stepanowa nicht teilnehmen darf, das ist heftig", so Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur.

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