06.09.2006 13:10 |

Virtuelle Metzelei

Ninety-Nine Nights

Mit "Ninety-Nine Nights" (kurz: N3) startet Microsoft einen weiteren Versuch, die japanische Käuferschaft für sich zu gewinnen. Für die Metzelei verantwortlich sind die Mannen von Phantagram, die bereits mit "Kingdom under Fire" epische Massenschlachten auf den Bildschirm zauberten.

"N3" entführt den Spieler in eine Fantasywelt, in der Menschen und Goblins dank eines mythischen Steines friedlich miteinander leben. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer: Geheimnisvolle Kräfte zerstören den Stein und bringen Tod und Verderben über das Land. Von nun an liefern sich die beiden Völker erbitterte Gefechte.

Der Spieler schlüpft nach und nach in die Rolle sieben verschiedener Krieger unterschiedlichster Herkunft, die sich sowohl optisch als auch spielerisch voneinander unterscheiden, und erlebt so die bedeutsamsten Augenblicke der entscheidenden und finalen Schlacht aus deren Blickwinkel.

Den Anfang macht die Tempelritterin Inphyy, die die Ermordung ihres Vaters durch die Goblins rächen will. Nach einer kurzen Einführungsmission stürzt sich die Gute dann auch schon ins Gefecht. Allerdings ist sie dabei nicht gänzlich auf sich alleine gestellt: zwei Kompanien stehen ihr zur Seite.

Vor jeder Mission wählt der Spieler je eine Truppe für seine rechte und linke Flanke, beispielsweise Bogenschützen und schwere Infanterie. Mit einem Knopfdruck können diese Einheiten dann - allerdings nur mäßig - befehligt werden und entweder eine offensive oder defensive Stellung einnehmen. Zu erwähnen ist jedoch, dass die "Drecksarbeit" so oder so am Spieler hängen bleibt. Denn wirklich intelligent und unterstützend agieren die virtuellen Kollegen nicht.

Das ist jedoch nicht weiter tragisch, kann man als Spieler doch selber ordentlich austeilen. Durch ständiges Button-Smashing schneidet man sich in null Komma nichts eine Schneise durch die Gegnerscharen und hinterlässt ein Trümmerfeld. Als Belohnung für jeden Kill füllt sich eine Energieanzeige, mit der ein stärkerer Angriff ausgelöst werden kann. Wer während dieses Angriffs fleißig weiter metzelt, füllt eine zweite Anzeige. Ist diese erst einmal gefüllt, entlädt sich die gesammelte Energie in einer gewaltigen und verheerenden Super-Nova.

Diesen Spezial-Angriff sollte man jedoch möglichst für die großen Endgegner aufheben. Denn im Gegensatz zum einfachen Fußvolk bedarf es hier einer ausgeklügelteren Strategie. Wer ohne sich zu verteidigen wütend vorprescht, weilt nicht lange unter den Lebenden. Das ist insofern ärgerlich, da "N3" keinerlei Speicherpunkte während eines Levels anbietet. Wer stirbt, fängt von vorne an. Bei einer durchschnittlichen Leveldauer von bis zu einer Stunde und über 1.200 Kills ist Frust vorprogrammiert. 

Dafür macht das Spiel in optischer Hinsicht wieder einiges wett: Trotz detaillierter Massenschlachten geht die Konsole nicht in die Knie. Hinzu kommen die äußerst nett anzuschauenden, spektakulären Spezialattacken. Lediglich das Level-Design hätte eine Spur weniger kahl ausfallen können, zumal der Spieler ja immer wieder mit anderen Charakteren an die selben Schlachtorte zurückkehrt. Sehr gut hingegen wieder der orchestrale Soundtrack und die Sprachausgabe.

Fazit: "Ninety-Nine Nights" punktet mit den bislang wohl epischsten Massenschlachten und einer opulenten Grafik-Pracht, die wahrlich das Prädikat „NextGen“ verdient. Abzüge gibt es hingegen für die lahme KI und das Fehlen von Speicherpunkten. Auch das eine oder andere auffindbare Item mehr hätte dem Spiel sicher nicht geschadet.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 75%


von Sebastian Räuchle

Freitag, 07. Mai 2021
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