Di, 11. Dezember 2018

Dramatisches Ende

11.06.2016 22:52

Russland schockt England mit Last-Minute-Ausgleich

Es will einfach nicht sein, England kann weiterhin kein Auftaktspiel bei einer Fußball-Europameisterschaft für sich entscheiden! Der Weltmeister von 1966 kam trotz drückender Überlegenheit nicht über ein 1:1-Remis gegen Russland hinaus. Nach je vier Remis und vier Niederlagen bei EM-Einstiegen schien sich Russland zwar lange Zeit zu "erbarmen", indem man ein grottenschlechtes Spiel ablieferte und sich ohne große Offensiv-Gegenwehr den leidenschaftlich stürmenden "Three Lions" ergab - doch per Last-Minute-Treffer von Vassiliy Berezutskiy glichen die Russen den Führungstreffer der Engländer durch Eric Dier (73.) noch aus. Die Tore des Spiels sehen Sie im Video oben!

Weiß gegen Weinrot, Jugend gegen Routine, Heim-Atmosphäre gegen Auswärts-Einsamkeit - England gegen Russland erwies sich vom Start weg als Spiel der großen Gegensätze. Die ohne Punkteverlust durch die EM-Qualifikation gestürmte Mannschaft von Trainer-Sir Roy Hodgson nahm sofort das Heft des Handelns in die Hand und suchte vor allem über die Flügel das Heil in der Offensive.

Im 4-3-3-System sollten Raheem Sterling und Adam Lallana an den Außenbahnen sowie Harry Kane im Zentrum die eher nicht mehr allzu schnelle Russen-Abwehr anbohren. Sterling (1./zu spät) und Dele Alli (4./drüber) "klopften" vorerst aber nur vorsichtig bei Russen-Tormann Igor Akinfeev an.

Zeitweise 70 Prozent Ballbesitz für England
Für den ersten Aufreger sorgte dann Lallana wenig später (7.): Nach einem Kraftakt samt Zuspiel von Kyle Walker feuerte das Liverpool-Ass auf das russische Tor, Akinfeev wehrte aber ab! Weitere vielversprechende Aktionen gab‘s dann praktisch im Minutentakt, aber weder Kane (8./Flanke verpasst), Eric Dier (10./Flanke abgeblockt), Chris Smalling (11./Kopfball nach Ecke) und noch einmal Kane (13.) brachten ein Tor auf das Scoreboard. Und Russland? Außer einem Kopfball von Sergey Ignashevich (17.) gab’s da nichts Erwähnenswertes. Wohl nicht von ungefähr hatte England in der ersten Spielhälfte zeitweise rund 70 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampf-Quote von knapp 65 Prozent.

Offensiv-Bemühungen bzw. Torchancen von Lallana (22./nach Zuspiel von Walker links vorbei), Sterling (24./nach Lallana-Pass im letzten Moment abgegrätscht), Kane (28./Abseitstreffer), Wayne Rooney (32./Pass auf Alli wurde in extremis abgefangen), Rooney (35./Akinfeev konnte Schuss nur wegfausten), Kane (36. und 39./zu steiles Zuspiel), Danny Rose (41./Weitschuss drüber) und Rooney (43.) brachten zwar vermutlich den Blutdruck von Russland-Trainer Leonid Sluzkiy in gesundheitsgefährdende Dimensionen, taten der "Sbornaja" allerdings nicht weiter "weh". Russland rettete sich als klar schlechtere Mannschaft mit einem 0:0 in die Pause.

Russland bleibt defensiv, England baut etwas ab
Dass sie mit einem solchen 0:0 auch nach 90 Minuten nicht unzufrieden gewesen wären, zeigten die Russen auch nach Wiederanpfiff. Während die "Three Lions" ihrem Tempo aus Hälfte eins offenbar Tribut zollen und einen Gang runterschalten mussten, beließen es die Russen bei ihrer humorlosen Defensivstrategie. Den sich nun durch das nicht mehr so hohe Pressing der Engländer eröffnenden freien Raum ließ man vorerst "frei" bleiben, im Spiel ohne Ball wirkten die dabei nicht sehr bewegungsaffinen Russen noch älter als sie laut ihren Geburtsurkunden ohnehin schon waren. Detail am Rande: Laut Statistik legten die russischen Kicker mehr Kilometer zurück als die Engländer - wie auch immer…

Russen wagen sich langsam aus der Deckung
Nach einer Phase des Lauerns, ob denn die Engländer womöglich nur vortäuschten, nicht mehr voll mitgehen zu können, wagten sich die Russen tatsächlich immer öfter und immer weiter nach vorne. War gleich nach Wiederbeginn eine Möglichkeit von Oleg Shatov noch relativ problemlos von Gary Cahill geklärt worden, lag den zahlenmäßig gegenüber den England-Fans im Stade Velodrom von Marseille deutlich unterlegenen russischen Anhängern in Minute 63 erstmals der Torschrei auf den Lippen - doch Fyodor Smolovs Schlenzer nach Zuspiel von Artyom Dzyuba schlug knapp neben dem rechten Pfosten des Gehäuses von ManCity-Goalie Joe Hart ein.

England trifft per Freistoß, doch Russen schlagen zurück
Statistisches Schmankerl: Fünf Minuten zuvor (58.) hatte die russische Mannschaft ihren allerersten (!) Eckball herausgeholt! In einer Phase, in der Russland nun ernsthaft ins Spiel zu finden schien und England immer mehr abfiel, dann wie aus dem Nichts der große Stangen-Alptraum für die Hodgson Elf: Eine Rose-Hereingabe hätte Rooney beinahe zum 1:0 verwertet, WENN nicht Akinfeev im russischen Tor eine Weltklasseparade ausgepackt und den Ball an die Latte gelenkt hätte. Auch der Nachschuss landete am Aluminium - wenngleich er aus dem Abseits gekommen war (71.). Doch zwei Minuten später war alles vergessen: Tottenham-Ass Dier ließ einen Traumfreistoß im rechten Kreuzeck einschlagen.

Endlich schien man den alptraumhaften Auftaktfluch bei Fußball-Europameisterschaften abstreifen zu können. Das dachten wohl auch die England-Fans, die auf den Rängen nun immer öfter "God save the queen" anstimmten, ihre Nationalhymne - doch ausgerechnet am Tag der traditionellen Geburtstagsparade von Queen Elizabeth II, "Trooping the Colour", drängte sich Berezutskiy am Ende noch in die Rolle des Spielverderbers…

Das Ergebnis:
England - Russland 1:1
Marseille, Stade Velodrome, SR Nicola Rizzoli (ITA)
Tor: 1:0 (73.) Dier, 1:1 (92.) Vassiliy Berezutskiy
Gelbe Karten: Cahill bzw. Schtschennikow
England: Hart - Walker, Cahill, Smalling, Rose - Alli, Dier, Rooney (77. Wilshere) - Lallana, Kane, Sterling (87. Milner)
Russland: Akinfeev - Smolnikov, Ignashevich, V. Berezutskiy, Shchennikov - Neustädter (80. Glushakov), Golovin (77. Shirokov) - Smolov (85. Mamajev), Shatov, Kokorin - Dzjuba

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