26.05.2016 13:05 |

Schützenhöfer:

"Die Leut´mögen mich..."

Zeit fliegt, fast ein Jahr Hermann Schützenhöfer als erster Steirer. Im "Krone"-Gespräch zieht der Landeshauptmann Bilanz über seine bisherige Amtszeit.

Herr Landeshauptmann, Zeit fliegt, fast ein Jahr Hermann Schützenhöfer als erster Steirer. Hatten Sie damals, nachdem die ÖVP bei den Landtagswahlen auf Platz zwei gelandet war, eine Sekunde daran gedacht, dass Sie Landeshauptmann werden könnten?

Nein, das war gar nicht meine Absicht, aber natürlich habe ich die Forderung aufgestellt, dass es diesbezüglich eine Teilzeitlösung gibt. In den Verhandlungen hat sich dann ergeben, dass die Volkspartei fünf Jahre den Landeshauptmann stellt.

Wollen Sie heute diesen besonderen Schleier lüften, ob sie die berühmte und immer wieder kolportierte schwarz-blaue-Karte gezückt haben, um ihren Reformpartner Franz Voves unter Druck zu setzen?

Da gibt’s nichts zu lüften. Es hat gute Gespräche gegeben mit Franz Voves - und in der zweiten oder dritten Reihe hat es Debatten um Schwarz-Blau oder Rot-Blau gegeben. Davon haben wir uns nicht beirren lassen. Wir haben vor der Wahl den Wählerinnen und Wählern gesagt, wenn wir eine Mehrheit haben, werden wir die Zusammenarbeit zwischen SPÖ und ÖVP fortsetzen.

Was ist außer den Ereignissen wie Amokfahrt und Flüchtlingssturm an der Grenze in diesem Jahr noch Einschneidendes für Sie  passiert?

Gleich vorweg: Die Flüchtlingsfrage hat Substanz gekostet und ich habe  Tag und Nacht im Kopf - auch für mein Leben lang - , wie 3500 über die Grenze marschiert sind. Ich hoffe, dass es nie mehr passiert, dass Österreich seine Grenzen nicht schützen kann. Und die Thematik ist auch nicht vorbei. Wir stehen vor einer Völkerwanderung und wir müssen uns darauf vorbereiten, deshalb bin ich auch froh, dass die Bundesregierung in diesem Punkt seit einiger Zeit gut zusammenarbeitet.

Was war sonst?

Wir haben den Wirtschaftsstandort Steiermark gestärkt, sind in Sachen Forschung und Entwicklung Vizeeuropameister hinter Baden-Württemberg. Und das bleibt auch unser Schwerpunkt, denn Unternehmer, Universitäten, den Reichtum an Kreativität und Innovation müssen wir fördern. Der Unternehmer ist nicht Feindbild, sondern Vorbild, und darauf achten wir in der Steiermark.

Zurück zu den Flüchtingen und der berühmten Obergrenze von 37.500. Nach vier Monaten sind wir bei zwanzigtausend,  Hochrechnungen kommen sogar auf sechzigtausend. Was nun?

So viele können wir nicht aufnehmen, wir müssen jetzt schauen, dass wir jene, die schon da sind, gut integrieren. Und da kommen wir langsam an die Grenzen, daher muss die Zahl 37.500 halten. Denn es ist eben nicht vorbei, es wird nur weniger geschrieben. Es sind ja in Eisenstadt und anderswo die Gefängnisse überfüllt mit Schleppern, es gibt täglich Aufgriffe. Da müssen wir also unseren Kurs beibehalten, und ich bin froh, dass der Brennpunkt nicht mehr Spielfeld ist.

Themenwechsel zu den  Gemeindezusammenlegungen. Weiß man schon, ob sie wirklich etwas gebracht haben?

Ja, nicht in diesem Jahr, aber noch in dieser Periode. Das war abgesehen davon, dass wir im sozialen Bereich etwas weitergebracht haben, die wichtigste Reform, die wir in dieser Zeit durchgeführt haben, und zwar ohne Rücksicht auf die eigene Klientel. Was mich freut, ist, dass nicht wenige Bürgermeister, wenn sie heute zu mir kommen,  sagen: "I muass Dir sagen, Du hast Recht g’habt!" Ich habe gewusst, ich kriege bei den Wahlen eher eine Watschn als eine Streicheleinheit, wenn wir das machen, und wir haben auch verloren. Aber wir haben eine ordentliche Mehrheit, um die Arbeit fortzusetzen. Wenn man sich irgendwann an Voves und Schützenhörer erinnert, wird man sich an die Gemeindereform erinnern. Da bin ich also nach wie vor dankbar, dass wir durchgehalten haben!

Was hat Sie in diesem Jahr Landeshauptmannschaft enttäuscht, überrascht, geärgert?

Ärgern tu ich mich täglich über etwas, auch über einen Zeitungsartikel.  Überrascht hat mich trotz langer Arbeit in der Politik, dass es dann doch noch einmal etwas anderes ist, wenn man wirklich an der Spitze des Landes stehst. Ich will jetzt um Gottes Willen nicht übertreiben, aber ich spüre eine Zustimmung, um nicht zu sagen eine Zuneigung, die ich bisher in meinem politischen Leben noch nie gehabt habe. Die Leut’ mögen mich! Ich bleibe aber mit beiden Füßen auf den Boden, denn ich war schon oben und unten in der Politik.

Werden Sie alle fünf Jahre im Amt bleiben oder vorzeitig an einen Nachfolger aus Ihrer Partei abgeben? Im Falle von Zweiterem - wer ist dann Ihr Kronprinz?

Die meisten Kronprinzen sind es dann nicht geworden, wenn ich an Androsch und Kreisky denke.  Ich will nicht sagen, dass ich darüber nicht nachdenke,  aber ist keine aktuelle Frage. Ich bin jetzt gerade ein Jahr Landeshauptmann, da denke ich nicht darüber nach, wann ich wieder gehe.

Alles über den Privatmann Hermann Schützenhöfer lesen Sie im zweiten Teil in der Feiertagsausgabe der "Steirerkrone".

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