So, 22. Juli 2018

Bakterium ist schuld

28.04.2016 08:02

Tiroler Forscher entlarven Auslöser für Darmkrebs

Einem Forscherteam rund um Herbert Tilg von der Medizinischen Universität Innsbruck ist es gelungen, ein Darmbakterium als Auslöser für Krebs zu entlarven. Der Keim namens Alistipes könne Dickdarmkrebs verursachen, teilte die MedUni am Mittwoch mit. Außerdem hätten Versuche gezeigt, dass das Protein LCN2 vor der Entstehung von Darmtumoren schützen könne.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Romana Gerner und Alexander Moschen konnte Tilg zeigen, dass Mäuse, denen krankheitsspezifisch das anti-entzündliche Zytokin IL-10 sowie auch das Protein LCN2 fehle, eine schwerwiegendere Entzündung und nach einer gewissen Zeit auch Tumoren entwickeln würden. Mit der Gabe von Antibiotika hätten die Tiere jedoch keine Tumoren und nur eine milde Entzündung entwickelt.

"Die Sequenzierung der Mikrobiota (Zusammensetzung der Mikroorganismen des Darms, Anm.) und die Schaffung einer Bakterienkultur führte uns zu einem Keim namens Alistipes, der sich in unseren Versuchen als Auslöser von Dickdarmkrebs enttarnen ließ", erklärte Gerner. Nachdem in ersten klinischen Untersuchungen bei Dickdarm-Krebspatienten bereits eine überdurchschnittliche Anhäufung von Alistipes-Bakterien nachgewiesen worden wäre, würden diese Ergebnisse nun auch den molekularbiologischen Zusammenhang belegen, hieß es seitens der Mediziner.

Protein steuert Wachstum der Keime im Darm
Zudem hätten die Forscher auch dem antimikrobiellen Protein LCN2 eine zentrale Rolle in diesem Konnex nachweisen können. Das von weißen Blutkörperchen gebildete Protein sei in der Lage, mit den Keimen des Darms zu kommunizieren. "Indem es eisenbindende Moleküle, sogenannte Siderophore, bindet, entzieht LCN2 den Bakterien das für ihr Wachstum nötige Eisen und dämmt so die krebsfördernde Entzündung ein", sagte Moschen.

LCN2 habe also eine schützende Funktion in der Entstehung von intestinalen Entzündungen und Darmtumoren, die mit einer veränderten Mikrobiota in Zusammenhang stehen. Diese Erkenntnis werde für die Entwicklung neuer Therapien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und damit assoziierten Dickdarmkrebs von besonderer Bedeutung sein, prognostizieren die Forscher.

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