Sa, 18. August 2018

Weltkriegsmassaker

29.01.2016 12:09

D: Razzia bei Ex-Mitgliedern von SS-Panzerdivision

Sie sollen im Zweiten Weltkrieg an einem Massaker der Nationalsozialisten in Frankreich beteiligt gewesen sein: Bei früheren Mitgliedern der SS-Panzerdivison "Hitlerjugend" haben deutsche Fahnder jetzt nach jahrelangen Ermittlungen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Bei den drei Männern aus Sachsen und Niedersachsen wurde Material sichergestellt, das jetzt von der "Ermittlungsgruppe Nationalsozialistische Gewaltverbrechen" ausgewertet wird.

Die 12. SS-Panzerdivision "Hitlerjugend" war eine 1943 gegründete Division der Waffen-SS, die an der Ost- und Westfront des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde. Die meisten Soldaten der Division gehörten zum Jahrgang 1926 und waren demnach 1943 mit 17 Jahren aus der Hitlerjugend angeworben worden. Drei ehemalige Angehörige der SS-Panzerdivision stehen jetzt unter Mordverdacht, teilte die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen am Freitag in Dortmund mit. Die Behörde ließ in in den vergangenen Tagen die Wohnungen der Beschuldigten in Sachsen und Niedersachsen durchsuchen.

Massaker an Einwohnern von Küstenstadt
Die Männer sollen 1944 an einem Massenmord an Einwohnern der nordfranzösischen Kleinstadt Ascq beteiligt gewesen sein. Das Verbrechen ging als Massaker von Ascq in die Geschichte ein. In Erwartung der alliierten Landung sollte die SS-Panzerdivision im April 1944 von Belgien in die Normandie verlegt werden, als in der Nacht vom 1. auf den 2. April an der Bahnlinie in der Nähe des Ortes ein Anschlag auf den Truppentransporter der SS-Einheit verübt wurde. Während sich der Zug mit der Einheit dem Bahnhof des Ortes näherte, kam es zu einer Explosion, in deren Folge zwei Waggons des Zuges entgleisten.

Nach dem Anschlag ordnete der Kompanieführer einen grausigen Racheschlag gegen Einheimische an. 86 willkürlich ausgewählte Männer wurden gezielt erschossen. Die Rädelsführer der Racheaktion, darunter der SS-Offizier Walter Hauck, kamen nach dem Krieg vor Gericht und wurden zum Tode verurteilt. Die Todesurteile wurden allerdings wenig später allesamt in langjährige Haftstrafen umgewandelt. Hauck kam 1957 wieder frei. In Ascq erinnert heute ein Museum an das Kriegsverbrechen.

Männer streiten Beteiligung an Massaker ab
Die betagten Männer im Alter von etwa 90 Jahren - zwei Beschuldigte wohnen im Raum Dresden, einer im Raum Hannover - haben laut Staatsanwaltschaft eingeräumt, der Einheit angehört zu haben. Sie stritten aber ab, an Tötungen beteiligt gewesen zu sein, erklärten die Ermittler am Freitag.

In den vergangenen Tagen gab es auch Durchsuchungen bei nicht beschuldigten Männern in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Sie hätten eine "Affinität zur Waffen-SS", sagte Ermittlungsleiter Andreas Brendel von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Dortmund. Es seien Unterlagen beschlagnahmt worden. Ob dies zu weiteren Ermittlungen führen oder die Beschuldigungen erhärten kann, bleibt vorläufig offen.

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