Di, 21. Mai 2019
27.01.2016 08:55

Pure Simulation

Unverzeihlich und fordernd: "DiRT Rally" im Test

Die Schöpfer von "Colin McRae Rally" melden sich mit ihrem neuen Werk "DiRT Rally" zurück - und liefern nach einer Early-Access-Phase auf Steam die härteste Rally-Simulation seit langem für PC und Konsole. Das Game verzeiht nichts, erfordert exaktes und vorausschauendes Fahren - und dürfte genau deswegen bei Freunden realistischer Auto-Action offene Türen einrennen. krone.at hat den Test.

Bei Autorennen auf PC oder Konsole scheiden sich die Geister. Liefert ein Hersteller ein Game mit realistischem Fahrverhalten, fühlen sich die Arcade-Fans nicht wohl. Und ist das Fahrverhalten zu zugänglich, rümpfen Simulations-Fans die Nase. Traditionell versuchen Hersteller, eine Balance zwischen beiden Ansprüchen zu finden. Das kann funktionieren, geht aber auch oft in die Hose.

Codemasters geht mit "DiRT Rally" auf Nummer sicher und liefert ein stark auf Simulations-Fans zugeschnittenes Rally-Erlebnis ab. Am PC ist es als Download oder Box schon länger verfügbar, Konsoleros kommen auf PS4 und Xbox One seit 5. April zum Zug.

Der wahre Gegner ist die Piste
Eine Kampagne im klassischen Sinn gibt es in "DiRT Rally" nicht, stattdessen arbeitet sich der Spieler mit seinem Rennstall durch verschiedene Rally-Bewerbe in Schweden, Deutschland, Wales, den USA, Monaco und Griechenland. Der Fuhrpark umfasst gut zwei Dutzend nach und nach freischaltbare Autos aus sieben Rennklassen und mehreren Jahrzehnten - vom schwächlichen Mini Cooper S aus den Sechzigern bis zu aktuellen Boliden wie dem Polo R WRC von Volkswagen.

Gefahren wird - zumindest im zentralen Rally-Modus - allein. Es gilt, das Auto optimal auf die Strecke einzustellen, die teils beinharten Pisten möglichst fehlerfrei zu meistern, und am Ende eine konkurrenzfähige Zeit zu erreichen. Gute Zeiten bringen bares Geld, mit dem man den Fuhrpark erweitert oder bessere Mechaniker anheuert. Allerdings: Eine gute Zeit zu erfahren, ist in "DiRT" leichter gesagt, als getan. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und der folgende Crash reichen oft, um die vermeintliche Bestzeit zunichte zu machen.

Jede Feinheit wirkt sich aus
Beim Spielen wird schnell klar: "DiRT Rally" ist eine pure Simulation. Jede Tuning-Einstellung - zum Glück gibt es downloadbare Presets - wirkt sich aus. Ebenso Untergrund und PS-Zahl: Ein Mini verzeiht einen beherzten Tritt aufs Gaspedal, während beim kraftstrotzenden Boliden sofort die Räder durchdrehen - besonders, wenn man nicht auf griffigem Asphalt, sondern auf einer rutschigen Fahrbahn unterwegs ist und auf Fahrhilfen wie ABS verzichtet.

Arcade-Fans wird das frustrieren, Simulations-Freunde begeistern - ebenso wie Finessen wie physikalisch korrekt berechneter Schnee, der das Auto je nach Zustand mal mehr und mal weniger abbremst, oder die beschränkten Reparatur-Ressourcen zwischen einzelnen Etappen.

Hübsche Optik, feiner Sound, realistische Schäden
Optisch hinterlässt "DiRT" in der getesteten PC-Version einen sehr guten Eindruck. Es gibt eine Vielzahl von Kameraperspektiven - inklusive Cockpit mit funktionierenden Armaturen. Die Pisten sind detailliert, landschaftlich abwechslungsreich und warten mit hübschen Wettereffekten auf.

Ein kleiner Schönheitsfehler sind vereinzelte unscharfe Texturen, die in voller Fahrt aber ohnedies nicht auffallen. Die Autos sehen toll aus und sind mit einem realistischen Schadensmodell ausgestattet, das bei Unfällen die Fetzen bis hin zum Totalschaden fliegen lässt.

Akustisch gibt's ebenfalls nichts zu meckern. Röhrende Motoren, stimmige Umgebungsgeräusche, ein nicht nach Roboter klingender Beifahrer, der in der Cockpit-Perspektive sogar zu sehen ist, wenn man zu ihm blickt - "DiRT" zeigt viel Liebe zum Detail.

Blechkontakt im Rallycross-Modus
Wer sich in den Rallys, die er allein auf der Piste bestreitet, nach einer Weile langweilt, kann in "DiRT Rally" noch in zwei weiteren Modi antreten - auf Wunsch auch mit Freunden. Besonders gut hat uns hier der Rallycross-Modus gefallen, in dem bis zu sechs menschliche Spieler gleichzeitig antreten. Blechschäden vorprogrammiert! Aber auch der online und offline spielbare Hillclimb-Modus ist durchaus unterhaltsam.

Fazit: "DiRT Rally" ist kein Rennspiel für Jedermann. Es richtet sich an Simulations-Fans mit einer Vorliebe für den Rally-Sport und erfreut sie mit einem rundum sehr guten und mit viel Liebe zum Detail umgesetzten Rennpaket. Klar sind die Rennen in "DiRT" unverzeihlich, oft reicht ein einzelner Crash, um einen guten Lauf zu ruinieren. Aber Fans knallharter Simulationen werden genau das schätzen.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Codemasters/Koch Media
krone.at-Wertung: 9/10

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