So, 22. Juli 2018

Sandhausen-Goalie

01.12.2015 18:11

Marco Knaller: Ist er Kollers EURO-Einser?

Seine teils turbulente Vergangenheit hat er abgehakt. Dafür hechtet er seit Monaten beeindruckend konstant auf Topniveau durch die Strafräume der deutschen Zweitliga-Stadien. Dass er fürs Nationalteam noch kein Thema war, stört ihn nicht, sagt er. Und doch ist er als Geheimtipp ganz oben anzusiedeln - auf der Liste für die Resttickets zur EM in Frankreich. Marco Knaller: Der Goalie-Schlaks von Sandhausen ist souverän, ausgefuchst, stark wie nie.

Zieht man ausschließlich die Aussprache als Indikator heran, käme man im Leben nicht drauf, dass zwischen Marco und Wolfgang Knaller eine Blutsverwandtschaft besteht. Während bei Letzterem, immerhin vierfacher ÖFB-Teamspieler, das Kärntnerische immer wieder die Oberhand gewinnt, brilliert Filius Marco mit piekfeinem Hochdeutsch. Zwei Jahre in Kaiserslautern und nunmehr ebenso viele in Sandhausen haben sich hörbar auf den Sprech des 28-Jährigen ausgewirkt.

Ansonsten ähneln die beiden Blondschöpfe einander nicht nur äußerlich (beide glänzen bei einer Körpergröße von über 1,90 Metern mit der idealen Goalie-Statur) - auch auf zwischenmenschlicher Ebene läuft's reibungslos. "Mein Vater ist sehr wichtig für mich, wir analysieren meine Spiele immer gemeinsam. Er sieht dank seiner Routine oft Einzelheiten, die anderen nicht auffallen", sagt Marco im Gespräch mit sportkrone.at.

Wolfgang: "Da machen wir etwas falsch"
Papa Wolfgang, Admira- und Austria-Legende, war von den Qualitäten seines Sohnemanns immer überzeugt. Auch, als dieser - etwa nach seinem unrühmlichen Abgang beim WAC - in Österreich wenig Gegenliebe erfuhr. "Ich bin dafür oft belächelt worden. Alle Versuche, Vereinsverantwortliche in Österreich dazu zu bringen, sich meinen Sohn in einem Training anzusehen und sich selbst ein Bild zu machen, sind gescheitert. Ein Trainer eines Spitzenklubs hat mir sogar erklärt, er könnte mit solchen Torhütern wie dem Marco täglich einen Bus füllen und sie damit nach Hause schicken", erzählt Knaller senior sportkrone.at.

Und er will dabei auch eines festgehalten wissen: "Auch wenn's immer wieder anders dargestellt wird: Ich habe mich nie in die Angelegenheiten vom Marco eingemischt oder mich bei irgendwelchen Vereinen angebiedert. Ich weiß nur, dass wir den Marco in der Form, in der er sich jetzt befindet, auch schon seit vielen Jahren haben könnten. Wenn aber Seilschaften, fachliche Inkompetenz oder Eitelkeiten einem Sportler in den Weg gestellt werden, dann machen wir ganz sicher etwas falsch. Ich muss mir keine Gedanken machen - das müssen diese Leute tun, die so arbeiten, denn mein Sohn ist sicher kein Einzelfall."

Gegenwart ist Trumpf
Marco selbst will sich über seine Vergangenheit keine großen Gedanken mehr machen. "Einige Dinge waren in meiner Zeit in Österreich zwar nicht so, wie sie nach außen transportiert wurden, aber das ist vorbei. Ich fahre ganz gut damit, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren." Und die hat's wirklich in sich. Marco ist seit Saisonbeginn die klare Nummer eins beim SV Sandhausen. "Es tut mir gut, Spielpraxis zu bekommen. Ich glaube aber auch, dass ich mir das Vertrauen der Verantwortlichen hart erarbeitet habe."

Geduld zahlt sich aus
Geduld - eine Kernkompetenz im Torhüter-Leben des Marco Knaller: Als er im Sommer 2013 zu Sandhausen wechselte, brachte er es zwar auf einige Einsätze, wurde dann aber von Manuel Riemann als Einser abgelöst - auch weil dieser damals im Pokal-Spiel gegen Bundesligist Nürnberg gleich zwei Elfer parierte und damit maßgeblich zum sensationellen Aufstieg Sandhausens beitrug. "Damals gut für die Mannschaft, aber schlecht für mich", schmunzelt Marco heute.

Aufstieg kein Thema
Seit Saisonbeginn ist aber an seinem Einser-Status nicht mehr zu rütteln. Knaller besticht durch Übersicht, katzenartige Geschmeidigkeit und Konstanz. "Ich habe immer so gearbeitet und trainiert, als wäre ich die Nummer eins", sagt er. Die Einstellung lohnt sich. Sandhausen liegt mit Kapitän Stefan Kulovits nach 16 Runden mit 25 Punkten auf Platz fünf, nur einen Punkt hinter dem zur Relegation berechtigenden dritten Rang. Die bittere 0:3-Pleite gegen Schlusslicht Duisburg am vergangenen Wochenende wertet Knaller als "Dämpfer zur rechten Zeit". Selbst bewahrte er sein Team dabei übrigens mit starken Reflexen vor weiteren Gegentoren.

Vom Aufstieg will Knaller jedenfalls nix wissen. "Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt", meint er. Und die EURO 2016? "Schön wär's schon", schmunzelt Knaller, erklärt aber auch: "Dass mich Marcel Koller noch nicht einberufen hat, stört mich überhaupt nicht. Ich habe auch noch gar nicht damit gerechnet, immerhin spiele ich ja erst seit einem halben Jahr regelmäßig." Geduld ist wieder einmal gefragt im Leben des Marco Knaller. Sie könnte aber noch oft ein Erfolgsgarant in seiner Karriere werden...

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