12.10.2015 09:20 |

Syrien-Krieg

Fluglinien fürchten sich vor russischen Raketen

Das russische Militär feuert seit einigen Tagen erstmals von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer aus Raketen auf Ziele im Bürgerkriegsland Syrien. Die Raketen queren dabei eine wichtige Flugroute nach Europa. Berichten zufolge fürchten die Airlines einen möglichen Beschuss, nachdem Flug MH17 der Malaysia Airlines im Vorjahr über der Ukraine unter bislang ungeklärten Umständen vom Himmel geholt worden war. Mindestens eine europäische Fluglinie habe bereits auf den Militäreinsatz der Russen im Nahen Osten reagiert, hieß es am Montag.

Eine der vielbeflogenen Flugrouten zwischen Europa und Asien führt über die Türkei, den Iran und das Kaspische Meer. Nachdem die Russen in der Vorwoche damit begonnen haben, mit Raketen Ziele in Syrien zu beschießen, wächst nun laut Zeitungsberichten bei einigen Fluglinien die Sorge wegen einem möglichen Beschuss durch Raketen und Marschflugkörper auf dieser Route.

Die Europäische Agentur für Luftfahrtsicherheit (EASA) veröffentlichte mittlerweile eine Sicherheitsinformation für Fluggesellschaften, die den Luftraum über dem Kaspischen Meer, dem Iran und dem Irak nutzen, berichtete die deutsche Zeitung "Die Welt" am Montag. Demnach sprach die EASA in ihrem Hinweis noch keine speziellen Empfehlungen aus. Sie werde ihn jedoch entsprechend ergänzen, wenn sie weitere Informationen zur Lage in der betroffenen Region erhalte.

Bericht: Air France traf bereits spezielle Vorkehrungen
Air France traf dem Bericht zufolge auf Empfehlung ihrer eigenen Sicherheitsdirektion bereits spezielle Vorkehrungen für den Überflug des Iran und des Kaspischen Meeres. Aus Sicherheitsgründen wollte die Airline der "Welt" zufolge jedoch keine weiteren Einzelheiten nennen. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte der Zeitung indessen, nach aktueller Erkenntnis bestehe keine Erfordernis, auf alternative Routen auszuweichen. Aber grundsätzlich sei die Lage "volatil".

Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) gar von mehreren Fluggesellschaften, die sich bereits für alternative Routen entschieden hätten - und somit Umwege in Kauf nehmen. Auf der Website flightradar24.com seien bereits am Sonntagabend mehr Flugzeuge auf der Route über Saudi-Arabien und Ägypten zu sehen gewesen als auf der nördlichen Route über den Iran, berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Montag.

Seit dem Abschuss von Flug MH17 im Juli 2014 über der Ukraine mit 298 Toten sind Luftfahrtbehörden laut dem "Wall Street Journal" besonders für Flüge über oder in der Nähe von Krisengebieten sensibilisiert. Die Hintergründe der Katastrophe nach wie vor nicht restlos aufgeklärt.

Geländegewinne für Assad-Truppen
Russland engagiert sich seit Ende September militärisch im syrischen Bürgerkrieg. Seither greifen vor allem russische Kampfflugzeuge Ziele in dem Land an. Die Regierung in Moskau gibt an, Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat zu bombardieren. Die USA und andere Staaten kritisieren jedoch, dass Russlands Luftwaffe weniger den IS als vielmehr andere Regimegegner angreift, um den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad an der Macht zu halten. Dank der russischen Unterstützung hatten dessen Truppen am Wochenende Geländegewinne in Zentralsyrien erzielt.

Russlands Präsident Wladimir Putin wirft den USA und den europäischen Mächten vor, sie redeten bloß über den Kampf gegen Terrorismus - Resultate seien aber nicht zu sehen.

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