Fr, 14. Dezember 2018

"Siegesfahrt"

26.04.2015 07:40

Putins "Nachtwölfe" sind auf dem Weg nach Wien

Der russische Biker-Klub "Die Nachtwölfe" ist am Samstag zu einer Tour quer durch Ost- und Mitteleuropa bis nach Berlin aufgebrochen, um den Weg der Sowjetarmee am Ende des Zweiten Weltkriegs nachzufahren. Ziel ist laut den Veranstaltern, "das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind". Das Vorhaben hatte bereits im Vorfeld für Empörung in mehreren Staaten gesorgt, in denen die Motorradfahrer Station machen wollen. In Polen und Deutschland wurden Einreiseverbote verhängt. Doch die "Nachtwölfe" halten an ihren Plänen fest. Auch in Wien ist ein Zwischenstopp geplant.

"Wir halten an unserer Reiseroute und auch an unseren Werten fest", sagte der durch seine Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin bekannte Chef des Motorradklubs, Aleksandr "Chirurg" Saldostanow, am Samstag vor Journalisten. Ob es gelänge, eine Kolonne zu formieren, sei dabei nachrangig, betonte er. Er rechne damit, dass deutlich mehr als 20 Biker an der Tour teilnehmen. Entlang der Route würden sich zudem weitere Motorradfahrer der Reise anschließen. Da der Start am Samstag gemeinsam mit dem allgemeinen Saisonauftakt der Biker erfolgte, blieb unklar, wie viele von Hunderten anwesenden Bikern tatsächlich in Richtung Westen aufgebrochen sind.

Chef der "Nachtwölfe" hat kein Visum
Der "Nachtwölfe"-Chef selbst bleibt dem Tross vorerst fern. "Zum aktuellen Zeitpunkt habe ich kein Visum - womöglich bekomme ich eines am Montag", erklärte Saldostanow. Sollte er ein Visum bekommen, würde er jedoch nur einen Teil der Route mitfahren, meinte er. Denn am 4. Mai plane er, im russischen Jekaterinburg eine Gedenktafel für eine Kriegsveteranin zu enthüllen, die im "Großen Vaterländischen Krieg" in einer Motorradeinheit gekämpft habe.

Ganz versteht Saldostanow aber die Aufregung in den osteropäischen Staaten nicht: "Wir sind Biker, unbewaffnet, offen nach allen Seiten. Unsere Reise ist eine Demonstration des Vertrauens, nicht der Stärke. Wir wollen die Gräber unser Großväter besuchen, das ist unsere Pflicht", sagte der "Chirurg". Die Motorradfahrer hätten Visa und würden jeweils einzeln nach Polen einreisen. So solle das Verbot umgangen werden, die Biker als Kolonne einreisen zu lassen. Er warf der polnischen Führung "Russenhass" vor. Auch der Kreml zeigte sich über die Haltung Warschaus irritiert: "Wir finden es schade. Wir bedauern diese Entscheidung sehr", sagte Präsidentensprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax.

Warschau: "Tour ist eine Provokation"
Polen begründet das Einreiseverbot damit, dass die "Nachtwölfe" keine ausreichenden Angaben über ihre Route und ihre Übernachtungsstationen gemacht hätten. Diese Informationen seien erforderlich, "um den Teilnehmern der Fahrt ausreichend Sicherheit zu bieten", hieß es seitens der Regierung in Warschau.

Der Konflikt in der Ukraine hat in den vergangenen Monaten das Verhältnis zwischen Moskau und Warschau stark belastet. Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna und Regierungschefin Ewa Kopacz nannten die Rocker-Fahrt eine "Provokation". "Das ist nicht nur ein Motorradklub oder eine Gruppe von Touristen. Sie befassen sich auch mit anderen Dingen, rühmen die Politik von Putin." Auch in sozialen Netzwerken in Polen hatten Tausende gegen die geplante Tour der "Nachtwölfe" protestiert.

Die Reise sollte ursprünglich über Weißrussland, Polen, Österreich, Tschechien und die Slowakei bis nach Deutschland führen. Doch mit dem Nein aus Polen ist der kürzeste Landweg von Moskau nach Berlin dicht. Fraglich ist, ob die Biker den Umweg über die Ukraine wagen.

Auch Deutschland verweigert Einreise
Nach Darstellung des Klubs sind Stationen in Minsk, Brest, Breslau, Brünn, Bratislava, Wien, München, Prag, Torgau und Berlin-Karlshorst geplant. Am 9. Mai, dem in Russland gefeierten Tag des Sieges über Hitlerdeutschland, wollen sie in Berlin sein. Doch auch die deutsche Regierung stellt sich dem geplanten Weltkriegs-Korso in den Weg. "Führenden Mitgliedern der 'Nachtwölfe' wird die Einreise nach Deutschland verweigert", hieß es am Samstagabend in Regierungskreisen in Berlin. Die deutschen Behörden hätten zudem jene Visa annulliert, die "unter Vorspiegelung falscher Tatsache erschlichen" worden seien.

Die Bundesregierung verwies auf mögliche "Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland". "Wir glauben nicht, dass das dem Ziel dient, einen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen zu leisten", hieß es in der in Berlin verbreiteten Erklärung. "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass der Jahrestag in Würde begangen wird. Wir stellen uns mit Nachdruck gegen jegliche Instrumentalisierung des unermesslichen Leids der Opfer und des Widerstands gegen die Naziherrschaft."

Biker planen Kranzniederlegung in Wien
Bisher gibt es zudem keine Bestätigung es aus dem Außenministerium in Wien, ob die "Nachtwölfe" tatsächlich auch in der österreichischen Bundeshauptstadt einen Zwischenstopp einlegen werden. Allerdings beinhalten die Pläne der Biker auch eine Zeremonie beim sowjetischen Kriegerdenkmal am Schwarzenbergplatz. Die Veranstaltung wurde bei den österreichischen Behörden aber noch nicht angemeldet.

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