Mo, 20. August 2018

sportkrone.at-Talk

16.04.2015 13:26

Pacult: "Kommerz hat's immer schon gegeben"

Peter Pacult im großen sportkrone.at-Interview. Der Ex-Rapid- und -Leipzig-Coach über die Debatte Kommerz vs. Tradition im Fußball, seine Trainer-Ambitionen, Jürgen Klopps Aus bei Dortmund und Rapids legendäres 85er-Dreamteam, das mit "PP" im Sturm halb Europa das Fürchten lehrte.

sportkrone.at: Wie überraschend ist für Sie der Rückzieher von Jürgen Klopp als Dortmund-Trainer gekommen, Herr Pacult?
Peter Pacult: Das war auch für mich sensationell. Ich glaube, er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im Herbst war von Trennung ja noch keine Rede. Offenbar gab's in der laufenden Frühjahrssaison aber doch einige Entwicklungen, die in ihm den Entschluss reifen ließen, dass es besser ist, einen Cut zu machen. Trotz allem: sehr überraschend.

Am Freitag, den 17. April, gibt Peter Pacult im "The Bar" beim Blumenrad im Wiener Prater, ab 16.30 Uhr eine Autogrammstunde. Dabei wird er im Zuge des "Sporttalks" auch über aktuelle Entwicklungen im Fußball sinnieren.

sportkrone.at: Klopp war fast acht Jahre lang bei Dortmund. Wie schwierig ist es, sich als Trainer über diesen langen Zeitraum gleichsam immer wieder neu zu erfinden, damit sich die Beziehung zu den Spielern nicht abnützt?
Pacult: An der These, dass die Mannschaft und der Trainer vielleicht schon zu lange zusammen waren, mag schon was dran sein. Klopp hat Spieler wie Hummels zu g'standenen Profis entwickelt. Auch Lewandowski wurde zunächst ja als Fehleinkauf abgestempelt und ist erst später explodiert. Klopp hat aber auch einsehen müssen, dass er die besten Spieler nicht halten konnte. Auch mit Weidenfeller war das Verhältnis zuletzt nicht ganz reibungslos. Und dann werden natürlich die Klischees ins Spiel gebracht, wonach der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht. Dem halte ich immer das Phänomen Alex Ferguson entgegen. Der war 28 Jahre lang Trainer bei Machester United. Hat er dann über 20 Jahre lang die Mannschaft nicht erreicht?

sportkrone.at: Wie ist es um Ihre persönlichen Trainer-Ambitionen bestellt? Haben Sie schon Pläne?
Pacult: Selbstverständlich! Ich bin gerade in Gesprächen. Im Sommer werde ich vielleicht schon etwas Konkretes wissen.

sportkrone.at: Angeblich sind Sie vor wenigen Wochen auch in der Geschäftsstelle der Wiener Austria gesichtet worden.
Pacult: An dem Tag, an dem das Gerücht aufgekommen ist, habe ich mich mit einem Herrn getroffen, dessen Name so ähnlich klingt wie jener des Austria-Wirtschaftsbosses Markus Kraetschmer: Die Rede ist von Deutschlands Ex-Handball-Star Kretzschmar. Ich weiß also nicht, woher das Gerücht kommt, ich würde mit der Austria verhandeln.

sportkrone.at: Würde Sie der Trainerjob bei der Austria reizen?
Pacult: Als Fußballspieler oder -Trainer sollte man niemals nie sagen. Meinen Informationen zufolge spielen bei der Trainersuche am Verteilerkreis andere Namen eine Rolle als meiner.

sportkrone.at: Was können Sie mit derzeit im Fußball so geläufigen Modebegriffen wie "Gegenpressing", "hoch verteidigen", "die letzte Zone" oder "die Box" anfangen?
Pacult: Das sind halt neue Namen für etwas, was es ja eh schon länger gibt. In den 70er- und 80er-Jahren hat man sich vor den Ostblock-Mannschaften gefürchtet, weil diese so früh attackiert haben und sehr laufstark waren. Das würde man heute wohl als "hoch pressen" bezeichnen. Der HSV hat in den 80ern auch schon einen sehr modernen Fußball gespielt mit permanentem Pressing und starken Flügelspielern. Unlängst hab ich mich mit Adi Hütter unterhalten. Der hat mir bestätigt, dass wir bei Rapid mit mir als Trainer schon sehr aggressiven Angriffsfußball gespielt haben. Ich glaube, dass Mannschaften, die schnell nach vorne spielen, heute mehr Probleme haben als früher, weil die Vereine besser verteidigen.

sportkrone.at: Zur österreichischen Bundesliga: Das Titelrennen ist entschieden, oder?
Pacult: Salzburg hat eine sehr starke Mannschaft. Es gab im Sommer Umstellungen, auch weil Roger Schmidt weggegangen ist - der übrigens auch nur einen Meistertitel und einen Cuptitel mit Salzburg gewonnen hat. Es wird ja jetzt so getan, als hätte er alles abgeräumt, aber so war's ja nicht. Gerade das erste Jahr war für ihn mit Düdelingen und der verpassten Meisterschaft nicht besonders erfolgreich. Trotz allem: Ich glaube, dass die Salzburger genug Selbstvertrauen haben, dass sie sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen.

sportkrone.at: Und Rapid?
Pacult: Platz zwei ist das Maximale, das sie mit diesem Kader holen können. Das ist schon in Ordnung so.

sportkrone.at: Wenn man von Rapid und Salzburg spricht, ist die Debatte Tradition gegen Kommerz nicht weit. Wo verorten Sie sich in dieser Diskussion?
Pacult: Der Kommerz wird immer da sein, und es hat ihn auch schon immer gegeben. Ich habe bei Swarowski Innsbruck gespielt, bei der Austria gab's denn Herrn Stronach, Rapid hat einmal Rapid Wienerberger geheißen. Außerdem war die Bank Austria einmal der größte Erhalter von Rapid. So läuft der Sport halt nun mal. Wenn wir uns gegen Kommerz aussprechen, dann darf gar kein Klub mehr einen Sponsor haben. Natürlich ist Tradition auch toll. Ich war beim Derby Sportclub gegen die Vienna mit 7.500 Zusehern. Das ist schon großartig. Trotzdem muss man sehen, wo die beiden Klubs schon einmal waren und wo sie jetzt sind. Da sind halt auch Fehler passiert. Und letztlich geht es ja um das Wohl des Vereins und nicht um die Vorstellungen mancher Fans, die den Klub behindern.

sportkrone.at: Sprechen Sie die Rapid-Fans an?
Pacult: Dass ein Teil einer gewissen Rapid-Fangruppe einen gewissen Einfluss auf den Vorstand hat, ist kein Geheimnis. Aber man muss als Klub schon aufpassen, nicht das Wohl des Vereins aus den Augen zu verlieren.

sportkrone.at: Zuletzt noch eine Zeitreise. 1985, vor genau 30 Jahren, sind Sie als Stürmer mit Rapid bis ins Europacup-Finale vorgestoßen. Wie frisch sind die Erinnerungen daran noch?
Pacult: Die sind noch sehr frisch. Ich bin damals neu vom Wiener Sportclub gekommen, es war meine erste Saison bei Rapid. Ich weiß aber auch, dass wir in der Meisterschaft so gar nicht überzeugt haben, wir haben damals gegen Spital verloren. Dafür war die Europacup-Saison schon einzigartig. Dast hat schon mit dem Spiel gegen Besiktas begonnen und sich dann bis zum Finale hingezogen. Nur haben wir im Finale mit großen Personalsorgen zu kämpfen gehabt. Panenka konnte nicht spielen, Brucic war gesperrt - das war bestimmt auch der Grund, warum wir im Finale nicht so gut ausgesehen haben. Wir haben damals hauptsächlich von unseren Heimspielen gelebt - wie gegen Dynamo Dresden (5:0 nach 0:3 im Hinspiel, Anm.) oder Dynamo Moskau (3:1, Anm.). Eine tolle Zeit mit einer tollen Mannschaft!

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