Boris Becker kann sich nicht vorstellen, Alexander Zverev zu trainieren. Der sechsmalige Grand-Slam-Sieger erklärt, warum das Umfeld des Deutschen für ihn ein Hindernis wäre und weshalb er auch aus familiären Gründen keine dauerhafte Trainerrolle mehr übernehmen möchte.
„Ich muss der Chef im Ring sein. Wenn dann ein Familienmitglied eine andere Meinung hat, in einer Sprache, die ich nicht verstehe, in diesem Fall Russisch, dann geht es nicht“, sagte Becker dem „Spiegel“.
Zverev wird seit seiner Kindheit von seinem Vater Alexander trainiert. Auch Bruder Mischa ist eng in die Karriere des 29-Jährigen eingebunden. Becker bezeichnete das Umfeld des zweimaligen Grand-Slam-Siegers als „Familienunternehmen“, in dem alle an Werbeverträgen und Preisgeldern mitverdienten. „Und das jüngste Familienmitglied ist der Kern des Unternehmens. Ich hätte das mit meinem Vater und meiner Schwester so nicht machen können“, sagte der 58-Jährige.
Keine langen Reisen mehr
Neben den Machtverhältnissen im Trainerteam sprechen für Becker auch private Gründe gegen eine Zusammenarbeit. Der Deutsche hatte von 2013 bis 2016 Novak Djokovic erfolgreich betreut. „Der Job des Tennistrainers bedeutet extrem viel reisen, fast jede Woche. Das möchte ich meiner Familie nicht antun“, sagte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger.
Zu einem offiziellen Trainer-Spieler-Gespann kam es zwischen Becker und Zverev nie. Von August 2017 bis Ende 2020 war Becker als „Head of Men’s Tennis“ beim DTB tätig und unterstützte Zverev bei vielen Matches und auf dem Trainingsplatz. Gemeinsame Einsätze gab es unter anderem beim Davis Cup, etwa 2017 in Brisbane, sowie beim ATP Cup 2020, bei dem Becker die deutsche Mannschaft als Kapitän betreute.
Als Mentor könne er sich Einsätze bei einzelnen Grand-Slam-Turnieren, Masters-Events oder in einem Trainingslager vorstellen. Anfragen gebe es bereits, Namen wollte Becker aber nicht nennen. „Mal schauen, was nächstes Jahr passiert. Aber dass ich im August meine Koffer packe und im Oktober erst wieder nach Hause komme, das mache ich nicht mehr“, stellte er klar.
Zverev tritt beim Masters in Paris erstmals als Weltranglistenerster an. Nach einem Freilos wartet in der nächsten Runde Lorenzo Musetti, der ihn 2024 im Olympia-Viertelfinale in Paris besiegte. Das Turnier liegt Zverev: 2024 gewann er den Titel.
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