Von Frankreich über Italien bis nach Albanien dominiert ein Bild aktuell die Schlagzeilen: Gewaltbereite Jugendliche, die friedliche Proteste kapern und in Städten für Zerstörung und Angst sorgen. Ermittler nehmen jetzt digitale Megakonzerne ins Visier.
Eigentlich sollte über Schulreformen und hohe Lebenskosten diskutiert werden, doch Flammen der Gewalt in Europas Städten dominieren die Debatte. Der einstürzende Rathausturm im französischen Limoges wurde dabei zu einem Symbol der Schande.
Das unter Denkmalschutz stehende Rathaus wurde am Samstag in Brand gesteckt und beinahe komplett zerstört. Eine „wilde Horde“ sei für die Flammen verantwortlich, durch die das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert – einst Hochburg der französischen Widerstandsbewegung Résistance gegen Nazi-Deutschland – ausbrannte.
Jetzt stellt sich nicht nur Limoges die Frage: Wie konnte es überhaupt innerhalb kürzester Zeit zu so einer Gewaltexplosion kommen?
In Italien werden nun Social-Media-Konzerne ins Visier genommen. Die Ermittler prüfen jetzt, wie sich hunderte Jugendliche in wenigen Minuten auf dem Mailänder Domplatz versammeln konnten. Untersucht werden deshalb Accounts, Nachrichten und geteilten Inhalte auf sozialen Netzwerken.
Abläufe fast identisch
Dabei fällt auf, dass die Gestaltung der italienischen Flugblätter, die auf dem Domplatz von Randalierern verteilt wurden, denjenigen ähnelt, die bei Protestmobilisierungen in Frankreich verwendet wurde. Auch die Abfolge der Ereignisse in Frankreich, in Albanien und nun in Italien gilt den Ermittlern als zu ähnlich, um dies als bloßen Zufall abzutun.
Die Ermittler analysieren das Verhalten der Plattformen und die Geschwindigkeit, mit der bestimmte Inhalte Tausende sehr junge Menschen erreichen, berichteten italienische Medien. Dabei besteht der Verdacht, dass Algorithmen die Verbreitung von Aufforderungen zum Randalieren in ungewöhnlichem Maße begünstigt haben könnten.
Dies ist eine der Spuren, denen die Behörden nachgehen. Auch in Bergamo, Brescia und Verona, wo es am Wochenende ebenfalls besonders heftige Zusammenstöße gab, fiel die Beteiligung junger Menschen der zweiten Einwanderergeneration auf. Besonders brisant ist, dass die Festgenommen in Frankreich, Belgien, Italien und Co. vorrangig minderjährig sind.
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