Was sind die größten Bedrohungen für die Menschheit? Dieser Frage ist eine Expertenkommission der Fachzeitschrift „Lancet“ nachgegangen. Sie listete 17 Bedrohungen auf. Ganz oben: Atomkrieg und eine böswillige KI. Weniger spektakulär, aber folgenschwerer sind andere, alltäglichere, Gefahren.
Vor der Gefahr durch eine Künstliche Intelligenz (KI), die außer Kontrolle gerät und sich gegen ihren Schöpfer wird in jüngster Zeit öfter gewarnt. Zu Recht, urteilten die 37 Experten der Lancet-Kommission. Ein solches Szenario berge das Potenzial, die Menschheit auszulöschen. So könnten Kriminelle KI nutzen, um tödliche biologische Waffen zu erzeugen. Außerdem könnte KI in kritischer Infrastruktur missbraucht werden und etwa Krankenhäuser lahmlegen. Die Experten beschreiben in ihrem Bericht auch die Gefahr einer Superintelligenz, die sich die Beseitigung der Menschheit zum Ziel setzt.
„Nukleare Hungersnot“
Auch ein Atomkrieg hat „Auslöschungspotenzial“, wie es die Forscher nennen. Zunächst würden Atombomben durch ihre Druckwellen, Hitze und Strahlung viele Menschen töten, dann würden staatliche Ordnung und Lieferketten zusammenbrechen. Radioaktiver Staub in der Atmosphäre würde schließlich weltweit Ernten vernichten, was zu einer „nuklearen Hungersnot“ führen würde.
Jede Gefahr kostet eine Milliarde gesunde Lebensjahre
Allerdings schätzen die Experten die Wahrscheinlichkeit, dass diese Szenarien wirklich eintreten, als gering ein. Weit lebensnaher, aber trockener sind andere Punkte auf der Liste der größten Bedrohungen bis zum Jahr 2100. Kriterium der Forscher: Jede der 17 gelisteten Gefahren kostet die Menschheit mehr als eine Milliarde gesunde Lebensjahre bis 2100. Ein gesundes Lebensjahr geht durch Tod oder anteilig durch Krankheit verloren. Zum Vergleich: Die Covid-Pandemie hat die Menschheit rund 500 Millionen gesunde Lebensjahre gekostet. Darin eingerechnet sind die geschätzt über 18 Mio. Corona-Tote.
Natürliche Pandemien sehen die Experten nach wie vor als eine der größten Gefahren an. Auch auf der Liste stehen antibiotikaresistente Bakterien und der Kollaps der Entwicklungshilfe für Gesundheit. Außerdem als Bedrohung gesunder Lebensjahre werden hoher Alkoholkonsum, Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht ausgemacht. Dazu kommen psychische Probleme, niedrige Bildung und Einkommensungleichheit. Große Gefahren sind zudem der Klimawandel, Luftverschmutzung, Kriege und Mangelernährung bei Kindern.
Politik kann Leben retten
Die gute Nachricht: Die aufgelisteten Gefahren lassen sich durch menschliches Eingreifen, sprich Politik, eindämmen. So errechneten die Experten, wie sehr kluge Politik die Folgen dieser Gefahren abschwächen kann. Ein Beispiel ist der Kampf gegen die Nikotinsucht: Durch gute Politik und Gesundheitsvorsorge sterben und erkranken weniger Menschen infolge des Rauchens als durch schlechte Politik.
Mit ihrer Berechnung kamen die Expertenkommission zum Schluss, dass durch gute Politik, die Übergewicht bekämpft besonders viele Lebensjahre gerettet werden können. Bis zum Jahr 2100 könnten rund 23 Milliarden verlorene Lebensjahre vermieden werden, wenn die Menschheit sich besser ernähren und mehr bewegen würde. Das entspricht in etwa 46 Corona-Pandemien, rechnet die Kommission vor. Um all diesen Gefahren entgegenzuwirken, hat die Kommission drei allgemeine Empfehlungen für die Politiker dieser Welt:
„Möglichkeit, zu handeln“
„Das Bemerkenswerte daran ist nicht nur das Ausmaß dieser Bedrohungen, sondern auch, dass die Menschheit noch immer die Möglichkeit hat, zu handeln“, sagte der Co-Vorsitzende der Kommission, Christopher Murray von der University of Washington. „Bei allen 17 katastrophalen Bedrohungen werden die Entscheidungen, die die Verantwortlichen heute treffen, die Gesundheit und das Wohlergehen der nächsten Generation prägen.“
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