Für die neueste Netflix-Produktion „Animals“ übernahm der multitalentierte Ben Affleck nicht nur Drehbuch und Regie, sondern auch eine der Hauptrollen. Doch das Ergebnis lässt einige Wünsche offen...
Er ist bodenständig, ein Mann des Volkes – sosehr man das als weitaus besser verdienender Anwalt sein kann – und spricht fließend Spanisch, was in einer Stadt, in der fast die Hälfte der Bevölkerung lateinamerikanische Wurzeln hat, nur von Vorteil sein kann. Er ist in Los Angeles geboren, aufgewachsen und hat sein ganzes Leben dort verbracht – Mark Kimball (Ben Affleck) weiß also um die schönen wie auch die problematischen Seiten seiner Heimatstadt Bescheid. Als noch dazu unabhängiger Kandidat wäre er also der perfekte nächste Bürgermeister, weshalb er, auch auf Anraten seiner rechten Hand Sam (Steven Yeun), sein gesamtes Vermögen auf die Wahl setzt, ohne es seiner Frau Abigail (Kerry Washington) zu sagen.
Unerwartete Wendung
Die Stimmung zwischen den beiden ist ohnehin nicht gerade die beste, was auch der Grund sein dürfte, warum Abigail eine Affäre hat. Doch der echte Tiefpunkt steht ihnen noch bevor: Ein anonymer Anrufer behauptet, ihren Sohn Denny gekidnappt zu haben. Die geforderten sieben Millionen Dollar Lösegeld hat Mark allerdings nicht mehr auf der hohen Kante, weshalb Sam die mysteriöse Dayle Burton (Gillian Anderson) engagiert, die für ein anständiges Honorar nicht nur das Lösegeld, sondern auch Verhandlungsgeschick mitbringt. Als sich herausstellt, dass der Entführer unabsichtlich den Stiefsohn ihrer Haushälterin Cecilia (Adriana Paz) anstatt Denny geschnappt hat, nimmt die Handlung plötzlich eine unerwartete Wendung.
Washington, Anderson und Affleck in den Hauptrollen, sowie Letzterer – zweifach oscarprämiert – als Drehbuchautor und Regisseur: Was könnte da schon schiefgehen? Während die Prämisse der Geschichte eine interessante wäre, scheint das Drehbuch so oft umgeschrieben worden zu sein, dass spannende Handlungsstränge plötzlich aufhören und ins Nichts verlaufen. Die allesamt talentierten Protagonisten bekommen so wenig Substanz, dass sie schauspielerisch fast verhungern.
Die „Netflix-Behandlung“
Der ebenfalls oscargekrönte Kameramann Robert Elswit, der seine Heimatstadt Los Angeles bereits mehrmals, etwa in „Nightcrawlers“, atemberaubend in Szene gesetzt hat, darf die vier Wände der Kimball-Bonzen-Villa leider kaum verlassen. „Animals“ wird sich also den Vorwurf gefallen lassen müssen, die „Netflix-Behandlung“ bekommen zu haben – also so gestaltet zu sein, dass man als Zuschauer problemlos nebenbei noch andere Dinge machen kann. Wer also noch einen Berg an Wäsche zum Bügeln oder Zusammenfalten hat, hat mit „Animals“ einen traurigen Jackpot geknackt.
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