Di, 16. Oktober 2018

Rubel-Krise

18.12.2014 10:08

So rettet Putin Russlands Oligarchen

Der Rubel stürzt ins Bodenlose, Lebensmittel werden knapp oder so teuer, dass sie für viele Russen unerschwinglich sind: Der größte Staat der Erde steht vor einem wirtschaftlichen Kollaps. Diese Misere kommt nicht von ungefähr: Jahrelang förderte Kremlchef Wladimir Putin die russischen Oligarchen und sicherte so seine Macht. Und auch angesichts der jüngsten Krise weiß er ganz genau, wem er hilft - und wem nicht.

Seit Anfang 2014 verlor der Rubel rund 40 Prozent an Wert. Obwohl Putin immer wieder das Gegenteil beteuerte, trafen die westlichen Sanktionen als Folge des Ukraine-Konflikts das ehemalige Zarenreich durchaus hart. Auch der sinkende Ölpreis macht Russland zu schaffen.

Die Folgen der Rubel-Talfahrt bekommen die Russen bereits deutlich zu spüren. Schon seit Beginn des Einfuhrstopps sind Obst, Fleisch und Milch knapp, berichtet der "Focus". Doch auch Grundnahrungsmittel wie Buchweizen werden immer teurer: Bei einem aktuellen Kilopreis von 90 Rubel (rund 1,2 Euro) können es sich viele russische Mütter nicht mehr leisten, ihren Kindern die berühmten "Oladji", kleine Buchweizenpfannkuchen, zu backen.

Während der Großteil der russischen Bevölkerung mit dem Währungsverfall kämpft, trifft es die Reichen in Putins Reich bei Weitem nicht so hart. Bestes Beispiel ist der dubiose Deal der russischen Zentralbank zugunsten des Öl-Giganten Rosneft: Weil der Konzern im Westen keine Kredite mehr bekam, mussten russische Staatsbanken diese Woche riskante Rosneft-Papiere im Wert von elf Milliarden Dollar kaufen - trotz extrem niedriger Zinsen.

Rosneft-Oligarch als Putins Mann fürs Grobe
Hintergrund des "faulen" Wertpapierkaufs: Rosneft-Oligarch Igor Setschin ist ein enger Vertrauter Putins und der Mann fürs Grobe an der Seite des Präsidenten. In Russland nennt man den Bankchef in Anspielung auf seine Unerbittlichkeit gegenüber politischer oder wirtschaftlicher Konkurrenz "Darth Vader".

Der ukrainische Oligarch Dimitri Firtasch, der in Österreich auf seine Auslieferung an die USA wartet, hat durch Sonderkonditionen beim russischen Staatskonzern Gazprom Milliarden verdient. In den vergangenen vier Jahren erhielten zwei Firtasch-Firmen 20 Milliarden Kubikmeter Gas weit unter Marktpreis und erzielten damit rund 2,4 Milliarden Euro an Mehreinnahmen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters im November.

Entschädigung für beschlagnahmte Villen
Milliardär Arkadi Rotenberg, ein Jugendfreund Putins, wurde Insidern zufolge vom Kreml dafür entschädigt, dass europäische Behörden seine Konten einfroren sowie seine drei Villen bzw. sein Luxushotel beschlagnahmten. Und er soll beileibe kein Einzelfall sein. International löst Putins Politik angesichts der Krise Hohn aus. So schrieb die "Financial Times": "Unter Putins Führung hat sich die russische Wirtschaft zu einer ganz besonders korrupten Version des Staatskapitalismus entwickelt."

Dafür kann sich der russische Staatschef allerdings der Loyalität seiner Oligarchen sicher sein. Zumal er auch äußerst anschaulich demonstriert hat, was passiert, wenn man sich gegen ihn stellt: Putin-Gegner und Ex-Oligarch Michail Chodorkowski verbrachte zehn Jahre in russischen Straflagern und Gefängnissen. Wladimir Jewtuschenkow, einer der reichsten Männer Russlands, war Mitte September unter Hausarrest gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm im Zusammenhang mit der Übernahme des Ölkonzerns Bashneft illegale Machenschaften wie etwa Geldwäsche vor. Fakt ist aber: Auch der staatliche Öl-Riese Rosneft hatte Interesse an Bashneft. Und dessen Chef und Puntin-Freund Igor Setschin.

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