So, 18. November 2018

Quasi mitregiert

05.12.2014 19:39

Mafia-Enthüllungen in Rom schockieren Italien

Jeden Tag vermelden die italienischen Behörden routinemäßig Untersuchungen gegen die Mafia. Das reißt in Italien niemanden mehr vom Hocker. Doch was sich seit Tagen in der Hauptstadt Rom abspielt, hat eine besondere Qualität: Die spektakulären Ermittlungen gegen Dutzende Politiker, Mafiabosse und Unternehmer zeigen, dass die Mafia in Rom lange quasi mitregierte, und wirft erneut einen Schatten auf das sowieso schon krisengeplagte Italien. Bisher wurden 37 Menschen festgenommen, rund 100 weitere Personen werden verdächtigt.

Durchsucht wurde auch das Haus des ehemaligen rechten Bürgermeisters von Rom, Gianni Alemanno. Er und andere Politiker, darunter auch von der sozialdemokratischen Partei PD von Premier Matteo Renzi, sollen mit der "Mafia Capitale" unter einer Decke gesteckt sein. Renzi entließ umgehend örtliche Parteispitzen und zeigte sich schockiert. Italiens Außenminister Paolo Gentiloni nannte die Sache am Freitag "beschämend". Alemanno, der bis 2013 im Amt war, weist hingegen alle Vorwürfe von sich.

Mafiaboss als "der letzte König von Rom"
Spektakulärster Fang ist der römische Mafiaboss und ehemalige neofaschistische Terrorist Massimo Carminati. Weil er bei einer Schießerei ein Auge verloren hat, wird er der "Einäugige" genannt oder auch "der letzte König von Rom". Carminati soll Ende der 70er-Jahre eine Schlüsselfigur der kriminellen römischen Vereinigung Magliana gewesen sein und Verbindungen zur neofaschistischen Partei MSI unterhalten haben.

Im nunmehrigen Skandal wird den Verdächtigen zur Last gelegt, ein weitverzweigtes Korruptionsnetz aufgebaut zu haben. Mafiosi sollen unter anderem Politiker bestochen haben, um an öffentliche Aufträge zu kommen. Auch haben sie mit der Unterbringung von Flüchtlingen kräftig verdient. Die Polizei beschlagnahmte Güter im Wert von mehr als 200 Millionen Euro, darunter auch Werke von Kunstgrößen wie Andy Warhol oder Jackson Pollock.

"Kriminelle Aktivitäten wurden unterschätzt"
"Kriminelle Aktivitäten in Rom hat es immer gegeben. Aber bis jetzt sind sie unterschätzt worden", sagte der Chef der Anti-Korruptionsbehörde, Raffaele Cantone, am Freitag der Zeitung "La Stampa". Roms sozialdemokratischer Bürgermeister Ignazio Marino kündigte an, alle verdächtigen öffentlichen Aufträge zu prüfen und Transparenz zu schaffen. Auch wenn ihn die Ermittlungen nicht treffen - neben anderen Problemen wie dem täglichen Verkehrskollaps oder der Vermüllung der Hauptstadt hat er nun eine weitere Baustelle.

Die Ermittlungen zeigen, dass die Mafia schon lange kein regional begrenztes Problem mehr ist. Die römische Mafia ist unabhängig von der Cosa Nostra in Sizilien, der 'Ndrangheta in Kalabrien oder der Camorra um Neapel entstanden. Längst haben die Clans ihre Macht auch im Norden Italiens und über die Landesgrenzen hinaus ausgebaut.

Experten warnten diese Woche in Brüssel vor dem langen Arm der Mafia in ganz Europa. "Wir bitten Europa, nicht den gleichen Fehler wie einige Regionen in Italien zu machen, als sie die Existenz der Mafia in Mailand ignorierten", sagte etwa Rosy Bindi, die Vorsitzende des Anti-Mafia-Ausschusses im italienischen Parlament.

Italien korruptestes Land in der Euro-Zone
Passend zum Skandal in Rom kam jetzt auch die Veröffentlichung der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, wonach Italien das korrupteste Land in der Euro-Zone ist. Die Nachricht war im Strudel der römischen Ermittlungen allerdings nur eine Randnotiz.

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