Wer für mehrere Tage vom Unterricht ausgeschlossen wird, konnte diese Zeit bislang weitgehend abseits der Schule verbringen. Damit ist ab dem neuen Schuljahr Schluss. In Linz müssen betroffene Pflichtschüler künftig an einem eigens eingerichteten Standort antreten. Dort geht es nicht nur ums Nachholen von Lernstoff – sondern auch darum, warum es überhaupt so weit gekommen ist.
Ein mehrtägiger Ausschluss vom Unterricht bedeutet für Linzer Schüler ab Herbst nicht mehr einfach, einige Tage zu Hause zu bleiben. Mit dem neuen Schuljahr startet eine verpflichtende Begleitung für suspendierte Schüler. In Linz werden die Betroffenen dafür zentral am Spallerhof betreut.
„Reintegrationsmaßnahme“ für Schüler
Die neue Regelung greift, sobald eine Suspendierung mindestens vier Tage dauert. Dann müssen die Schüler an einer Reintegrationsmaßnahme teilnehmen. Vorgesehen sind pro Woche acht bis 20 Stunden – und dabei geht es längst nicht nur darum, versäumten Lernstoff nachzuholen. Mindestens die Hälfte der Zeit entfällt auf psychosoziale Begleitung. Gemeinsam mit Schulpsychologie, weiteren Fachkräften und Lehrern soll auch aufgearbeitet werden, was überhaupt zur Suspendierung geführt hat. Gleichzeitig wird die Rückkehr in die Klasse vorbereitet.
„Aus Fehlern lernen“
„Junge Menschen brauchen klare Grenzen und müssen für ihr Verhalten Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig müssen wir ihnen auch die Chance geben, aus Fehlern zu lernen und wieder gut in die Schulgemeinschaft zu finden“, sagt Schulreferentin und Vizebürgermeisterin Merima Zukan. Für Linzer Pflichtschüler gibt es dafür künftig eine zentrale Anlaufstelle in der Glimpfingerstraße 8 am Spallerhof. Die Räume werden derzeit adaptiert und sollen rechtzeitig zum Schulstart fertig sein. Die Lernbegleitung übernehmen zusätzliche mobile Lehrer beziehungsweise Pädagogen der jeweiligen Schule.
152 Suspendierungen im Vorjahr
Dass das neue Angebot durchaus gebraucht werden könnte, zeigen die Zahlen: Im vergangenen Schuljahr wurden an den öffentlichen Linzer Pflichtschulen 152 Suspendierungen ausgesprochen, ein Jahr zuvor waren es noch 175. Am häufigsten traf es Mittelschüler mit 86 Fällen. Auffällig ist hingegen die Entwicklung an den Polytechnischen Schulen: Dort stieg die Zahl innerhalb eines Jahres von drei auf 13 Suspendierungen.
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