„Im Stich gelassen“

Schulverweise zeugen von Sonderpädagogik-Defizit

Oberösterreich
24.08.2026 11:20

587 Schüler wurden im vergangenen Schuljahr an oberösterreichischen Schulen vorübergehend suspendiert – wegen Gewalt, Drohungen oder Sachbeschädigungen. Eine Besserung ist nicht in Sicht: Immer mehr Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf stehen immer weniger Sonderpädagogen gegenüber. 

Es ist das letzte Mittel, wenn sonst gar nichts mehr hilft: Schüler können in Österreich bei Fehlverhalten bis zu vier Wochen vom Unterricht suspendiert werden. Die Zahlen sind bundesweit im Steigen begriffen, verhältnismäßig lag Oberösterreich mit 587 suspendierten Schülern im abgelaufenen Schuljahr im Bundesländervergleich auf Platz drei hinter Wien und Vorarlberg.

Odyssee für betroffene Mutter
Dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen bösartig oder schlecht erzogen sind, ist freilich keineswegs immer der Fall. Manche fühlen sich „vom System im Stich gelassen“, wie es die Mutter eines siebenjährigen Mühlviertlers formuliert, der zuletzt ebenfalls suspendiert wurde. Der an Autismus leidende Bub wurde schon in der ersten Klasse Volksschule dreimal des Unterrichts verwiesen. Ein Antrag auf sonderpädagogischen Förderbedarf sei aber von der Schule abgewiesen worden, so die Mutter, die sich in der Folge mit der Bitte um Rat und Hilfe an Land, Gemeinde und Bildungsdirektion wandte. Eine Lösung gebe es bis heute nicht.

Schere geht immer weiter auf
Der Fall zeige tatsächlich, dass es am System krankt, meint SPÖ-Bildungssprecherin Doris Margreiter. Denn damit es gar nicht so weit kommt, dass Schüler suspendiert werden müssen, dafür bräuchte es mehr Sonderpädagogen. Doch die sind in Oberösterreich zuletzt eher weniger geworden. Laut der Beantwortung einer SPÖ-Anfrage durch die zuständige LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) ist deren Zahl seit dem Schuljahr 2021/22 von 1377 auf 1095 gesunken. Im gleichen Zeitraum ist indes die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf von 5197 auf 6562 gestiegen (siehe Grafik).

„Angesichts dessen ist Schulsozialarbeit als Präventionsstrategie unerlässlich, um Lehrkräfte im Job zu halten“, sagt Margreiter. Doch auch hier hakt es: Bereits 2009 wurde ein Ausbau der Schulsozialarbeit auf 100 Dienstposten bis Ende 2013 einstimmig im Landtag beschlossen – doch noch heute fehlen 38 Dienstposten.

Immerhin – und darauf weist Haberlander in ihrer Anfragebeantwortung hin: Studenten können jetzt in der Lehrerbildung Neu den Schwerpunkt „Inklusion“ im Volksschullehramt wählen.

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