Die extreme Hitze und Trockenheit setzen der Beifuß-Ambrosie heuer kräftig zu. Daher dürfte es weniger Ragweed-Pflanzen geben als in normalen Jahren. Bedeutet das Entwarnung für Allergiker?
Sie wächst an Straßenrändern sowie auf Brachflächen, Baustellen und Acker- und Grünland und belastet das Immunsystem von immer mehr Österreichern: Ragweed, auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt. Laut Pollenservice der Medizinischen Universität Wien konnte sich die hochallergene Pflanze unter den extremen Bedingungen des warmen Frühjahrs und heißen Sommers heuer vielerorts schlechter entwickeln als sonst. Neben Wärme und Licht benötigt das widerstandsfähige Unkraut nämlich auch ausreichend Bodenfeuchtigkeit für sein Wachstum.
Diesen rückläufigen Trend untermauern die Ragweed-Meldungen: 2026 wurden österreichweit 1050 Ragweedfunde gemeldet und 1006 verifiziert. 2025 hatte es noch 3053 gemeldete und 2851 bestätigte Funde gegeben. Auch das Burgenland verzeichnet einen Rückgang: Gab es Mitte August des Vorjahres noch 1227 Meldungen, hat sich die Zahl heuer nahezu halbiert.
Die Rechnung ist nicht so einfach wie gedacht
Doch auch wenn die Bestände heuer geringer und die Exemplare kleiner als in durchschnittlichen Jahren sind, ist die Gefahr für Allergiker nicht gebannt, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter: „Relevant wird die Witterung in den nächsten Wochen. Für das Burgenland, Wien, Niederösterreich und die Steiermark beginnt jetzt die entscheidende Phase.“
Ragweed blühe in Österreich zwar hauptsächlich von Juli bis Oktober, doch besonders bedeutsam für den Pollenflug seien die Monate August und September. Ein warmer Herbst könne die Blüte und Samenreife verlängern und damit auch die Pollensaison ausdehnen: „Abgesehen davon können Ragweed-Pollen bereits in geringer Konzentration heftige Beschwerden auslösen“, sagt Hutter.
Trockenstress macht Pollen aggressiver
Hinzu kommt, dass Trockenstress die Pollen aggressiver macht, weil der Wassermangel unter anderem zu einer verstärkten Bildung bestimmter Proteine führt, zu denen auch Allergene zählen, so Hutter: „Wie stark die Belastung tatsächlich ausfällt, hängt in den kommenden Wochen vom Wetter und den Windverhältnissen ab. Ragweed-Pollen können über weite Strecken aus Südosteuropa nach Österreich transportiert werden. Besonders Wind aus östlichen und südöstlichen Richtungen kann die Belastung in Ostösterreich deutlich erhöhen.“
Auch aus Sicht der Landwirtschaft bleibt Ragweed problematisch. Eine einzelne Pflanze kann mehrere Tausend Samen produzieren, die über Jahrzehnte keimfähig bleiben. Deshalb gilt: Bestände möglichst entfernen, bevor die Pflanzen Samen bilden. Für Anfang 2027 ist übrigens eine Novelle des Burgenländischen Ragweed-Bekämpfungsgesetzes vorgesehen.
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