Mi, 22. August 2018

Schlacht um Kobane

10.10.2014 14:53

IS-Kämpfer nehmen kurdisches Hauptquartier ein

Die kurdischen Verteidiger von Kobane haben einen schweren Rückschlag erlitten. Nach erbitterten Kämpfen eroberte die Dschihadistengruppe Islamischer Staat das Hauptquartier der kurdischen Milizen in der nordsyrischen Grenzstadt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag berichtete. Außerdem starteten die Gotteskrieger massive Angriffe auf eine wichtige Verbindungsstraße zur türkischen Grenze, um die letzte Kurdenbastion von der Außenwelt abzuschneiden.

Der UNO-Syrien-Sondergesandte Staffan de Mistura rief die Türkei auf, kurdische Flüchtlinge zurück über die Grenze zu lassen, damit sie sich an der Verteidigung von Kobane beteiligen können. Zudem drängte er die Türkei, die internationale Militärallianz vom eigenen Territorium aus zu unterstützen.

De Mistura warnte, den 700 zumeist älteren verbliebenen Bewohnern der Stadt sowie rund 12.000 weiteren Zivilisten in der Nähe drohe bei einer Eroberung Kobanes durch die Islamisten ein "Massaker" wie im bosnischen Srebrenica, wo 1995 etwa 8.000 muslimische Jungen und Männer getötet worden waren. Der Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP, Besir Atalay, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu hingegen, außer kurdischen "Militanten" halte sich niemand mehr in Kobane auf. Alle Zivilisten seien in die Türkei geflohen.

Laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben die Islamisten für ihre jüngste Offensive sämtliche Kräfte in Bewegung gesetzt. Die Dschihadisten haben die Stadt bereits von drei Seiten umstellt. Sollte der IS Kobane erobern, hätten die sunnitischen Extremisten einen durchgängigen Grenzstreifen zur Türkei unter ihrer Kontrolle. In Syrien und im Irak haben sie seit Juni in weiten Landstrichen die Macht inne. Im Irak sind es vor allem große Teile der von Sunniten bewohnten Gebiete im Norden und in der westirakischen Provinz Anbar.

31 Tote bei Protesten in Türkei
In der Türkei kosten die Proteste gegen die türkische Untätigkeit im Kampf um Kobane immer mehr Menschen das Leben. Inzwischen seien bei Zusammenstößen vor allem im kurdisch geprägten Südosten des Landes 31 Menschen getötet worden, sagte Innenminister Efkan Ala in Ankara nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Zusätzlich seien am Donnerstag zwei Polizisten in Ostanatolien erschossen worden. 360 Menschen seien verletzt worden, darunter 139 Polizisten.

In 35 der 81 türkischen Provinzen sei es seit Dienstag zu Ausschreitungen gekommen. Die Türkei hat an ihrer Südgrenze Panzerverbände in Schuss- und Sichtweite von Kobane stationiert, ist aber nicht bereit, allein mit Bodentruppen gegen den IS vorzugehen.

IS-Terrorkämpfer attackieren Versorgungsroute
Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter brachte der IS in Ostkobane mit Motorrädern Waffennachschub zu seinen Kämpfern, um die lebenswichtige Versorgungsroute der Kurden zu kappen. Ein kurdischer Aktivist namens Farhad al-Shami in der Ortschaft sagte der dpa am Telefon, die Dschihadisten hätten die Straße am frühen Morgen unter massiven Beschuss genommen. Seinen Informationen nach starben rund 200 kurdische Kämpfer, seit am Montag der IS in die strategisch wichtige Grenzstadt eingedrungen ist.

Die USA und ihre Verbündeten setzten den Luftkrieg gegen den IS in der Nacht auf Freitag fort. Laut den Menschenrechtsbeobachtern wurden dabei zwei Stellungen der Dschihadisten im Osten Kobanes und eine im Süden der Stadt getroffen. Am Donnerstag seien neun Ziele im Norden und Süden beschossen worden, teilte das Zentralkommando des US-Militärs in Tampa (Florida) mit. Dabei seien mehrere vom IS genutzte Gebäude sowie Panzer der Terrormiliz zerstört worden. Kurdische Politiker betonten allerdings wiederholt, dass die Luftschläge alleine nicht ausreichen würden, um den Fall von Kobane zu verhindern.

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