So, 23. September 2018

Kritischer Bericht

03.07.2014 09:46

Landraub in Osteuropa: Österreich macht eifrig mit

"Besonders in Osteuropa schreiten Landkonzentration und Land Grabbing rapide voran", heißt es in einem aktuellen Bericht des FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerks Österreich. Die NGO, die sich für das Recht auf Nahrung einsetzt, kritisiert, dass vom Investitionsboom die Bauern vor Ort kaum profitieren. Besitzkonzentration in den Händen weniger - und österreichische Investoren mischen im großen Stil mit.

Der Wettlauf um Grund und Boden findet vor allem in Rumänien, Serbien und Ungarn statt. Sukzessive würden Kleinbauern verdrängt. In Rumänien setzt diese Entwicklung den Kleinbauern laut FIAN stark zu. Millionen Betroffene stünden vor dem Aus, und junge Bauern würden in die Emigration gedrängt, wird Attila Szocs von Ecoruralis, einem rumänischen Kleinbauern-Netzwerk, in dem Bericht zitiert. Mit ihren Produkten seien die Bauern oftmals nicht konkurrenzfähig, der Verkauf des Bodens bliebe als einzige Option. Die darauf folgende drohende Armutsspirale dränge sie oftmals dazu in Westeuropa - auch in Österreich - als unterbezahlte Erntehelfer ihr Auskommen zu suchen.

Entwicklung hat sich seit EU-Beitritten verstärkt
Diese Entwicklung sei der mit dem EU-Beitritt in Kraft getretenen Verpflichtung der Liberalisierung des Landmarktes geschuldet: Diese bedeute "auch die Öffnung des Landmarkts für ausländische Käufer und Käuferinnen, die 2014 voll in Kraft treten soll", erklärt FIAN. "Zusammen mit dem Fehlen staatlicher Hilfe für kleine und mittlere bäuerliche Betriebe trägt das zu Land Grabbing und zur steigenden Konzentration von Landeigentum bei."

FIAN zieht neben der EU auch Österreich zur Verantwortung: Österreichische Investoren seien in Rumänien dicht vertreten, und trotz noch bestehender gesetzlicher Hürden befänden sich bereits 700.000 Hektar Agrarland in den Händen von transnationalen Unternehmen. Österreichische Investoren kontrollieren davon angeblich sechs Prozent. Die Aussicht auf EU-Agrarsubventionen, die für größere Flächen üppiger ausfallen, unterstütze diese Entwicklungen, wird in der Aussendung erklärt.

Ungarische Regierung schützt Boden vor "Spekulanten"
Erst am 1. Mai war in Ungarn ein verschärftes Bodengesetz in Kraft getreten, um "ungarischen Boden vor Spekulanten zu schützen", wie der Staatssekretär im Budapester Agrarministerium, Marton Bitay, Anfang März betont hatte. Von dem Gesetz waren mehrheitlich Österreicher betroffen, die große Flächen in Ungarn erworben hatten.

Doch nicht nur ausländische Investoren sind an der Misere schuld. So haben laut FIAN nationale Oligarchen in den letzten zwei Jahrzehnten enge Beziehungen zu Ungarns politischer Elite aufgebaut und sich große Landflächen und die damit einhergehenden EU-Agrarsubventionen angeeignet.

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