Anpfiff in Brasilien

WM mit bunter Feier in Sao Paulo eröffnet

Sport
13.06.2014 00:11
Unter dem Eindruck neu aufgeflammter Sozialproteste und gewaltsamer Polizeieinsätze ist am Donnerstagnachmittag in Sao Paulo mit einem bunten Spektakel der Beginn der 20. Fußball-Weltmeisterschaft gefeiert worden. Die Zeremonie vor rund 62.000 Zuschauern, darunter auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, stieg im Corinthians-Stadion der Metropole.

Vor dem Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien (siehe Infobox) sorgten dort mehr als 600 Künstler für Stimmung. Ihre Kostüme symbolisierten die drei "Schätze" Brasiliens - Natur, Menschen, Fußball. Höhepunkt war der Auftritt von US-Popstar Jennifer Lopez mit Rapper Pitbull und der brasilianischen Sängerin Claudia Leitte, die zum Schluss der 25-minütigen Zeremonie den offiziellen WM-Song "We are one" sangen.

Gedenken der verunglückten Bauarbeiter
Offiziell eröffnet wurde die bis zum 13. Juli dauernde Weltmeisterschaft in Brasilien von drei Kindern, die direkt vor dem Anpfiff der ersten WM-Partie Friedenstauben in den Himmel aufsteigen ließen. Während der Zeremonie wurde auch der acht Arbeiter gedacht, die während der Bauarbeiten für die zwölf WM-Stadien ums Leben gekommen waren.

Überschattet wurde der WM-Start von ersten harten Einsätzen der Militärpolizei gegen Demonstranten in Sao Paulo. Die Anti-WM-Stimmung entzündete sich am Vormittag bei der U-Bahn-Station Carrao etwa zehn Kilometer vom WM-Eröffnungsstadion entfernt. Maskierte Randalierer knickten Straßenschilder um, rissen Mülleimer aus den Halterungen und setzten den Müll in Brand.

CNN-Reporterinnen bei Tumulten verletzt
Zudem bewarfen sie Polizisten mit Steinen, die ihrerseits mit Tränengasgranaten, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen Demonstranten vorging. Die Aktion wurde von zahlreichen Journalisten begleitet, die mit Helmen und Schutzmasken ausgestattet waren. Zwei CNN-Journalistinnen wurden leicht verletzt, ihnen geht es aber gut, wie der Sender versicherte. Es soll mindestens fünf Festnahmen gegeben haben.

An Rios Copacabana verfolgten Tausende Fans die Eröffnungszeremonie und das anschließende Spiel Brasilien-Kroatien beim FIFA-Fanfest. Doch auch in der Stadt am Zuckerhut, wo am 13. Juli das Finale ausgetragen wird, gingen Hunderte WM-Gegner im Zentrum der Stadt auf die Straße. Auch dort kam es zu Tumulten. Es waren aber wie in Sao Paulo eher isolierte Aktionen.

In Rio sorgte zudem ein Streik des Bodenpersonals an den Flughäfen für Verärgerung. Wegen einer kurzzeitigen Blockade der zentralen Zufahrtsstraße zum internationalen Flughafen Galeao kam es zu kilometerlangen Staus. Einige Passagiere verpassten ihre Flüge. In der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens waren die Busfahrer im Streik und nur 30 Prozent der Busse im Einsatz. Proteste gab es auch in Belo Horizonte und Porto Alegre.

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