Halter im Irrtum

Studie über Katzenwohl mit ernüchterndem Ergebnis

Tierecke
09.03.2026 12:07

Die meisten Katzenbesitzer sind überzeugt, ihre Stubentiger zu kennen. Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien erschüttert diese Gewissheit. Halter verlassen sich bei der Beurteilung auf das Offensichtliche und übersehen dabei das Entscheidende. Was sie stattdessen im Blick haben sollten, ist überraschend naheliegend.

Sie frisst, schaut aufmerksam durchs Fenster und kommt abends zum Kuscheln auf die Couch. Für die meisten Katzenbesitzer ist damit klar: „Meiner Katze geht es gut.“ Doch genau dieses Bauchgefühl ist, wie eine neue Studie zeigt, systematisch zu optimistisch.

Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben mehr als 400 Katzenbesitzer aus Österreich und Deutschland befragt – zu Gesundheit, Verhalten und Zufriedenheit ihrer Tiere. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Die Lücke zwischen Bauchgefühl und Realität
Die Teilnehmer sollten das Wohlbefinden ihrer Katze auf einer Skala von null bis hundert bewerten. Der Durchschnitt lag bei 89 – auf den ersten Blick ein Zeichen dafür, dass es den Katzen rundum gut geht. Gleichzeitig wurden die Besitzer zu Verhalten, Gesundheit, Gewicht, Wohnbedingungen und sozialen Kontakten ihrer Tiere befragt. Aus diesen Angaben erstellten die Forscher eine umfassende Auswertung anhand von 54 Merkmalen.

Rundum glücklich oder nur rund?
Rundum glücklich oder nur rund?(Bild: aetb - stock.adobe.com)

Der Vergleich zwischen persönlicher Einschätzung und systematischer Auswertung zeigte eine deutliche Diskrepanz. Auf den Punkt gebracht: Was Besitzer als Wohlbefinden wahrnehmen, stimmt nur wenig damit überein, was die Auswertung als tatsächliche Lebensqualität erfasst.

Was wir sehen – und was wir nicht sehen wollen
Menschen orientieren sich an dem, was unmittelbar vor ihnen liegt. Eine neugierige, agile Katze mit Appetit gilt als zufrieden. Deutliche Anzeichen von Krankheit oder Angst werden erkannt und richtig eingeordnet. Was sich aber still und schrittweise verändert, entgeht dem Alltagsblick fast zwangsläufig.

Ein besonders deutliches Beispiel dafür ist Übergewicht. Studien zeigen klar: Wenn Katzen zu viel wiegen, bewegen sie sich weniger, leben kürzer und werden häufiger krank. Trotzdem spielte das Körpergewicht bei den Einschätzungen kaum eine Rolle.

Ähnliches zeigt sich beim Alter. Ältere Katzen sind oft langsamer, weniger beweglich und spielen weniger – trotzdem bewerteten ihre Besitzer sie kaum schlechter als jüngere Tiere. Der Grund ist einfach: Wenn eine Katze mit der Zeit immer etwas mehr schläft und immer etwas weniger springt, merkt man den Unterschied von Tag zu Tag kaum.

Gemeinsame Ruhe ist mehr als ein schöner Moment – sie tut der Katze nachweislich gut.
Gemeinsame Ruhe ist mehr als ein schöner Moment – sie tut der Katze nachweislich gut.(Bild: Zwickl)

Was wirklich ins Gewicht fällt
Die systematische Auswertung zeigt, was Lebensqualität für Katzen wirklich bedeutet. Am wichtigsten ist, dass Katzen das tun können, was ihnen von Natur aus liegt: klettern, erkunden, jagen und kratzen. Dazu kommt, dass sie verschiedene Bereiche der Wohnung frei nutzen können. Aber auch ruhige, entspannte Momente mit ihren Menschen zählen – genauso wie ein gutes Miteinander mit anderen Katzen im Haushalt.

Beziehung als stiller Schutzfaktor
Erfreuliches findet sich ebenfalls in den Daten. Die Beziehung zwischen Mensch und Katze hat einen messbaren Einfluss auf das Wohlbefinden des Tieres. Streicheln, ruhige gemeinsame Momente, das Sprechen mit der Katze – all das macht einen Unterschied.

Aus neuer Perspektive betrachtet
Die Studie lädt dazu ein, die eigene Katze immer wieder mit neuen Augen zu sehen. Bewegt sie sich noch so leicht wie vor einem halben Jahr? Hat sie unmerklich zugenommen? Hat sie genug Rückzugsorte, Klettermöglichkeiten und ruhige Momente? Wer öfter innehält und genauer schaut, wird vielleicht überrascht sein. Denn eine Katze, die zufrieden wirkt, muss es nicht sein. Und ob es ihr wirklich gut geht, sieht man oft erst, wenn man gelernt hat, genau hinzuschauen.

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