Keine akute Gefahr haben die Luftmessungen der Taskforce im Burgenland ergeben. Bis definitive Aussagen möglich sind, wird es aber noch Wochen dauern.
Die Taskforce Luftqualität hat ihr Versprechen gehalten und erste konkrete Zahlen von den Luftmessungen vorgelegt. Diese bestätigten die Ersteinschätzung, dass „keine akute Gefahrenabwehr benötigt“ wird, wie Gesundheitsmediziner Hans-Peter Hutter erklärt. Die Daten – sie stammen aus rund einem halben Dutzend Gemeinden – zeigen eine Belastung der Luft deutlich unter dem Referenzwert der Taskforce. Dieser ist bei 1000 Fasern pro Kubikmeter Luft angesetzt und entspricht jenem des Umweltbundesamtes für Unbedenklichkeit nach Asbestsanierungstätigkeiten. Zum Vergleich: beim Arbeitnehmerschutz wird von einem Grenzwert von 10.000 Fasern pro Kubikmeter ausgegangen.
Spital als Mess-Ausreißer
Einziger Mess-Ausreißer ist der Bereich bei der Klinik Oberwart. Hier wurde aber bereits gehandelt, wie Andreas Temmel, Vertreter der Landesverwaltung, erklärt. Über den freiliegenden Schotter wurde Erde gegeben, eine Freisetzung von Fasern in die Luft damit unterbunden.
25 Gemeinden wollen Messungen
Die Ergebnisse werden voraussichtlich am Freitag auf der Homepage des Landes veröffentlicht – inklusive einer kurzen Erklärung, wie sie zu interpretieren sind. Die Daten werden laufend ergänzt. 25 Gemeinden haben um Luftmessungen angesucht. Bis diese abgeschlossen sind, wird es noch rund zwei Wochen dauern.
Steinbrüche müssen noch länger warten
Sowohl Hutter als auch der Sachverständige Michael Kochberger betonen jedoch, dass durch die aktuellen Witterungsbedingungen ohnehin nicht viele Fasern in die Luft gelangen können, was sich auch in den Messergebnissen widerspiegelt. Deswegen ist für April oder Mai eine weitere Messreihe vorgesehen. Bereits in drei bis vier Wochen werden auch Ergebnisse der Proben aus den gesperrten Steinbrüchen vorliegen.
Belastung für Anrainer wird berechnet
Rund eine Woche später sollen weiters die Ausbreitungsberechnungen von Geosphere fertig sein. Diese sollen zeigen, wie stark Anrainer der Steinbrüche betroffen sind. Auf Basis dieser Daten können die Behörden dann entscheiden, wie es mit den gesperrten Steinbrüchen weitergeht. Ob ein Abbau möglich ist, ohne dass Asbest in Schotter und Splitt landen, soll die Montan-Uni Leoben klären.
Langer Rechtsstreit möglich
Bleiben die Abbaustätten weiter geschlossen, wird dies wohl eine juristische Auseinandersetzung nach sich ziehen. Das Problem dabei: Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keine eindeutige gesetzliche Regelung. Es ist also gut möglich, dass die Sache erst höchstgerichtlich ausjudiziert werden muss – was womöglich Jahre dauern kann. Temmel appelliert daher erneut an den Bund, endlich klare Grenzwerte festzulegen, damit man eine eindeutige Entscheidungsgrundlage habe. Zuständig ist hier allein der Bund, ein Alleingang des Landes ist rechtlich nicht möglich.
Keine „Hauruck-Aktionen“
Doch was ist mit Gemeinden und Privatpersonen, die möglicherweise belasteten Schotter oder Streusplitt auf Grundstücken liegen haben? Die Taskforce spricht sich für eine Sanierung aus, allerdings mit Bedacht. Hutter warnt vor einer „Hauruck-Aktion“, wie sie ein Fast-Food-Lokal nach positiven Proben von Greenpeace gemacht habe. Kochberger rät bei so einem Vorgehen auf jeden Fall zum Tragen einer FFP2-Maske, die vor dem Einatmen gefährlicher Fasern schützt. Eine baldige Sanierung, etwa durch Zuschütten mit Erde oder Entfernen wird aber empfohlen.
Streusplitt-Einsammeln als Herausforderung
Gemeinden werden sich zudem überlegen müssen, wie sie möglicherweise belasteten Streusplitt möglichst staubfrei einsammeln können. Und für den nächsten Winter wird man sich wohl Alternativen zum Streusplitt überlegen müssen.
Unterdessen verspricht die Taskforce weiter zum Schutz der Gesundheit der Bürger zu arbeiten, ohne zu verharmlosen aber auch ohne für falsche Verunsicherung zu sorgen. „Wenn etwas ist, sagen wir es auch“, sagt Hutter.
Greenpeace warnt erneut
Greenpeace sieht sich hingegen durch die präsentierten Messdaten bestätigt. „Liegen die Werte bereits im Winter so hoch, ist bei trockenen Bedingungen in der wärmeren Jahreszeit mit signifikant höheren Werten zu rechnen. Das Land Burgenland und die betroffenen Gemeinden müssen jetzt – solange es noch kalt und feucht ist – Maßnahmen ergreifen und potentielle Asbestfaserquellen wie Streusplitt, Schotter und dergleichen entfernen“, so Greenpeace-Experte Stefan Stadler.
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